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Für Betrug verurteilt Ganderkeseer prellt Urlauber mit falschen Angeboten

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 27.10.2016, 11:35 Uhr

Weil er mehrere falsche Angebote für Ferienwohnungen im Internet platziert und dafür Geld kassiert hat, musste sich ein Ganderkeseer vor Gericht verantworten. Der 29-Jährige leidet unter Spielsucht.

Mit Ferienwohnungen am Timmendorfer Strand hat der Ganderkeseer im Sommer 2015 über das Internet Urlauber gelockt. Nachdem diese eine Anzahlung geleistet haben oder gar den vollen Betrag bezahlt hatten, schrieb er ihnen, dass ihre Wohnung wegen eines Wasserschadens nicht bezogen werden kann. Die Vorleistungen zahlte zunächst er nur teilweise oder gar nicht zurück. Auch mit Karten für das Bundesligaspiel Werder Bremen gegen Bayern München handelte er nach diesem Prinzip.

Für sechs Taten musste der Mann sich nun am Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Delmenhorst verantworten. Heikel für ihn: Er wurde bereits im Mai zu einer Bewährungsstrafe wegen Veruntreuung verurteilt.

„Vollkommen die Kontrolle verloren“

Der voll geständige Mann erklärte seine Taten mit seiner Spielsucht. „Ich bin schon mein halbes Leben spielsüchtig“, berichtete er. Nach einer ambulanten Therapie im Jahr 2011 habe sich die Lage zunächst gebessert, bevor er vor zwei Jahren rückfällig geworden sei. „Ich habe vollkommen die Kontrolle verloren“, gab er zu. Verluste hätten ihn zu immer höheren Einsätzen gedrängt. Das Geld aus den Betrugsfällen habe er gebraucht, um weiter für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu können. Seine Idee: Das Geld einsetzen und später von den Gewinnen des Glücksspiels zurückzahlen. Dieser Plan ging nicht auf.

Wegen Spielsucht in stationärer Therapie

Richter Marco Rüdebusch bezeichnete die Taten als „nicht sehr professionell“: Der Angeklagte nutzte eine ehemalige Wohnadresse sowie sein eigenes Konto für die Abwicklung. Es war ein „kranker Gedanke“, sagte der Angeklagte selbst. Er hatte alle Taten gestanden und schon im Vorfeld einen Großteil der Schulden getilgt: 795 Euro waren nun noch offen. Eine stationäre Behandlung habe ihm bei der Bewältigung seiner Sucht geholfen. Er nimmt weiterhin Hilfe der Anonymen Drogenberatung an und will eine Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige gründen.

Angeklagter entgeht Gefängnis

Das Geständnis, seine aufrichtige Reue und das Engagement, gegen seine Sucht zu kämpfen, rechnete ihm das Schöffengericht hoch an. „Man muss lange suchen, um einen Angeklagten ihresgleichen zu finden“, sagte Rüdebusch. Ihn zu einer Haftstrafe zu verurteilen, bezeichnete er als „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Entsprechend wurde seine Bewährungsstrafe aus dem ersten Urteil erweitert, sodass er nun einer insgesamt dreijährigen Bewährungsstrafe entgegensieht. Zudem muss er insgesamt 1500 Euro an die Drogenberatung zahlen. Auf die Auflage, eine weitere Therapie gegen seine Spielsucht zu machen, verzichtete das Schöffengericht. Im Gegensatz zu Drogentherapien gibt es laut Rüdebusch bei Spieltherapien keinen Weg, einen Kostenträger zu finden. Deshalb sei es unfair gegenüber dem Angeklagten, eine solche Auflage zu machen, die nur schwer zu erfüllen sei.