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Freiwilligendienst Delmenhorster Abiturientin ist zurück aus der Dom Rep

Von Marco Julius | 08.10.2016, 10:24 Uhr

Helena Blum hat am Maxe ihr Abi gemacht. Danach ist sie über den Freiwilligendienst weltwärts für ein Jahr in die Dominikanische Republik gegangen. Jetzt ist sie zurück und berichtet von ihren Erfahrungen.

Helena Blum ist zurück. 2015 hat sie das beste Abi am Maxe gemacht – und sich dann entschieden, für ein Jahr in die Dominikanische Republik zu gehen und in dem Inselstaat einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu leisten. Bereut hat sie den großen Schritt über den Ozean nicht, sagt sie. Auch wenn nicht immer alles leicht gefallen sei. Und dass sie nun zurück in der norddeutschen Heimat ist, war zwischendurch – so halb im Scherz – nicht ganz sicher. Denn die 19-Jährige hat die Entwicklung in Deutschland auch von der Dom Rep aus genau verfolgt. „Den Rechtsruck in Deutschland infolge der Flüchtlingsbewegung von außen zu sehen, das war grauenvoll. Unter den Freiwilligen gab es oft den Satz zu hören: „Lass uns doch einfach hier bleiben.‘“

Einblicke in ein Entwicklungsland

Gelebt hat Helena Blum in Santiago De Los Caballeros, der zweitgrößten Stadt des Landes, gearbeitet an der dortigen Universität ISA, in einem Labor für Erneuerbare Energien. Dort konnte sie schnell Verantwortung übernehmen, Dinge ausprobieren, Studierende anleiten, war auch als Übersetzerin für Firmen gefragt, hat Gärten angelegt. „Ich habe dadurch unheimlich viel gelernt“, sagt sie. Schreibt sich so leicht dahin, dass Helena Blum erwachsener und reifer geworden ist in dem Jahr. Aber es trifft die Sache. Sie selbst formuliert es etwas zurückhaltender: „Ich bin jetzt einfach weniger leicht überfordert.“ Im Gespräch vermittelt sie den Eindruck einer jungen Frau, die weiß, was sie will. In der Dominikanischen Republik, die viele Deutsche nur als Urlaubsparadies mit Traumstränden kennen, hat sie Einblicke in ein Entwicklungsland gewonnen, die ihr eine andere Sichtweise auf Armut vermittelt haben. „Das relativiert vieles, was man aus Problemen in Deutschland kennt. First world problems eben.“ Auch den Wert der Demokratie schätze sie jetzt noch mehr, Wahlbetrug sei in der Dom Rep offensichtlich.

Gastfreundlich und herzlich

Die Menschen in der Dominikanischen Republik hat sie als gastfreundlich erlebt, als ernst gemeint herzlich, auch wenn sie einmal bestohlen worden und den Dieben anschließend entschlossen und mit Erfolg entgegengetreten ist, um zumindest die Schlüssel zurückzubekommen. Auf seine Sachen aufpassen müsse man aber schließlich auch am Bremer Hauptbahnhof. Das Gefährlichste in der Dominikanischen Republik sei aber der oft haarsträubende Straßenverkehr. Sie habe auch erlebt, dass ihr mitteleuropäisches Äußeres Aufsehen erregte. Weiße Haut und glattes Haar, das sei in der Dominikanischen Republik noch immer gleichbedeutend mit wohlhabend, sagt sie. Und den berühmt-berüchtigten Machismo hat sie auch erfahren.

Rückkehr ist fest eingeplant

Für Helena Blum geht es jetzt mit einem Praktikum im JHD Deichhorst weiter. Es soll ihr helfen, über die Berufswahl Klarheit zu bekommen. Sagt ihr die Arbeit im Praktikum zu, will sie anschließend Medizin studieren. Und sie wird – auch am Maxe – weiter werben, für den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, für den Schritt in eine andere Kultur, für die Chance, ein Jahr lang Erfahrungen zu sammeln, die bleiben – und die die Augen geöffnet haben. Helena Blum jedenfalls hat keinen Zweifel daran, dass der Schritt für sie genau der richtige war. Und sie will auch eines Tages noch einmal zurückkehren, weil sie sich in die gebirgige Landschaft des Inselstaates ein wenig verliebt hat.