Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Förderprogramm für Azubis Zwei Spanier für den Delmenhorster Tiefbau

Von Alexander Schnackenburg | 05.10.2015, 16:47 Uhr

Bei der Ernst Petershagen GmbH in Delmenhorst arbeiten jetzt zwei Azubis aus Spanien. Sie sind gekommen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen und eine Perspektive zu gewinnen.

Zwar kennt sich Carlos Martínez Martín noch nicht in Deutschland aus. Erst seit wenigen Wochen lebt er bei uns. Gleichwohl steht bereits jetzt für ihn fest, dass er bleiben möchte. Der 24-jährige Madrilene hat soeben mit seinem 22-jährigen Landsmann Jose´Miguel Mateos Sánchez aus Andalusien eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bei der Ernst Petershagen GmbH & Co. KG in Delmenhorst begonnen.

Sánchez und Martín sind aufgrund eines Förderprogramms der Bundesregierung in Delmenhorst gelandet. „MobiPro Eu“ soll zugleich der Jugendarbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern entgegen wirken und deutschen Unternehmen Fachkräfte bescheren. „Eine feine Sache“, findet Tim Schaffarzyk, Junior-Chef in der Ernst Petershagen GmbH. Im Zuge des Förderprogramms hatten Martín und Sánchez - noch in Spanien - zunächst einen hoch intensiven Deutsch-Kurs absolviert, ehe sie diesen Sommer ein Praktikum bei Petershagen ableisteten.

Weiter als andere Azubis

„Carlos und José sind richtig nette Kerle und sehr motiviert“, sagt Schaffarzyk. Daher hat er die Spanier mit Beginn des Septembers als auszubildende Rohrleitungsbauer eingestellt. Den theoretischen Part lernen Martín und Sánchez in Rostrop bei Bad Zwischenahn, genauer: im dortigen Bildungs- und Tagungszentrum der Bauwirtschaft. Den praktischen Teil der Arbeit lernen sie bei der Ernst Petershagen GmbH in Delmenhorst. Mitte dieses Monats werden sie eine Wohnung des Bauvereins beziehen und dort eine Wohngemeinschaft gründen. Ein hiesiges Bankkonto hat Schaffarzyk auch schon mit seinen Schützlingen eingerichtet. „Wir müssen uns stärker um unsere spanischen Azubis kümmern als um andere“, erklärt der Wirtschaftsingenieur, Martín und Sánchez bräuchten Zeit, um sich einzuleben. „Dafür sind die beiden mit ihren 22, beziehungsweise 24 Jahren weiter als es unsere Schüler üblicher Weise sind.“

In Spanien ohne Perspektive

Ein Vorsprung, der möglicher Weise nicht allein auf das Alter zurückzuführen ist. Denn Martín und Sánchez haben bereits eine Menge erlebt – bis hin zur Arbeitslosigkeit. So fand Martíin nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter in seiner Heimat nahe Madrid keine Arbeit: „Es sah so aus, als müsste ich für immer mit meiner Schwester und mit meiner Mutter unter einem Dach leben“, fasst er die Lage zusammen.

Denn auch eine neue Ausbildung in Spanien schied für ihn aus, weil sie kostenpflichtig gewesen wäre – ohne dass sie ihn zwingend in Lohn und Brot gebracht hätte. Kurzfristig herrschte ohnehin Ebbe in seiner Kasse. An eine eigene Wohnung sei gar nicht denken gewesen.

Martín bezweifelt, dass Spanien in absehbarer Zeit die Kurve und mithin die fortschreitende Arbeitslosigkeit, gerade junger Menschen, in den Griff kriegen werde. Es gebe dort viele arme und viele reiche Leute, aber nur einen kleinen Mittelstand. Die Lebenshaltungskosten seien hoch, die Perspektiven – zumal für ihn – eher klein. „Hier in Deutschland dagegen kann ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen“, zeigt er sich zuversichtlich. Arbeit und eine Wohnung hat er schon mal.