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Gartenpflege als Problem Delmenhorster bietet Haus für Flüchtlinge an – Stadt zögert

Von Katja Butschbach, Katja Butschbach | 05.02.2016, 07:39 Uhr

Für die Integration sieht Jörg Wedler sein Haus mit Garten im Wohngebiet als ideales Zuhause für Flüchtlinge an. Die Stadt hat jedoch enge Grenzen hinsichtlich der Wohnungen, die sie anmieten kann.

„Integration“, meint Jörg Wedler, „gelingt dann gut, wenn Flüchtlinge im gewachsenen Wohngebiet leben.“ Der Delmenhorster besitzt ein Haus an der Goethestraße, das er der Stadt für die Flüchtlingsunterbringung zur Miete angeboten hat. „Eine Familie kann hier einziehen“, sagt Wedler. Zu dem Haus mit großem Wohn- und Esszimmer, Küche, Bad, drei Schlafzimmern und WC im Obergeschoss zählt auch ein Garten. Das Haus wird noch saniert – Wedler will es gut gepflegt übergeben.

Gartenpflege ist Stadt ein Dorn im Auge

Vermieten wolle er zu einem vernünftigen marktüblichen Preis. Der Garten, so Wedler, müsse gepflegt werden. Laub harken, Rasen mähen – mehr sei hier gar nicht erforderlich. Auf ein Angebot hatte die Stadt hinsichtlich der Gartenpflege zögerlich reagiert.

Die Gartenpflege, erläutert Petra Gerlach, Fachbereichsleiterin im Rathaus, könne von der Stadt nicht gewährleistet werden. „Der Preis hat die oberste Priorität. Aus Kostengründen werden nur Wohnungen angemietet, die keine Gartenpflege- oder Winterdienste beinhalten, da beides mit Zusatzkosten verbunden ist, die letztlich der Steuerzahler zu tragen hätte.“ Die Stadt selbst sei Mieter – und nicht der Bewohner selbst. Deshalb müsse die Stadt dafür Sorge tragen, dass zum Beispiel die Gartenpflege erledigt wird.

Stadt sucht Wohnungen ohne Durchgangszimmer

Aber welche Wohnungen sucht die Stadt? Laut Gerlach ist es vor allem Wohnraum ohne Durchgangszimmer. So solle ein selbstbestimmtes Wohnen ermöglicht werden. Bei der Anmietung sei „die Stadt als Ordnungsbehörde ausnahmslos an die Einhaltung der Mietkonditionen gebunden, die sie letztlich vom Sozialbereich erstattet bekommt“. Sie betont, dass es hier keinen finanziellen Gestaltungsspielraum gebe, um etwa „dem integrativen Gedanken einer Gartennutzung Rechnung tragen zu können“.

Stadt kann Gartenpflege nicht leisten

Wenn die Gartenpflege nicht wie erhofft geschehe, habe die Stadt keine Handhabe oder Sanktionsmöglichkeit und müsste selbst in diese Aufgabe einsteigen, was nicht leistbar sei. Wer aber eine Wohnung mit Garten vermieten wolle, könne auch einen direkten Mietvertrag mit Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus abschließen – dann ist nicht mehr die Stadt Mieterin, sondern die Bewohner selbst.

Angebote von Privat bleiben liegen

Aktuell hat die Stadt laut Gerlach erst wenige Mietverträge mit Privatpersonen abgeschlossen – neben der Vielzahl der Wohnungen, die von der GSG angemietet sind. „Wir haben noch einige Anfragen privater Vermieter für einzelne Wohnungen beziehungsweise Häuser vorliegen, die aber leider zur Zeit nicht in dem Tempo abgearbeitet werden können, wie wir uns das wünschen würden“, berichtet Gerlach. „Derzeit müssen wir uns aufgrund der hohen wöchentlichen Zuweisung mit den engen personellen Ressourcen auf die Unterbringung einer großen Flüchtlingszahl in größeren Unterbringungsobjekten konzentrieren.“ Anfragen in Bezug auf Einzelwohnungen oder Häuser würden beantwortet, sobald es möglich sei.

Abenteuerliche Forderungen von Vermietern

Die meisten Interessenten, berichtet die Fachbereichsleiterin, hätten andere Vorstellungen von den Mietkonditionen, die die Stadt anbieten kann, insbesondere hinsichtlich des Mietpreises. „Auch gibt es einige Vermieter, die abgesichert wissen wollen, dass die künftigen Bewohner und Bewohnerinnen ein bestimmtes Verhalten mitbringen, zum Beispiel ruhig, nett und unkompliziert sind.“ Hierauf habe die Stadt aber keinen Einfluss. Man spreche dies „dem potenziellen Vermieter gegenüber auch offen an, um nach Möglichkeit Streitigkeiten im Nachhinein zu vermeiden.“

Miete pro aufgestelltem Bett gefordert

„Wir hatten auch schon Anfragen mit der Grundvorstellung, dass wir pro aufgestelltes Bett bezahlen – und sich der Mietpreis erhöht, je mehr Betten wir in eine Wohnung bekommen“, sagt Gerlach. Bei bestehenden Mietverträgen gab es bisher „keine nennenswerten Konflikte, vermutlich auch aufgrund des offenen Austausches von Informationen im Vorfeld“.

Wedler hat für das Haus an der Goethestraße auch andere Interessenten. Bereits in der direkten Nachbarschaft, so berichtet er, leben Türken, Griechen, Deutsche. Und, so ist er überzeugt: „Es ist ein Eldorado für Kinder.“