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Fördermittelbescheid liegt vor 70 Millionen Euro für neues Delmenhorster Krankenhaus

Von Thomas Breuer | 15.03.2017, 11:01 Uhr

Der Bau des neuen Krankenhauses in der Delmenhorster City ist gesichert: Bund und Land fördern das Großprojekt je zur Hälfte mit insgesamt 70 Millionen Euro, der entsprechende Fördermittelbescheid ist am Dienstag, 14. März, eingegangen.

JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach, JHD-Aufsichtsratsvorsitzender Peter König und Oberbürgermeister Axel Jahnz sprachen am Mittwochvormittag vor der Presse unisono von „einem richtig guten Tag für Delmenhorst“, der laut König einen Moment des Innehaltens verdiente. Jahnz sagte, eine derart hohe Investitionssumme sei Delmenhorst noch nie zuvor bewilligt worden.

13 Millionen Euro müssen vor Ort aufgebracht werden

Bemerkenswert: Für das Vorzeigeprojekt im Bundesland Niedersachsen fließen 70 von 92,3 Millionen Euro, auf die sich der gesamte Krankenhausstrukturfonds beläuft, in die Stadt. Und dennoch: 13 Millionen Euro muss die Holding des JHD selbst aufbringen, denn bei den Kosten des Vorhabens kalkulieren die Verantwortlichen aktuell mit 83 Millionen Euro. Dafür soll bis spätestens Anfang 2021 an der Westerstraße ein „prozessoptimierter Krankenhausbau“ (Breidenbach) mit rund 360 Betten entstehen, in dem zwischen 800 und 900 Menschen arbeiten werden.

Breidenbach sieht Basis für die nächsten 50 Jahre

Die Nachricht von der formalen Fördermittelzusage wertete das Trio nicht nur als Signal für die Sicherheit der Patientenversorgung „in den nächsten 50 Jahren“ (Breidenbach), sondern auch als sehr gute Nachricht für die Beschäftigten. Sie zeige den aktuell Beschäftigten Perspektiven auf und werde Vorteile bei der Gewinnung neuer Fachkräfte bringen. Die wird es brauchen, auch wenn künftig im Krankenhaus weniger als die jetzt knapp 1000 Mitarbeiter tätig sein werden.

Der leichte Rückgang beim Personal soll laut König durch natürliche Fluktuation erfolgen, niemand müsse um seinen Arbeitsplatz fürchten. Die jetzige Personalstärke ist bedingt durch das Zusammengehen von Klinikum und Josef-Stift. Ein Zusammenwachsen, bei dem sich laut Breidenbach unterschiedliche Krankenhauskulturen „zusammenraufen“ mussten und noch müssen, was gut funktioniere, auch wenn es hin und wieder noch Reibereien gebe.

Umsatzvolumen von jährlich bis zu 70 Millionen Euro

Dass der nunmehr gesicherte Krankhausneubau weit über die Einrichtung hinaus von großer Bedeutung ist, unterstrich Jahnz. Er erinnerte an die vielen Betriebe, die Zulieferer oder Dienstleister für das JHD seien. Für ein Krankenhaus also, dessen Umsatzvolumen sich laut Breidenbach auf 65 bis 70 Millionen Euro beläuft, von denen bis zu 50 Millionen Euro für das Personal aufgewendet werden, also auch in die Kaufkraft der Beschäftigten fließen.

Jahnz erinnerte auch daran, dass der Weg bis zur Fördermittelzusage kein Selbstgänger war. „Das stand auf der Kippe, da waren viele Hürden zu überwinden“, räumte er ein und verwies auf sein erstes Gespräch zum Thema in Hannover kurz nach seinem Amtsantritt im November 2014. „Die Ampel war auf tiefrot, das wurde mir unmissverständlich gesagt“, so der Oberbürgermeister. Soll heißen: Seinerzeit wurde das endliche Zusammengehen der beiden Delmenhorster Krankenhäuser nachdrücklich eingefordert, wie es 2013 bei der Einweihung des neuen Trakts des Josef-Stifts vor Ort auch die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt schon getan hatte. Andernfalls, so die Botschaft, könne der Krankehausstandort Delmenhorst vor dem Aus stehen.

Seit Mitte 2016 vorübergehend komplett in Deichhorst

Die Entwicklung ist bekannt: Beide Krankenhäuser fanden zum 1. Januar 2016 in einer Holding zusammen, in die das Stift 90 Prozent und die Stadt zehn Prozent einbrachte. Mitte 2016 folgte das räumliche Zusammengehen auf Zeit in Deichhorst, was im Vorfeld der Kommunalwahl noch einmal eine große Debatte um den Standort des künftig einzigen Krankenhauses auslöste. Breidenbach zitierte dazu jetzt noch einmal aus einem Schreiben des Bundesversorgungsamtes, dass die finanzielle Förderung nur für den vom Rat beschlossenen Standort in der Stadtmitte auf Basis der vorgelegten Bauplanung gelte.

Bauplanung jetzt zur Oberfinanzdirektion

Im Detail, das heißt in 13 Ordnern mehrfacher Ausfertigung, die neun Umzugskartons füllen, wird er diese am Freitag dieser Woche der Oberfinanzdirektion in Hannover darlegen. Die Mittel werden dann, ähnlich einem privaten Hausbau, in diversen Abschlägen nach Delmenhorst fließen. Ebenso wie der Bauantrag wird jetzt auch der Abriss der Abriss auf den Weg gebracht. Er soll im Spätsommer oder Herbst laufenden Jahres beginnen und wird jetzt ausgeschrieben.

Vom alten Stift bleibt nur der neue Trakt stehen

Stehen bleibt allein der 2013 eingeweihte Neubau, in dem es am 16. September 2016 gebrannt hatte. Weil auch er aufwendig saniert werden muss, wird Delmenhorst in einigen Jahren über ein nahezu komplett neues Krankenhaus verfügen. Die Höhe des seinerzeit durch einen technischen Defekt angerichteten Schadens steht laut Breidenbach noch immer nicht fest.

Über die Nachricht der Fördermittelzusage sollen alle JHD-Mitarbeiter noch im Laufe des Mittwochs in einem Rundbrief informiert werden.