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Flüchtlingshilfe in Delmenhorst Bunter Abend für Flüchtlinge in Delmenhorst

Von Dirk Hamm | 12.02.2016, 15:56 Uhr

Einmal aus der Eintönigkeit der Sporthalle herauskommen: Das haben Diakonie und Türkischer Arbeiterverein 80 Flüchtlingen mit einem bunten Abend ermöglicht.

Erst schaut sie ein wenig schüchtern zu, dann reiht sich Zamia in die Mädchengruppe ein, die gerade vor Publikum einen mazedonisch-türkischen Volkstanz vorführt. Zamia ist acht Jahre alt. Sie strahlt, genießt es sichtlich, mitmachen zu dürfen. Rund 80 Kinder und Erwachsene schauen zu, viele haben ihr Smartphone gezückt und filmen die fröhliche Szene.

Flüchtlinge aus der Weverstraße eingeladen

So weit erscheint das nicht als besonders ungewöhnlich, und dennoch handelte es sich bei dem bunten Abend am Donnerstag im Gemeindesaal der Kirche Zu den Zwölf Aposteln an der Breslauer Straße um alles andere als eine alltägliche Veranstaltung: Das Diakonische Werk und der Türkische Arbeiterverein hatten rund 80 Flüchtlinge aus der Unterkunft an der Weverstraße zu einem gemütlichen Beisammensein mit leckeren türkischen Speisen, Musik und Tanz eingeladen. Rund 20 Ehrenamtliche haben zum Gelingen des Abends im bunt geschmückten Gemeindesaal beigetragen.

Mutter und Tochter mussten bei Flucht große Strapazen bewältigen

„Die Idee war, den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, mal herauszukommen, etwas anderes zu sehen und etwas anderes zu essen als die tägliche Gemeinschaftsverpflegung in der Sporthalle“, sagt Martin Dreyer, der die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe der Diakonie leitet. „Gar nicht so einfach“ sei die Organisation des Abends gewesen, vor allem das Transportproblem musste gelöst werden. Dies gelang dank der Mithilfe der Delbus und der Firma Hutfilter, die jeweils einen Bus zur Verfügung stellten.

Mutter erzählt auf Englisch von der Flucht

„Sie ist mit Herz und Seele dabei“, sagt Ayhan Zeytin, der die Tanzgruppe des Türkischen Arbeitervereins leitet, über die kleine Zamia. Das Mädchen ist mit seiner Mutter, Farzana Naz, im vergangenen Herbst aus Pakistan geflüchtet. Kaum vorstellbar sind die Strapazen, die die beiden bei der gefahrvollen Flucht zu Fuß durch iranische Bergregionen auf sich genommen haben: Von der klirrenden Kälte ohne passende Bekleidung berichtet die Mutter auf Englisch, und von der Gefahr durch iranische Polizisten und Grenztruppen, die auf Flüchtlinge schießen. Immer wieder haben auch die Helfer der Diakonie in Gesprächen mit den überwiegend aus Afghanistan stammenden Neuankömmlingen an der Weverstraße von Übergriffen während der Flucht erfahren. „Die Flucht über den Iran ist sehr gefahrvoll. Die Flüchtlinge werden geprügelt, beschossen, gejagt“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Franz-Josef Franke.

Wiederholung des bunten Abends noch offen

In der Türkei angekommen, war für die kleine Familie die Gefahr noch nicht vorbei: Mit dem Schlauchboot musste die Überfahrt nach Griechenland bewältigt werden. Warum gehen Menschen solche Risiken ein, um nach Deutschland zu gelangen? Für Farzana Naz ist das Wohlergehen ihrer Tochter der ausschlaggebende Fluchtgrund gewesen: „Ich erhoffe mir eine gute Zukunft für sie.“ Zwar sei nicht alles schlecht in Pakistan, aber in der Millionenmetropole Karatschi sei die Situation für sie und ihre Tochter sehr schlecht gewesen, täglich würden Frauen und Kinder Opfer der Gewalt von Männern. „Germany is a good country“ – Deutschland ist ein gutes Land, ist Farzana Naz überzeugt.

Laut Franz-Josef Franke ist noch offen, ob und wann ein Abend wie am Donnerstag wiederholt werden kann, der „Knackpunkt“ bei der Organisation sei der Transport. Dass der Ausflug den Flüchtlingen gutgetan hat, davon ist Ayhan Zeytin überzeugt: „Ich bin sicher, das wird bei ihnen in den nächsten ein, zwei Tagen das Gesprächsthema Nummer eins sein.“