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Flüchtlingsnachzug Delmenhorster Jobcenterchef fordert dringend mehr Personal

Von Frederik Grabbe | 30.09.2017, 10:28 Uhr

Angesichts des zu erwartenden Familiennachzugs von Flüchtlingen 2018 hat der Leiter des Delmenhorster Jobcenters dringend mehr Personal eingefordert. Andernfalls stießen die Mitarbeiter an ihre Belastungsgrenzen. Diese Nachricht kommt in einer Zeit, in der es auf dem Delmenhorster Arbeitsmarkt eigentlich gut läuft: Im September sank die Arbeitslosigkeit unter 10 Prozent.

Der Leiter des Delmenhorster Jobcenters, Frank Münkewarf, hat mehr Personal für seine Einrichtung gefordert. Hintergrund ist der Flüchtlingsnachzug nach Delmenhorst, der laut Münkewarf die Stadt im kommenden Jahr schwer beschäftigen wird. Einschätzungen über Zahlen an benötigtem Personal oder zu erwartenden Angehörigen von Flüchtlingen machte er beim Arbeitsmarktgespräch am Freitag nicht.

„Fragen uns, wie wir den Flüchtlingsnachzug bewältigen sollen“

Nach Angaben des Jobcenters ist die Zahl anerkannter Flüchtlinge, die nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) in Delmenhorst unterkommen, anhaltend hoch: Betreute das Jobcenter im September 2016 1118 Flüchtlinge, sind es in diesem Monat 2273 (+1155). „Das ist schon ein dicker Brocken. Die Fallbearbeitung ist wegen der Sprachbarrieren zunehmend aufwendig“, so Münkewarf. „Auch wenn wir mit unseren Maßnahmen für Flüchtlinge gut aufgestellt sind, fragen wir uns, wie wir es bewältigen sollen, wenn Frauen, Kinder und andere Angehörige nachziehen. Wir stoßen an unsere personellen Grenzen, wir schaffen es nicht mehr.“

Arbeitsbelastung im Jobcenter hoch

Laut Münkewarf liegen in Niedersachsen 16.000 Fälle von Geflüchteten vor, bei denen noch über das Bleiberecht entschieden werden muss – „und bei anerkannten Fällen ziehen die Familien noch nach.“ Wie viele dieser Fälle Delmenhorst betreffen, konnte der Jobcenterleiter nicht sagen. Allerdings zähle die Stadt neben Salzgitter und Wilhelmshaven zu den Städten, in denen überdurchschnittlich viele Flüchtlinge leben. Er wirbt nun vor den Trägern des Jobcenters, der Stadt Delmenhorst und der Bundesagentur für Arbeit, für Personal. Seine Aufgabe wird erschwert durch die hohe Arbeitsbelastung: Ein Mitarbeiter im Leistungsbereich betreue zwischen 200 und 210 Fälle, die personelle Fluktuation liegt beim Jobcenter bei 30 Prozent.

Hilferuf kommt in relativ guten Zeiten

Diese Nachricht kommt in relativ guten Zeiten für den Delmenhorster Arbeitsmarkt: Laut Karin Kayser, Leiterin der hiesigen Agentur für Arbeit, sank die Arbeitslosigkeit im September auf 9,8 Prozent und erstmals seit langer Zeit unter der Zehn-Prozent-Marke. Insgesamt 3864 Menschen suchen in der Stadt einen Job. Hinzukommen aber 5860 Unterbeschäftigte (14,4 Prozent), Arbeitslose also, die sich in Maßnahmen fortbilden, und formal nicht als arbeitslos zählen. „Nach den aktuellsten Daten sind in Delmenhorst 20.653 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 2,8 Prozent mehr als vor einem Jahr“, so Kayser. Diese Entwicklung stelle einen „anhaltend guten Trend“ dar. Besonders das Baugewerbe legte übers Jahr gesehen mit 225 Jobs zu.

Gute Konjunktur auch jahreszeitlich bedingt

Generell begründete Kayser die gute Lage mit weniger Kündigungen durch Betriebe, herbsttypische Einstellungen und junge Arbeitskräfte, die eine Ausbildung oder frisch nach der Ausbildung eine Arbeit beginnen.

Flüchtlinge übrigens sind zunehmend in Sprach- oder Qualifikationskursen zu finden: 708 beteiligten sich in Delmenhorst im September daran, im August waren es 664. 374 waren formal als arbeitslos gemeldet (August: 416).