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Gebrauch von Medien Wie das Delmenhorster Museum mehr Migranten erreichen will

Von Frederik Grabbe | 19.02.2019, 15:27 Uhr

Niedersächsische und Bremer Museen wollen zunehmend Migranten für sich begeistern. Wie das gehen könnte, ist nun in Delmenhorst diskutiert worden. Gerade im Medien-Bereich gibt das Delmenhorster Fabrikmuseum gute Beispiele.

Wie erhalten Museen mehr Besucher aus dem Migrantenmilieu? Mit dieser Frage haben sich am Montag in der Delmenhorster Turbinenhalle rund 60 Vertreter aus Museen in Niedersachsen und Bremen beschäftigt. Bei dem Auftakt zu einer mehrteiligen Fachkonferenz im Fabrikmuseum wurde auch Folgendes deutlich: Delmenhorst geht mit gutem Beispiel voran.

Delmenhorster Museum frühzeitig an Pilotprojekt beteiligt

„In Niedersachsen haben 17 Prozent aller Bewohner einen Migrationshintergrund. Die Museen müssen sich der Herausforderung stellen, diese Realität in ihren Häusern widerzuspiegeln“, sagte Necaattin Arslan vom Museumsverbund Niedersachsen-Bremen eingangs. Diese Herausforderung dürfte dieser Einschätzung zufolge für Delmenhorst ungleich höher sein, haben in der Stadt doch 40 Prozent aller Einwohner einen Migrationshintergrund. Das hat der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung vhw vergangenen August in seiner sozioökonomischen Analyse festgesellt. Umso besser also, dass das Delmenhorster Museum frühzeitig an dem Pilotprojekt „Neue Heimat in Niedersachsens Museen“ beteiligt war.

Zwei Ansätze aus Delmenhorst

Als eines von sieben Museen hat es sich damit befasst, wie die Häuser „Öffnungsprozesse“, wie es Arslan nennt, anstoßen können. Also mehr Besucher, aber auch mehr Mitarbeiter oder Ehrenamtliche aus Migrantenfamilien gewinnen können. Konkret hat sich das Delmenhorster Museum mit dem Bereich „Medien“ befasst, einer von insgesamt vier Themenbereiche, die der Museumsverbund vorgegeben hat, so Arslan.

Drei Ansätze hat sich dabei das Delmenhorster Museum ausgedacht, wie Museumspädagoge Bernd Entelmann beschrieb:

  • „Wir haben Kinder zu Museumsführern ausgebildet, die selbst Kinder durch die Ausstellung führen sollen. Zudem haben die Kinder Zeitzeugen interviewt. Aus diesem Material soll ein Multimedia-Guide erstellt werden.“ Ein solcher Multimedia-Guide ist eine Erweiterung des Audio-Guides, kann also beispielsweise per App auch Bilder oder Text darstellen. Der Ansatz durch die Kinder solle vor allem andere Kinder ansprechen, so Entelmann.
  • Ein zweiter Multimedia-Guide wird derzeit vom tunesischen Flüchtling und Radiojournalisten Ramzi Ben Saad erstellt. Auf Arabisch und Französisch betrachtet Ben Saad darin die Delmenhorster Schau. Wichtig ist für Entelmann, dass Saad die Ausstellung aus eigenen Augen betrachtet, nicht also einfach einen deutschen Text übersetzt. Als Migrant und als Journalist erhalte er einen anderen Zugriff.
  • Als drittes wurde das Projekt „Mitschnitt Delmenhorst – Tonspuren einer Stadt“ ins Leben gerufen. Mithilfe der Kulturstiftung des Bundes erstellen Museumsbeteiligte gerade per Audioaufnahme eine Geräuschkulisse der Stadt mit dem Ziel, ihren akustischen Fingerabdruck einzufangen. Diese Mitschnitte sollen mittelfristig als Audioarchiv auch im Delmenhorster Museum ausgestellt werden.

Wie Stephan Huck aus dem Vorstand des Museumsverbands Niedersachsen-Bremen sagte, komme der Medienkompetenz der Museen in Zukunft eine Schlüsselrolle zu. „Die Museen sind aufgefordert, einen Weg durch den Wust an Möglichkeiten zu finden.“ Dies sei nicht zuletzt der wachsenden Bedeutung zum Beispiel von Smartphones im Alltag geschuldet.

Die Fachkonferenz wird mit Terminen in Braunschweig, Lüneburg und Hildesheim fortgesetzt.