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Gartenserie „Querbeet“ Mit dem richtigen Pflanzen-Mix Nützlinge anlocken

Von Merlin Hinkelmann | 22.05.2017, 10:19 Uhr

Schmetterling, Igel, Wespe und Co. sind die besten Freunde des Gärtners. Sie fressen Schädlinge oder bestäuben Blüten – und sorgen so für ein ökologisches Gleichgewicht.

Ein Eichhörnchen huscht durchs Gehölz. Äste knacken, Vögel zwitschern. Es summt und brummt. Eine riesige Tanne spiegelt sich im moosgesäumten Gartenteich, in dem Kaulquappen hin- und herflitzen. Der Garten von Bettina Janßen steckt voller Leben. Die Vorsitzende des hiesigen NABU-Ortsvereins hat auf ihrem Grundstück ein Refugium für unzählige Pflanzen und Tiere geschaffen – mit Kalkül: Janßen setzt auf möglichst viel Natur, um sogenannte Nützlinge anzulocken und Schädlinge wie Blattläuse, Spinnmilben oder Schnecken fernzuhalten. Doch wie macht sie das genau? Wie gelingt ihr das ökologische Gleichgewicht im Garten?

Ungefüllte statt gefüllte Blüten verwenden

„Der Trick ist der richtige Pflanzenmix“, verrät Janßen, während sie den wilden Wein begutachtet, der sich eine Steinwand emporschlängelt. „Man sollte seinen Garten nicht einseitig bepflanzen, sondern möglichst vielfältig gestalten.“ Liguster, Stechpalme, Zypresse, Thuja, Efeu: Janßen hat viele Pflanzen zusammengewürfelt. Janßens Tipp: „Wichtig ist, immer auch heimische Pflanzen zu haben – manche Insekten brauchen genau diese.“ Besonders Sträucher und Hecken bieten Insekten einen guten Schutz. Um die kleinen Helfer zu unterstützen, sollten Gartenbesitzer ungefüllte statt gefüllte Blüten verwenden. Grund: Sind die Blüten geschlossen, kommen Insekten nicht an den Blütenstängel heran – der Nektar bleibt ihnen so verwehrt.

Chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden

Ganz entscheidend sind immergrüne Pflanzen wie zum Beispiel die Gemeine Fichte, die zum Baum des Jahres gewählt wurde. Denn: „Vögel brauchen auch im Winter einen Ort, wo sie sich verstecken können. Vor herumstreunenden Katzen etwa“, weiß Janßen. Doch nicht nur lebende, auch tote Pflanzen erfüllen ihren Zweck. „Hier“, sagt Janßen und zeigt auf einen ausgehöhlten Apfelbaum. „Totholz sollte man nicht entfernen, das ist ein Paradies für Insekten.“ Und für den Specht sowieso. Grundsätzlich empfiehlt sie, es mit der „Pflege“ des Gartens nicht zu übertreiben. Wer im Herbst die Mullschicht im Garten beseitigt, vertrocknete Blätter in den Müll wirft, mit chemischen Pflanzenschutzmitteln hantiert oder den Rasen ständig ganz heruntermäht, wird Nützlinge eher vertreiben denn anlocken.

Beeren sind gutes Futter für Schmetterlingsraupen

Auch eine Wasserquelle schadet nicht. Obwohl Janßen nur einen kleinen Gartenteich hat, ist der voller Froschlaich. Enten tummeln sich hier genauso wie Vögel, manchmal schaut auch ein Reiher vorbei. „Eigentlich ist hier immer was los“, sagt Janßen. Wichtig sind zudem blühende Pflanzen: Frühjahrsblüher wie Schneeglöckchen oder Krokusse, Kräuter wie Oregano oder Thymian im Sommer und Astern im Herbst. „Und Brennesseln und Löwenzahn sollte jeder im Garten haben“, rät Janßen. Johannis- oder Brombeeren sind ebenfalls nützlich – „gutes Futter für die Schmetterlingsraupen“.

Janßen rät zum Experimentieren

Wer sich unsicher ist, ob eine Pflanze geeignet ist oder nicht, „sollte es einfach ausprobieren“. Janßen verdeutlich das mit einem Beispiel: An einer Böschung hatte sie vor einiger Zeit kleine Ahornbäume gepflanzt. „Das war anfangs nur ein Experiment, jetzt haben sie sich prächtig entwickelt.“ Auch das Schöllkraut, eine Pflanze mit gelber Flüssigkeit, fühlt sich im Garten von Bettina Janßen pudelwohl. Ein schöner Blickfang – und gleichzeitig Futter für Bienen und Hummeln. Solche trifft die Vereinsvorsitzende immer seltener an. „Früher hat es hier wie wild gesummt und gebrummt. Das ist deutlich weniger geworden.“

Delmenhorster Imker berät zu bienenfreundlichem Garten

 Berthold Kappe ist 47 Jahre alt und hält seit Anfang 2014 Bienen in seinem Garten. Derzeit hat er fünf Völker. Den Honig verkauft er unter dem Namen „Delmenhorster Stadthonig“. Foto: Berthold Kappe

sov Delmenhorst. Zu den Nützlingen im Garten, die es auf Quartier- und Nahrungssuche immer schwerer haben, zählen Bienen. Wie Gartenbesitzer ihnen das Leben erleichtern können, erklärt der Delmenhorster Imker Berthold Kappe im dk-Gespräch.

 Wie können Gartenbesitzer Bienen die Nahrungssuche leichter machen? 

Bienen brauchen ab dem Frühjahr in privaten oder öffentlichen Gärten ein reichhaltiges Angebot an blühenden Blumen, Sträuchern, Stauden und Bäumen. Wichtig ist, dass in den Gärten bienenfreundliche Pflanzen mit einer durchgehenden Tracht vorhanden sind. Damit sind von Frühjahr bis Spätsommer Bienen und andere Nützlinge mit Nektar und Pollen versorgt.

 Ist es aufwendig, selbst Bienen zu halten? 

Um Honigbienen selber im Garten halten zu können, bedarf es einer imkerlichen Grundschulung. Zeitbedarf und finanzieller Aufwand sind nicht zu unterschätzen. Wer das selber nicht möchte, kann sich ein Bienenvolk mit Betreuung mieten , oder seinen Garten so gestalten, dass täglich viele Bienen und andere Nützlinge den Garten besuchen.

 Was für Pflanzen kann ich wählen, wenn ich meinen Garten bienenfreundlich ausstatten will? 

Eine Auswahl an Pflanzen, die Bienen im Blumenbeet helfen, sind Schafgarbe, Lavendel, Wilde Malve, Astern und ungefüllte Dahliensorten. Als Bäume und Sträucher eignen sich Schlehe, Weißdorn, Beerensträucher, Wilder Wein, Efeu und ungefüllte Kletterrosen. Und im Gemüsebeet mögen Bienen Ackerbohnen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl oder Möhren. Auch auf dem Balkon fühlen sich Bienen wohl, wenn es Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Löwenmäulchen oder Küchenkräuter gibt.

 Gibt es andere Dinge, die ich bei der Gartengestaltung beachten kann? 

Genau wie alle anderen Lebewesen brauchen auch Bienen täglich Wasser, geeignet sind Teiche oder Wasserstellen, an denen die Bienen und andere Nützlinge trinken können, ohne ins Wasser zu fallen. Durch eine hohe Biodiversität im eigenen Garten kann man ohne großen Aufwand eine Vielzahl von Nützlingen anlocken und sorgt so für eine deutlich bessere Bestäubung von Pflanzen. (sov)