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Freispruch in Delmenhorst Amtsgericht sieht keine Beweise für Vergewaltigung

Von Kai Hasse | 06.10.2017, 15:00 Uhr

Das Amtsgericht Delmenhorst hat einen 41-jährigen Mann freigesprochen. Er sollte laut Anklage seine Frau zum Sex gezwungen und dann geschlagen haben. Das Gericht sah dafür aber keine klaren Beweise.

Nach dem Vorwurf der Vergewaltigung ist nun ein Mann im Delmenhorster Amtsgericht freigesprochen worden. Dass die Tat so wie gemutmaßt abgelaufen war, dafür fehlten eindeutige Hinweise.

Dem 41-Jährigen war zur Last gelegt worden, dass er in einer Januarnacht seine Frau zum Sex gezwungen und dann geschlagen habe. Dafür habe er ihr gegen den Willen den Pyjama ausgezogen und sie beim Sex festgehalten. Sie habe versucht sich zu wehren. Er hatte die Tat bestritten.

Streit um Geld für die Flucht

Im Hintergrund loderte außerdem ein Konflikt um Geld: Der Mann und seine Frau sind Syrer und mussten sich für die Flucht über die Balkanroute nach Deutschland Geld von ihrem Bruder leihen. Sie habe die Rückzahlung verwaltet, während er stets um Geld habe bitten müssen, wie er erklärte. Sie und ihr Bruder hatten ihm hingegen vorgeworfen, nicht mit Geld umgehen zu können. Außerdem sei es bereits in Syrien zu Übergriffen von ihm ihr gegenüber gekommen. Uneinheitlich sprach sie dabei von Schlägen und Vergewaltigungen oder nur von Schlägen.

Im Zweifel für den Angeklagten

Letztlich fehlten dem Gericht plausible Indizien für eine Verurteilung. Die Staatsanwaltschaft glaubte der Geschichte der Ehefrau und forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Verteidiger plädierte wegen Mangels an Beweisen für einen Freispruch. Dem folgte das Gericht unter Vorsitz von Melanie Hübel. „Die Unwägbarkeiten sind so stark, dass wir vom Grundsatz ,In dubio pro reo‘ – Im Zweifel für den Angeklagten – ausgehen müssen“.

Keine typischen Wunden

Zweifel hatte es viele gegeben: Die Verletzung an der Nase der Frau vom angeblichen Schlag war auf der „falschen“ Gesichtsseite für einen Rechtshänder wie den Angeklagten und deshalb nicht typisch. Die Frau hatte keine weiteren Verletzungen, wie beispielsweise an Handgelenken oder Oberschenkeln. Die Tochter hatte ausgesagt, sie sei wieder ruhig Schlafen gegangen, nachdem sie die Schreie der Mutter gehört hatte und der Vater gesagt hatte, sie solle wieder schlafen – was der Verteidiger als emotional nicht plausibel darstellte. Zudem hätten die Aussagen der Kinder „einstudiert“ gewirkt, wie eine Verfahrensbeiständin ausgesagt hatte.