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Fiktive Firmen Schwerer Betrug: Zwei Delmenhorster vor Gericht

Von Marco Julius | 04.06.2015, 19:52 Uhr

69 Straftaten werden zwei Delmenhorstern vorgeworfen. Sie sollen im Jahr 2012 mit unberechtigten Mahnungen von nicht existierenden Firmen in 37 Fällen Geld ergaunert haben.

Mit dem Verdacht des gemeinschaftlichen schweren Betrugs sehen sich derzeit ein 43-jähriger Mann und eine 50-jährige Frau aus Delmenhorst vor dem Amtsgericht Delmenhorst konfrontiert. Dabei geht es um Fälle, wie sie derzeit bundesweit „en vogue, wenngleich nicht super-originell“ seien, wie es Richter Holger Jurisch jetzt beim ersten Verhandlungstermin, den er als „Schnupper-Termin“ bezeichnete, ausdrückte.

Konkret geht es um 69 Fälle im Zeitraum vom 14. April 2012 bis zum 9. Juli 2012. Bundesweit haben demnach überwiegend ältere Menschen Post von fiktiven Firmen bekommen, die Zahlungsaufforderungen und Mahnungen enthielt. Bis zu 129 Euro sollten sie unter Androhung von rechtlichen Schritten überweisen, zum Beispiel für Zeitungs-Abos, die sie allerdings nie abgeschlossen hatten. In 37 Fällen haben die angeschriebenen Geschädigten die geforderte Summe tatsächlich überwiesen, und zwar auf Konten, die auf die beiden Delmenhorster liefen. Insgesamt geht es um eine Summe von 4672 Euro. Die Beschuldigten wiederum haben, so der Vorwurf, das Geld abgehoben und einen Großteil an Dritte in die Türkei überwiesen, stets aber mindestens einen Lohn für sich behalten.

Jurisch wollte ausloten, ob das „sehr aufwendige Verfahren“ mit einer Absprache verkürzt werden könnte. Dazu ist es vorerst nicht gekommen. Die Verteidigerin der Angeklagten brachte vor, eine konkrete Tatbeteiligung ihrer Mandantin sei aus der Aktenlage nicht ersichtlich. Sie habe ein Konto gehabt, auf dem seien ein paar Zahlungen eingegangen, sie habe Geld abgehoben und einen Teil davon verschickt. Mehr nicht. Dass sie mit dem Mitangeklagten zur Tatzeit liiert gewesen sei, reiche nicht für eine Verurteilung. Auch der Verteidiger des 43-jährigen Mannes, der als Selbstständiger in der Call-Center-Branche arbeitet, sah die Faktenlage für den Vorwurf „gemeinschaftlicher Betrug“ als dünn an. Sein Mandant habe keine Briefe verschickt, er kenne solche Briefe auch nicht, sondern habe sein Konto im guten Glauben einem Geschäftspartner zur Verfügung gestellt. Das führte auch der Angeklagte selbst noch einmal an. Zwar sei er gerichtsbekannt, habe aber seit Mitte der neunziger Jahre eine weiße Weste. „Hätte ich gewusst, was dahinter steckt, hätte ich doch nie mein Konto angegeben“, sagte er.

Die Verhandlung wird am Montag, 22. Juni, fortgesetzt. Dann sollen zwei am Ermittlungsverfahren beteiligte Polizisten aussagen. Während die Verteidigung bezweifelte, dass sich daraus neue Erkenntnisse ergeben, machte Jurisch klar, dass er gewillt es, das Verfahren anzuschieben.