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Fotos von Arbeiterinnen Brückenschlag von Bangladesh nach Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 04.03.2016, 17:28 Uhr

Eine neue Ausstellung in der Nadelsetzerei des Nordwolle-Museums soll zeigen, unter welchen Bedingungen Kleidung von der Dritten für die Erste Welt hergestellt wird. Dies geschieht am Beispiel von Frauenportäts.

Es soll ein Brückenschlag vom Gestern ins Heute sein, von der Nordwolle nach Kambodscha und Bangladesh: Neun Porträts von Frauen aus diesen Ländern, die in Nähereien für die westliche Textilindustrie arbeiten, zeigt die Ausstellung in der früheren Nadelsetzerei des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur, die anlässlich des Internationalen Frauentags am Dienstag, 8. März, eröffnet wird. Die Bilder sind farbenfroh und zeigen selbstbewusste Frauen. „Was sie nicht wollen, ist Mitleid“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann, zusammen mit dem Museum verantwortlich für die Ausstellung.

Der Preis für moderne und bezahlbare Kleidung

Die Bilder, Infotafeln und der Ausstellungskatalog sollen namenlosen Arbeiterinnen ein Gesicht geben, die für die westliche Welt Kleidungsstücke produzieren, schildert Borrmann. „Die Frauen produzieren in der Dritten Welt für angesagte Modelabels. Aber wegen geringer Umweltstandards wird die Erde vergiftet, Menschen ausgebeutet.“ Dies sei der Preis, mit dem sich die westliche Bevölkerung moderne und bezahlbare Kleidung erkaufe. Borrmann weist auf den Zusammensturz des Rana Plaza hin, einer Fabrikhalle in Bangladesh, bei dem 2013 rund 1100 Menschen zu Tode gekommen sind, darunter viele Frauen. „Auf diesen gedankenlosen Konsum wollen wir hinweisen“, so Borrmann. Ein schlechtes Gewissen solle dem Betrachter aber nicht vermittelt werden.

1912 allein 3150 Arbeiterinnen auf der Nordwolle

Gepaart sind die modernen Frauenportäts mit historischen Bildern und Infos aus dem Museumsarchiv zur Frauenarbeit auf der Nordwolle, die von Museumspädagogin Gerda Hartmann zusammengestellt wurden. Zu Hochzeiten der Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei arbeiteten 1912 allein 3150 Frauen auf dem Gelände, erzählt sie. So gibt es zum Beispiel eine Videoinstallation, die Interviewausschnitte mit zwei Gastarbeiterinnen aus Spanien und Griechenland zeigt. Sie hatten in den 60er Jahren in Delmenhorst ihr Auskommen verdient und erzählen über ihre Leben und ihre Arbeit in Delmenhorst.

Bei der Ausstellungseröffnung am 8. März um 17 Uhr wird ein Vertreter der IG Metall über faire Produktionsverhältnisse in Drittweltländern sprechen. Die Ausstellung selbst, die vom Bonner Verein Femnet stammt, ist bis 29. März immer zu den Öffnungszeiten des Museums Am Turbinenhaus zu sehen.

Schulklassen und andere Gruppen können sich gerne im Museum auf der Nordwolle für einen Besuch anmelden. Kontakt unter Telefon (04221) 2985820.