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Flüchtlinge treffen weiterhin ein Nach der Flucht kommt das Pauken der Vokabeln

Von Kai Hasse | 26.08.2017, 13:35 Uhr

Die Zahl der Zuwanderer aus Konfliktherden der Welt in Delmenhorst wächst weiter stetig. Die Zuweisung von Flüchtlingen ist stetig. Neu ist die Flüchtlingsgruppe der Türken

Zwei Jahre nach dem großen Flüchtlingszuzug landen die Menschen, die aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern geflüchtet sind, nun auch auf dem Arbeitsmarkt der Stadt Delmenhorst – und in den Melderegistern. Gleichzeitig versiegt der Zuzug nicht: Noch immer gibt es eine regelmäßige Zahl von zugewiesenen Flüchtlingen.

Zahl der Flüchtlinge im Jobcenter verdoppelt

Wer in den vergangenen Jahren nach Deutschland kam, landet nach oft langwierigen Verfahren um die Anerkennung des Asyl-Status in der Statistik des Jobcenters. Dort sollen sie vermittelt werden und beziehen Sozialleistungen wie auch deutsche Jobsuchende. So hat sich die Zahl der Menschen mit Flüchtlingshintergrund, die beim Jobcenter gemeldet sind, im vergangenen Jahr verdoppelt: 1364 waren es im August 2016. Mit Stand Juli 2017 waren es 2596. Einbezogen sind dabei auch Bulgaren und Rumänen: Zusammen 322 im Jahr 2016 und 410 im Jahr 2017. Beim Anteil nach Staatsangehörigkeit unter den Flüchtlingen aus Unruheherden der Welt liegen die Syrer vorn. 1304 waren es 2017. Ihre Zahl hat sich verdoppelt: Im Sommer 2016 waren es 655. Mit vorn liegen auch die Iraker: 2016 waren es 234, aktuell 618. Weitere Zahlen: Flüchtlinge aus Afghanistan 149 im Juli 2017 (und 58 im August 2016), Iran 38 (32), Pakistan 33 (33), Iran 32 (38) Somali 18 (4), Nigeria 16 (18) und Eritrea 10 (8).

Sprache wichtigste Qualifikation

Die Zahlen liefert Frank Münkewarf, Chef des Jobcenters Delmenhorst. Er hat die oberste Aufgabe, diese Menschen in ein Arbeitsverhältnis zu bringen. „Die oberste Prämisse dabei ist der Spracherwerb“, sagt er, „ohne die deutsche Sprache kann es kaum einen Zugang zum Arbeitsmarkt geben.“ Dabei hätten die Flüchtlinge tendenziell unterschiedliche Voraussetzungen. Menschen aus Ländern mit einem ursprünglich guten Bildungs- und Wirtschaftssystem wie Syrien oder Irak falle es deutlich leichter, die Sprache zu lernen. Sie hätten auch eine hohe Motivation, weil sie sich oft parallel um den Familiennachzug bemühen würden.

Durchmischte Staatsangehörigkeit

Die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre ist eingebettet in einen länger anhaltenden Trend der durchmischteren Staatszugehörigkeit von Delmenhorstern: Nach Angaben der Stadt Delmenhorst hat die Zahl der in der Stadt gemeldeten Menschen mit ausländischem Pass angezogen. Zwischen Dezember 2011 und Juni 2017 ist die Zahl der Polen von 555 auf 1450 gewachsen, die der Syrer von 65 auf 1435, Bulgaren von 138 auf 1113, Iraker von 141 auf 848, Afghanen von 37 auf 321. Konstant geblieben ist die Zahl der Türken bei etwa 2400 sowie die der Russen (um 250) oder der Ukrainer (etwa 200).

Zuweisung im Sommer ausgesetzt

Derweil gehen die regelmäßigen Zuweisungen von Flüchtlingen aus den Ländern in die Kommunen weiter. Rund 20 Menschen erreichen somit monatlich auch die Stadt Delmenhorst. Mit einer Ausnahme: In den Monaten Juni, Juli und im laufenden August wurde die Zuweisung ausgesetzt. Der Grund ist laut Hannah Hintze, Sprecherin der Landesaufnahmebehörde, die desolate Situation um die Problemblöcke im Wollepark. Menschen von dort mussten umquartiert werden. „So ist es zu einem Kapazitätsengpass in Delmenhorst gekommen,“ erklärt Hintze. Ab dem September werde die Zuweisung aber wieder laufen.

Neue Flüchtlingsgruppe: Türken

Nach wie vor muss die Landesaufnahmebehörde sich monatlich um zusätzliche Flüchtlinge im vierstelligen Bereich kümmern. Von Mai bis August kamen jeweils zwischen 1067 und 1320 Menschen an. Die Top-Herkunftsländer sind Syrien, Irak, Afghanistan. Und, an vierter Stelle – die Türkei: „Das“, sagt Hintze, „ist den aktuellen politischen Verhältnissen in der Türkei geschuldet.“