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Gartenserie Querbeet Delmenhorster Graft: Idylle trifft auf Abwehrkampf

Von Frederik Grabbe | 17.05.2017, 10:46 Uhr

Die Graft ist des Delmenhorsters größter und schönster Garten. Die alteingesessenen Bürger begleitet die grüne Lunge im Stadtkern über Jahrzehnte – entsprechend verbunden fühlen sich viele mit der Graft. Doch wer steht hinter der Gestaltung? Wie sehen Planungsschritte aus? Und was ist für die Pflege der Graft wichtig? Für die Gartenserie „Querbeet“ hat unsere Zeitung mit dem Fachdienst Stadtgrün und Naturschutz gesprochen.

Bunte Rhododendren, sattgrüne Farne zu ihren Füßen, ein Birkenhain mit Rinde in hellem Weiß und Ockerbraun: Dieser Blick, der sich von den Sitzbänken am künftigen Barfußpfad in der Graft auf die Wiekhorner Wiesen ergeben wird, ist für Kathrin Stöver, Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün, schon recht konkret. Schon im September 2016 hatte Stöver im Umweltausschuss der Stadt Pläne der Verwaltung zum Pfad vorgestellt. Der Barfußpfad, der ab Herbst entstehen soll, wird von verschiedenen Natursteinen wie Granit- oder Sandstein und Findlingspflaster gesäumt sein. Lose Materialien wie Mulch oder Glaskies sollen weitere Sensorikerlebnisse vermitteln. Hinzu kommt ein Parcours mit verschiedenen Balancierübungen auf Balken, Seilstegen oder Bausteinwegen.

Exotische Birken aus China und Sibirien

Hierzu gehört aber auch das botanische Drumherum: Die Rhododendren und einige Birken stehen jetzt schon. Neue, exotischere Birken-Arten aus Sibirien oder China mit auffälliger Rinde sollen noch hinzukommen – und dem Ausblick mehr Vielfalt verleihen. Farne, oder eben Waldgräser, sollen dem Ganzen einen „saftig grünen“ Anstrich verleihen, sagt Jan Demay, Landschaftsarchitekt beim Fachdienst. Doch einfach nach eigenem Gusto Pflanzen zusammenstellen, das funktioniert nicht.

Viele Fragen zu berücksichtigen

„Rhododendron braucht eigentlich etwas Waldartiges am Fuß. Wächst etwas bis zum Stamm, mag er das gar nicht“, nennt Demay ein Beispiel. Aspekte wie diese müssen die Planer berücksichtigen, soll aus der vielversprechenden Skizze auf dem Reißbrett nicht ein Trauerspiel im Park werden. Welche Pflanzen sind für Schattenlagen geeignet? Verfärben sich Baumrinden mit der Zeit? Und wenn ja, wie? Wie sieht ein Baum aus, wenn er in 50 Jahren ausgewachsen ist? Kann man sich überhaupt ein pflegeaufwendiges Staudenbeet leisten? Und bringt man trotz dieser Fragen Spannung in das Pflanzenensemble?

Abwehrkampf mit der wilden Brombeere

Zu solchen Fragestellungen gehört auch, wie man am besten einen „Abwehrkampf“ vermeidet. Wie etwa mit der wilden Brombeere. Stöver: „Das ist ein großes Thema für uns. Die Pflanze ist schwer aus der Bepflanzung herauszubekommen.“ Manche Umstände aber kann selbst der beste Landschaftsarchitekt nicht einplanen. Zum Beispiel die vor langer Zeit ausgewilderten Graft-Gänse. „Für uns stellen sie ein richtiges Problem dar. Sie belästigen Passanten oder Gäste auf der Terrasse des Graftwerks, im Frühjahr sind sie teilweise aggressiv, weil sie ihren Nachwuchs verteidigen“, sagt Stöver. Einige Delmenhorster fütterten die Gänse gar – und trügen so noch zu deren Ausbreitung bei. Das könnte sich rächen. „Irgendwann werden die Koteinträge zu groß, und das hat Folgen für die Pflanzenwelt und die Wasserqualität“, meint Stöver.

Garten an die Zielgruppe anpassen

Ein nicht unbedeutender Anspruch an die Planer ist auch: Die Gartengestaltung an die Zielgruppen anzupassen. Im Falle des Barfußpfades sind dies Senioren und junge Familien. Der Bereich, wie er jetzt besteht, sei in den 60er und 70er Jahren geplant worden, sagt Demay. Barrierefreiheit war damals noch ein Fremdwort. Stufen müssen darum ab Herbst, wenn die Ausführungsphase des Barfußpfades beginnt, aus dem dortigen Wegenetz entfernt werden.

Komplexe Gemengelage

All diese Aspekte zu verbinden ist komplex. Allein das Wegenetz der Burginsel füllt beispielsweise gerade die Bachelorarbeit einer Landschaftsarchitektur-Studentin aus Osnabrück. Zudem ist die Zahl der für die Behörde geltenden Vorschriften in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Darum werben Stöver und ihr zehnköpfiges Team, dessen Verantwortungsbereich ja nicht nur die Graft umfasst, um Verständnis in der Bevölkerung, wenn man mal länger nichts von einem Projekt hört. Eine Planungsdauer von eineinhalb bis drei Jahren sei nicht ungewöhnlich, zumal die Finanzierung von Bauprojekten auch gesichert sein müsse.