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Gartenexperte gibt Tipps Mit Vlies der Kälte an den Kragen

Von Thomas Deeken | 14.04.2015, 21:14 Uhr

Kälte kann Pflanzen schaden – vor allem wenn sie frei im Beet stehen. Mit wenigen Handgriffen lassen sie sich gegen die harte Witterung schützen. Gartenexperte Günter Prösch kennt verschiedene Lösungen.

Eigentlich schützen sich die Pflanzen vor Kälte selbst. „In seinem Aufräumwahn nimmt der Mensch aber häufig den Schutz“, sagt Günter Prösch, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Deichhorst, der seit 1996 einen Garten auf der Deichhorster Anlage besitzt und aus Erfahrung weiß, wie Pflanzen vor Kälte, aber auch vor Hitze am besten zu schützen sind.

Der 63-Jährige warnt davor, schon im Herbst Rosen und Stauden zurückzuschneiden. Vielmehr sollte der Gartenfreund, bevor es richtig kalt wird, die Rosen mit umliegender Erde etwa 20 Zentimeter hochhäufeln und erst jetzt, im Frühjahr, mit dem Schnitt beginnen.

Auch die Stauden sollten erst zurückgeschnitten werden, wenn der Winter vorbei ist – um die Pflanze, aber auch die kleinen Tierchen, die Schutz suchen, nicht zu gefährden. Grundsätzlich gilt, so Prösch: „Jede Schnittwunde ist eine Eintrittspforte für Bakterien.“ Das heißt: im Herbst nichts zurückschneiden, sondern lieber noch mit Laub, Schreddermaterial, Stroh oder Tannenzweigen zudecken.

Empfindliche Pflanzen wie Fuchsien und Oleander sollten im Winter ins Haus, zumindest aber an eine geschützte Hauswand gestellt werden. Wichtig: Hell müssen sie stehen und zwischendurch etwas gegossen werden. Dagegen sollte man blattabwerfende Pflanzen wie Hortensien durchaus im Dunkeln überwintern lassen und nur äußerst sparsam gießen.

Sobald sich die Sonne im Frühjahr öfter blicken lässt, hält es kaum einen Gartenfreund im Haus. „Oft ist der März schon richtig warm“, weiß der 63-jährige Kleingärtner. Doch dann schlägt – gerade bei Vollmond – oft der Nachtfrost zurück. Deshalb der Rat von Prösch: Eisheilige abwarten und immer wieder auf den Vollmond und auf den Wind aus dem Osten achten. Denn sonst wird es zu kalt für die Pflanzen.

Es gibt zwar Pflanzen wie die Puffbohne, auch Große Bohne genannt, die durchaus ein bisschen Kälte vertragen und schon Ende Februar ins Beet gesetzt werden können. Möhren könnten auch schon Anfang März im Folientunnel ausgesät werden. Im Allgemeinen geht es aber jetzt erst so langsam los. Wer dann beispielsweise Gutes für seine Erdbeeren tun möchte, arbeitet im Frühjahr mit einem Vlies, sodass die Wärme im Beet festgehalten wird, damit sich die Früchte besser und früher entwickeln und gar nicht erst Grauschimmel bekommen. Ähnlich verhält es sich, so Prösch, auch bei Kartoffeln: Vlies drüber, Beet erwärmen und Pflanze vor Krautfäule und Nachtfrost schützen. Und noch ein Tipp zu Obstbäumen: Wenn die ersten warmen Tage kommen, sollte man die Stämme bis zur ersten Vergabelung mit Kalk anstreichen, um den Baum vor Sonne zu schützen. Denn wärmt sich der Stamm zu früh auf und entwickelt er die ersten Säfte, könnte er bei Frost aufplatzen. „Darüber hinaus hilft der Kalkanstrich dann auch als Schutz gegen Schädlinge“, weiß der Kleingärtner aus Deichhorst.

Prösch hat noch viele weitere Ratschläge parat – auch zum Thema Hitze, zum Wässern, zum Lüften, zum Auflockern des Bodens und zur Verbesserung von Sandböden durch Humus beispielsweise. Wer ihn oder andere Mitglieder des Vereins befragen möchte, sollte sich die Zeit nehmen und zu einem Fachberatergespräch kommen. Ab Mai wird es wieder jeden ersten Mittwochabend im Monat Gespräche auf einer der Kleingartenanlagen geben, die zum Bezirksverband der Gartenfreunde Delmenhorst und Umgebung gehören (siehe Kasten).

Zuerst wird über ein Fachthema gesprochen, anschließend heißt es Feuer frei für alle Fragen zum Thema Garten, die auf den Nägeln brennen – gedacht für alle Kleingärtner der Vereine und für alle Gäste. Die öffentlichen Termine werden in den Schaukästen der Vereine bekanntgemacht.