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Gelände für Moschee gesucht Platznot bei Delmenhorster Muslimen

Von Kai Hasse | 26.09.2017, 12:21 Uhr

Nachdem viele Muslime nach Delmenhorst gekommen sind, steigen die Mitgliederzahlen ihrer Gemeinden. Die Mevlana-Gemeinde braucht ein neues Domizil. Sie wünscht sich auch ein Minarett.

Delmenhorst. Die Moscheen in Delmenhorst genießen Zuwachs. Neue Gläubige kommen speziell in die Mevlana-Gemeinde in Düsternort. Der Grund ist der Flüchtlingszuzug aus muslimischen Ländern. Die Mevlana-Moschee braucht eine größere Moschee. Auch ein Minarett ist gewollt.

Die Platznot macht sich beispielsweise bei großen Festen bemerkbar. Die Gemeindemitglieder knien nicht nur im zentralen Gebetsraum, sondern auch in sämtlichen Nebenräumen, in der Teestube oder selbst auf einem Gebetsteppich, der im Freien vor der Moschee an der Breslauer Straße ausgelegt wurde. Das nahe Flüchtlingsheim ist der Grund, warum hier so viele neue Gläubige herkommen. Etwa 300 Männer, Frauen und Kinder sind hinzugekommen, schätzt die Gemeindeleitung. Alteingesessene Mitglieder gibt es etwa 450. Das bedeutet, dass die Mevlana-Gemeinde sich um 50 Prozent vergrößert hat. In den anderen muslimischen Gemeinden – Delmenhorster Integrations- und Bildungsverein, DITIB-Moschee und Ahmadiyya-Gemeinde, sind es nur jeweils zehn bis 20 neue Gläubige.

Mit Busverbindung und WLAN

In den ersten Monaten nach dem Flüchtlingszuzug, als Flüchtlinge noch in der Kaserne untergebracht wurden, organisierte die Mevlana-Gemeinde eine Busverbindung von der Kaserne bis zur Breslauer Straße. Die Gemeindeleitung stockte das Volumen der WLAN-Verbindung auf, damit die neuen Glaubensbrüder mit der Heimat kommunizieren konnte. Beim „Iftar“-Mahl, dem Fastenbrechen im Ramadan, kamen täglich bis zu 150 Gäste. „Wir wollen ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind“, sagt der Gemeindevorsitzender Zafer Ciftci. Er und viele türkischstämmige Landsleute hätten selbst einschneidende Erfahrungen gemacht, als man vor etwa 50 Jahren nach Deutschland kam. Eine Hürde: Die meisten „Neuen“ sprechen nur Arabisch. Die meisten in der Mevlana-Gemeinde hingegen Türkisch. „Nach zwei Monaten änderte sich das. Die Flüchtlinge lernten Deutsch. Das ist jetzt unsere gemeinsame Sprache.“

Nun sucht die Gemeinde nach Raum für ein neues Gemeindezentrum. Ein Vorhaben, auf das Glander-Gelände an der Ecke Cramerstraße/Düsternortstraße umzuziehen, misslang. Die Suche ist schwer, denn ein neues Gemeindezentrum müsste Raum für die vielen Funktionen bereithalten: Schulungen, Gebet, Verwaltung des Sportclubs Hicretspor, eigene Räume für die Frauen, die Kinder und die Jugend. Man möchte am liebsten in Düsternort bleiben. Hier ist es bunt und interkulturell.

Frage nach Minarett unangenehm

Die Frage, ob es ein Minarett geben soll, ist den Gemeindeleitern unangenehm. Die Frage werde gern polarisiert. „Wenn Schulklassen zu Besuch sind, fragen die Kinder: Wo ist euer Minarett?“, sagt Ciftci. „Wir bekommen den Eindruck, bei uns fehlt etwas.“ Pressesprecher Ahmet Arslan bestätigt, dass ein Minarett gewollt ist. Es müsse nicht die Umgebung bestimmen und Kirchtürmen keine Konkurrenz bieten. Aber: „Wir wünschen uns Akzeptanz.“ Gut fände er es, wenn Anwohner bei der Planung eines Gemeindezentrums eingebunden werden würden.