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Fünf Jahre nach Aussetzung Bufdis können Zivis in Delmenhorst nur bedingt ersetzen

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 28.07.2016, 10:32 Uhr

Der Wegfall des Zivildienstes hat vor fünf Jahren in sozialen Einrichtungen personelle Lücken aufgetan. Das dk hat bei drei sozialen Einrichtungen nachgefragt, wie der Zivildienst-Nachfolger – der Bundesfreiwilligendienst – die Lücken schließen konnte.

Es war für viele junge Männer der erste Schritt nach dem Schulabschluss: Der verpflichtende Wehrdienst an der Waffe wurde verweigert, stattdessen entschieden sich viele dafür, lieber neun Monate lang den Zivildienst in sozialen Einrichtungen, wie Krankenhäusern, Pflegeheimen oder im Rettungsdienst zu leisten. Zum 1. Juli 2011 wurde der verpflichtende Grundwehrdienst in Deutschland ausgesetzt. Damit entfiel für wehrtaugliche Männer auch der Zivildienst als Ersatz zur Bundeswehr.

Als Nachfolger des Zivildienstes wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingeführt. Die markantesten Unterschiede: Das Angebot für sogenannte „Bufdis“ richtet sich an alle Bürger – ist jedoch freiwillig. Dadurch blieben viele Stellen, die von verpflichteten „Zivis“ besetzt wurden, leer und konnten zunächst nicht durch Freiwillige aufgefangen werden.

Erfahrungen bei Einrichtungen unterschiedlich

„Das ist sehr schleppend angelaufen“, erinnert sich Beate Hildener von der Personalabteilung des JHD. Im Krankenhaus hätten über mehrere Jahre nur etwa zwei Bewerber den Bundesfreiwilligendienst geleistet. Früher habe die Einrichtung sechs bis zehn Zivis beschäftigt. Mit den Jahren sei die Zahl der Freiwilligen jedoch angestiegen. „Das hat sich mittlerweile eins zu eins ergänzt“, erklärt Hildener. Auf bestimmte Einsatzbereichen, wie beispielsweise in der Haustechnik, habe das Krankenhaus verzichten müssen, weil die Bufdis sich speziell für die Arbeit in der Pflege interessieren würden.

Andere Erfahrung hat dagegen die Lebenshilfe Delmenhorst gemacht. Die Bufdis hätten die Zivildienstleistenden in den Einrichtungen der Behindertenhilfe zahlenmäßig definitiv nicht ersetzen können, meint Geschäftsführer Erwin Drefs. Früher arbeiteten dort fortlaufend 35 Zivis, den BFD würden dort aktuell nur fünf Menschen leisten. „Die Kontinuität ist nicht die gleiche“, so Drews. Zivis mussten verpflichtend neun Monate ihren Dienst leisten, Bufdis seien dagegen unabhängiger. Weil der Dienst freiwillig ist, könne man nicht dauerhaft mit gleichen Bewerberzahlen rechnen. Außerdem können die Bufdis ihren den Dienst verkürzen.

Interesse für Beruf auch im Anschluss groß

„Es hat eine Umwandlung stattgefunden, weil man wusste, dass da etwas wegfallen würde“, meint auch Michael Pleus, Geschäftsführer vom Roten Kreuz in Delmenhorst. Nach der Abschaffung des Dienstes mussten dort Dienstleistungen abgebaut oder anders angeboten werden. Früher arbeiteten Zivis bei der Beförderung von Behinderten oder Essen auf Rädern. Heute werden die Bufdis in der Pflege vielfältiger eingesetzt.

Ein Vorteil des BFD sei nach Erfahrungen des JHD und des DRK die Einstellung der Freiwilligen zu der Arbeit im sozialen Bereich im Vergleich zu vielen Zivis, die zum Dienst verpflichtet waren. „Die Leute suchen sich proaktiv mit großem Interesse eine Stelle oder wissen, dass sie später mal im sozialen Bereich arbeiten wollen“, sagt Pleus. Die Freiwilligen würden sich deutlich mehr zu der Stelle verbunden fühlen. Von dieser Zusammenarbeit würden beide Seiten profitieren. „Mittlerweile kommen junge interessierte Leute, die sich auch danach vorstellen können, eine Ausbildung in dem Bereich zu machen,“ berichtet auch Beate Hildener. Erwin Drefs habe dagegen in den Einrichtungen der Lebenshilfe auch genau das Gegenteil festgestellt.