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Fortpflanzung außer Kontrolle Tierschützer überfordert: Delmenhorst hat ein Katzenproblem

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 18.05.2017, 18:42 Uhr

Unkontrolliert pflanzen sich in Delmenhorst Jahr für Jahr dutzende Katzen fort. Die daraus resultierende hohe Geburtenzahl wird zum Problem für Tierschützer in der Stadt. Schuld daran sind auch die Katzenhalter.

20 Katzen hat der Tierschutzverein Delmenhorst und Umgebung allein in den letzten Wochen in seine Obhut genommen. Das Problem der sogenannten Katzenschwemme tritt in jedem Jahr, meist beginnend in den Monaten April und Mai, aufs Neue auf. „Ursache sind gleichwohl unkastrierte Kater und Katzen aus Privathaushalten als auch frei lebende Straßenkatzen, die sich unkontrolliert fortpflanzen und so für ständigen Zuwachs sorgen“, erklärt Marc van der Velde, Sprecher des Tierschutzvereins.

5000 Euro Strafe drohen – Bußgelder bislang nicht erhoben

Mit einer Verordnung, dass Katzen, die sich außerhalb der Wohnung des Halters bewegen, kastriert und mittels Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet werden müssen, hat die Stadt Delmenhorst versucht, das Problem 2010 in den Griff zu bekommen. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro bestraft werden – theoretisch. (Weiterlesen: Zu viel Nachwuchs: Tierheime befürchten Katzenschwemme) 

Denn praktisch werde dies seitens der Stadt aber nur anlässlich von Beschwerden kontrolliert, teilte Stadtsprecher Timo Frers auf Anfrage mit. Katzenhalter werden dann informiert und aufgefordert, entsprechende Nachweise vorzulegen. „Sind Katzen zum Beispiel nicht kastriert, wird die Kastration unter Fristsetzung verfügt und anhand der Tierarztrechnung überprüft“, erklärte Frers.

Nennenswerte Bußgelder wurden laut Amtsveterinärin Dr. Nicolin Niebuhr bisher allerdings nicht erhoben. (Weiterlesen: Alle tierischen Geschichten in unserer Themenreihe Tierwelten) Katzenschwemme nennen Tierschützer das Problem unkontrollierten Fortpflanzung. Wenn sich niemand um die Tiere kümmert wird daraus ein „Katzenelend“. Foto: Tierschutzverein Delmenhorst

Tierschützer gehen an ihre Grenzen

„Das ist sehr schwer zu kontrollieren, deswegen halten sich sehr viele nicht daran“, heißt es aus dem Tierheim Bergedorf. In Ganderkesee gibt es so eine Verordnung nicht. Auch müssen die Tierschützer jedes Jahr die Katzenschwemme stemmen. „Noch ist die Lage ruhig“, sagt ein Tierpfleger, „mal kommt das früher, mal später im Jahr.“

Für die Tierschützer in Delmenhorst ist die Menge an Katzen ein echtes Problem. 60 Katzen kann der Verein aufnehmen, 36 sind es derzeit erst, aber die Versorgung der Tiere bringt die Tierschützer in eine unangenehme Lage. „Da die meisten Tiere krank sind, steht die medizinische Versorgung im Vordergrund“, sagt Marc van der Velde, „das bringt uns schnell an die Grenzen unserer räumlichen und finanziellen Kapazität.“ Mangelernährung, Verletzungen, Infektionskrankheiten oder Parasiten setzen den Tieren zu. (Weiterlesen: Tierschutzbund: Jedes zweite Tierheim steht vor der Pleite)