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Für frischen Wind im Klo Delmenhorster Kinder laufen für Toilettensanierung

Von Kai Hasse | 30.08.2017, 12:04 Uhr

Den Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule in Delmenhorst stinkt’s. In den Toiletten riecht es so stark, dass manche Kinder versuchen, nicht aufs Klo zu gehen. Die Schulleitung will mit einer Spendenaktion aushelfen, hofft aber auf weitere Hilfe der Stadt.

Die Klos in der Käthe-Kollwitz-Schule stinken. Kinder verweigern zum Teil den Toilettengang, weil sie sich ekeln. Die Schulleitung versucht ihr Möglichstes, um den Zustand zu verbessern. Dafür gab es nun sogar einen Spendenlauf.

Geruch wie eine Druckwelle

Ortstermin mit Patrik Husband, dem Leiter der Schule, im Jungs-Klo: Der unangenehme Geruch erfüllt den Raum wie eine Druckwelle. Dabei sind die Keramik-Örtchen grundlegend sauber. Husband deutet auf einen Abfluss im Boden, auf die Ecken und Fugen unter den Pissoirs. 1951 wurde diese Schule gebaut, wie er in der Schulchronik zeigt. Damals habe es hier wohl zunächst eine Urinalrinne gegeben. Als man zu Pissoirs überging, habe man vielleicht nicht die alten Kacheln rausgenommen – sondern die neuen einfach über die alten verlegt und die Rinne geschlossen, vermutet er. Anders kann er es sich nicht erklären. Der Boden und die Rohre, daher komme der Geruch. In den Mädchen-Klos ist der Zustand nicht viel besser. „Es geht so weit, dass manche Kinder nicht auf Toilette gehen wollen“, sagt Husband, „oder sie trinken nicht, damit sie nicht müssen.“ Für den Fall, dass deshalb ein Geschäft buchstäblich in die Hose gegangen ist, hat das Kollegium Wechselkleidung für Kinder parat. Was das psychisch anrichtet – und physisch – kann er nur vermuten. „Es kann nicht gut sein.“

„Schwerwiegende gesundheitliche Folgen“

Die Elternschaft hat bereits einen empörten Leserbrief verfasst. Es sei ärztlicherseits allgemein anerkannt, dass die Vermeidung von Toilettengängen „schwerwiegende gesundheitliche Folgen bis hin zu chronischen Verstopfungen nach sich ziehen kann“, schreibt Stefan Charrière im Namen der Eltern. Zustände wie die in der Käthe-Kollwitz-Schule würden bei gastronomischen Betrieben „zu drastischen Maßnahmen seitens der Behörden führen, unseren Kindern mutet man dies aber seit Jahren zu.“

Ein Schüler läuft 53 Runden

Husband kennt das Argument der Stadt. „Der Haushalt gäbe es nicht her,“ meint er, das sei ein flächendeckendes Problem. In der Not und mit Anregung der Eltern hat er nun einen Spendenlauf veranstaltet. Hunderte von Kindern liefen Runden auf dem Sportplatz – für jede Runde wurde Geld gespendet. Am meisten Runden – 53 waren es – lief ein kleiner Junge mit Fluchterfahrung. Er hatte niemanden, der für seine gelaufenen Runden hätte spenden können. Eine bekannte Mutter, die das mitbekam, wurde kurzerhand seine Sponsorin. Außerdem tingelten Eltern durch die Stadt und sammelten Spenden bei Geschäftsleuten. Husband hat noch nicht komplett zusammengerechnet, wieviel Geld zusammengekommen ist. Es könnte fünfstellig sein.

Kosmetische Veränderungen

Nichtsdestotrotz macht sich Husband nicht die Illusion, dass er mit dem Geld die Toilettenbereiche seiner Schule von Grund auf sanieren lassen könnte. Aber er setzt auf zumindest kosmetische Veränderungen. „Das soll dann auch in einen unterrichtlichen Kontext gestellt werden“, sagt Husband. Die Idee ist es, dass die Kinder generell sorgsam mit der Einrichtung der Toiletten umgehen, wenn sie selbst an der Verbesserung beteiligt waren. Auch bei der Planung sollen die Kinder mitmachen – sie sollen eigene Vorschläge für weitere Verbesserungen erarbeiten. Diese werden in den kommenden Wochen zusammengetragen, sagt Husband.

Stadt: Alte Urinalrinne ist die Ursache

Seitens der Stadt ist man überrascht: Von Eltern oder der Schule habe es bisher „keine Meldung gegeben“. Man habe nun nach einer dk-Anfrage die Toiletten inspiziert. Ergebnis: Geruch gäbe es im Jungen-WC. Er scheine – wie Husband schon meinte – von einer alten Urinalrinne im Boden auszugehen. Das solle in den Herbstferien geändert werden. „Man hofft, damit erst einmal Abhilfe schaffen zu können. Von defekten Leitungen bzw. Rohren ist nichts bekannt“, schreibt die Stadt. Haushaltsmittel für eine komplette Sanierung würden danach langfristig angemeldet.