Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Gegen häusliche Gewalt Interventionsprojekt will in Delmenhorst helfen

07.06.2015, 22:27 Uhr

Männer, die im häuslichen Umfeld gewalttätig geworden sind, sind Zielgruppe von OLIP. Ihnen soll geholfen werden, Gewalt hinter sich zu lassen.

Das erste Treffen hat noch nicht die erhoffte Resonanz gebracht, doch das Team des Oldenburger Interventionsprojektes (OLIP) weiß, dass es manchmal Zeit braucht. OLIP bietet Information, Beratung und Training bei Gewalt in Familie und Partnerschaft. „Wir richten uns an erwachsene Männer, die ihrer Partnerin oder Ex-Partnerin gegenüber gewalttätig geworden sind“, sagt Michael Ihnen, Pädagoge und Mediator. Seit März 2013 läuft das Projekt in Oldenburg, auch Delmenhorster haben bereits teilgenommen. Um ihnen den Zugang zu erleichtern – die Fahrtkosten und die Fahrtzeiten sind eine zusätzliche Hemmschwelle – soll auch eine Gruppe von Männern direkt in Delmenhorst gecoacht werden.

Teilnehmen können Selbstmelder, aber auch Männer die von Institutionen vermittelt oder durch Justiz und Polizei zugewiesen werden. Das Training läuft über 52 Stunden innerhalb von vier bis sechs Monaten. Das Gruppentraining ist wöchentlich für zwei Stunden angesetzt, im Multifunktionsraum der Stadt Delmenhorst, Lange Straße 1a.

Ziel ist Beendigung der Gewalt

Mit dem Training solle das Verhalten der gewalttätigen Männer verändert werden. Ziel ist die Beendigung der Gewalt. „Es muss klick machen“, sagt Elke Kleinhans. Die bisherigen Kurse hätten gezeigt, dass das Konzept Erfolg hat, sagt auch Andreas Terborg, der gemeinsam mit Corinna Brenke die Delmenhorster Gruppe von sechs bis zehn Teilnehmern leiten würde. „Die Männer lernen zu kommunizieren, zu erkennen, was Gewalt ist, und wie man in Konfliktsituationen anders reagiert.“ Eine „Nachsorge“ nach drei Monate zeige, dass bei zwei Dritteln der Teilnehmer eine deutlich verbesserte Situation festzustellen ist. Die Männer seien gelassener, hätten gelernt, Gefühle zu benennen, zu reflektieren.

Polizei oft im Einsatz

Dass der Bedarf für das Projekt auch in Delmenhorst groß ist, belegen Zahlen. Die Delmenhorster Polizei ist im Jahr 2014 804 Mal zu Fällen von häuslicher Gewalt gerufen worden, wie Polizeisprecher Frank Böttger mitteilt. Strafrechtlich relevant waren davon 274, wie die Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann berichtet. „Die Täter“, so Borrmann weiter, „waren in 86 Prozent der Fälle Männer, 229 Frauen waren unter den Opfern.“ Die Zahlen seien seit Jahren konstant auf diesem erschrecken hohen Niveau, macht die Gleichstellungsbeauftragte klar.