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Genaues Bild gewünscht Tresor-Diebstahl in Delmenhorst: Gericht will Ortstermin

Von Marco Julius | 30.09.2015, 15:09 Uhr

Um zu klären, wer wie den Tresor eines Getränkemarktes ausgeraubt hat, setzt das Gericht einen Vor-Ort-Termin an. Beschuldigt werden zwei junge Delmenhorster.

Die Frage, wer Anfang Februar rund 14.000 Euro aus dem Tresor eines Getränkemarktes an der Schanzenstraße geraubt hat , beschäftigt weiter das Jugendschöffengericht. Wie berichtet müssen sich dort derzeit zwei junge Delmenhorster verantworten, denen vorgeworfen wird, den Markt, in dem einer der beiden zum Tatzeitpunkt Auszubildender war, nachts um die Summe erleichtert zu haben.

Bargeld bei Beschuldigtem gefunden

In der gestrigen Verhandlung hat ein Polizist, der mit dem Fall betraut ist, seine Zeugenaussage gemacht. Er bestätigte noch einmal, dass bei dem ehemaligen Auszubildenden nach der Tat insgesamt etwa 5600 Euro gefunden wurden, darunter 88 50-Euro-Scheine, exakt die Hälfte der vermissten Fünfziger. Zudem habe der junge Mann seine Aussagen dem jeweils aktuellen Ermittlungsstand angepasst. Auch eine Zeugin, die das Alibi bestätigen sollte, sei nicht hilfreich gewesen.

Tresor mit Schlüssel geöffnet

Im Laufe der beiden bisherigen Verhandlungstermine wurde aber auch deutlich, dass der Sicherheitsaspekt im Getränkemarkt zu dem damaligen Zeitpunkt nicht die Rolle gespielt hat, die ihm wohl eigentlich gebührt. So waren etwa drei von vier Tresorschlüsseln in der Tatnacht in Spinden abgelegt, die zwar verschlossen werden konnten, aber nicht weiter gesichert waren. Auch die Kassenladen standen nachts in Mitarbeiterspinden, nicht im Tresor. Deshalb war das Verschwinden des Innentresors, der zudem nicht wie vorgeschrieben mit dem Haupttresor fest verbunden war, erst am Vormittag nach dem nächtlichen Einbruch aufgefallen und nicht bei Öffnung des Ladens.

Zwei Mitarbeiter mit Tresor alleine

Die Verteidigung hob zudem darauf ab, dass nach dem Einbruch und dem Alarm gleich zwei weitere Mitarbeiter mit einem Tresorschlüssel für längere Zeitabschnitte allein im Laden waren. Dort habe die Polizei nicht weiter nachgeforscht.

Fakt ist bisher, dass der Tresor mit einem Schlüssel geöffnet worden sein muss. Den hatte auch der beschuldigte ehemalige Auszubildende. Fakt ist auch, dass es in der Tatnacht zweimal Alarm gab. Einmal am späten Abend, der wurde als Fehlalarm eingeschätzt, und dann in der Nacht, als die zwei Täter von innen eine Scheibe einschlugen, um aus dem Markt zu kommen. Es könnte die Möglichkeit bestehen, dass sich die Täter bereits beim ersten Alarm Zugang verschafft hatten und sich dann bis zur Tat unentdeckt im Laden versteckt gehalten haben.

Ungewöhnlicher Ortstermin

Einen für ein Strafverfahren eher ungewöhnlichen Weg schlägt nun der Vorsitzende Richter ein. Bei einem Ortstermin im Getränkemarkt will man sich jetzt ein Bild machen über die Bewegungsmelder der Alarmanlage, das Schließsystem, die Wege und Versteckmöglichkeiten im Laden. Bis dahin soll auch die zuständige Sicherheitsfirma die Transponder auswerten und mitteilen, wer wann den Laden betreten hat. Die Verhandlung wird am Dienstag, 13. Oktober, um 11 Uhr im Amtsgericht Delmenhorst fortgesetzt.