Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Geplantes Baugebiet in Delmenhorst Baggereinsatz in Langenwisch verhindert

Von Frederik Grabbe | 25.09.2017, 21:10 Uhr

Die Stadt Delmenhorst plant an der Langenwischstraße in Stickgras ein Baugebiet. Für Montag vorgesehene Baugrunderkundungen fielen aber aus. Offenbar hat sich das Landesumweltministerium in die Sache eingeschaltet.

Die geplante Rodung eines Sumpf-Weiden-Gebüschs zugunsten von Baugrunderkundungen in Menkens Moor nahe der Langenwischstraße in Stickgras ist gestoppt worden. Das berichten Silvia Schierenbeck von der Bürgerinitiative (BI) Langenwisch/Menkens Moor und Dr. Yvonne Ingenbleek vom Nabu Delmenhorst unter Berufung auf ihre Anwältin. Über diese hatte der Nabu Ende vergangener Woche eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Arbeiten der Stadt beim Umweltministerium des Landes eingereicht. Diese hat wohl die Baugrunderkundungen der Stadt verhindert, sagt Ingenbleek. Die Stadt Delmenhorst äußerte sich zu den Vorgängen bislang nicht.

Bagger bleiben fern

In dem Bereich plant die Stadt Delmenhorst ein Baugebiet. Kritik zu ihrem Vorgehen kommt von der Bürgerinitiative (BI) Langenwisch/Menkens Moor und dem Delmenhorster Nabu. Weil am Montagmorgen die Stadt erneut mit Baggern anrücken wollte, hatte sich beide Gruppen auf Protest eingestellt und wollten zu Beginn der Arbeiten mit Plakaten vor Ort ihren Unmut ausdrücken. Allein: Die Bagger kamen nicht, die Protestler standen unverrichteter Dinge dar – und doch ist Silvia Schierenbeck, Sprechern der BI, erleichtert. Sie sieht einen Erfolg durch die Beschwerde bei der Landesbehörde vergangene Woche. Kurz beschrieben wurde darin kritisiert:


  • Mit den angekündigten Arbeiten wolle die Stadt einen gesetzlich geschützten, 4700 Quadratmeter großen Außenbereich „vernichten“.
  • Laut Nabu wären sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) Ordnungswidrigkeiten gewesen, denn das Abschneiden von Hecken, Büschen und anderen Gehölzen innerhalb der Zeit von 1. März bis 30. September sei verboten. Zudem stellten die Arbeiten einen vermeidbaren Eingriff in die Natur dar.
  • Eine Befreiung hiervon sei zwar möglich, liege aber „in keinster Weise“ vor.
  • Die Stadt Delmenhorst begründe die Arbeiten mit dem öffentlichen Interesse am Abschluss des Bebauungsplanverfahrens. Allerdings sei die Öffentlichkeitsbeteiligung noch nicht beendet, der Bebauungsplan sei nicht rechtskräftig.

 Weiterlesen: Irritationen um geplantes Baugebiet in Delmenhorst 

Gruppe bezweifelt Neutralität der Unteren Naturschutzbehörde

In der Beschwerde fällt zum Thema Befreiungen von Verboten vor allem ein Satz auf: „Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich die Untere Naturschutzbehörde in ihrer fachlichen Würdigung mit dem Vorliegen der Voraussetzungen nach § 67 BNatSchG ernsthaft und qualifiziert auseinandersetzt.“ Im Grunde sagt dieser aus, dass die Behörde ihren Aufgaben nicht nachgeht. Die Gruppen kritisieren, dass die Untere Naturschutzbehörde der städtischen Bauverwaltung untergeordnet ist, „eine unabhängige Stellungnahme aus naturschutzrechtlicher Sicht ist so nicht möglich“, kritisiert Dr. Yvonne Ingenbleek vom Nabu. Die Bauverwaltung könne sich darum selbst Ausnahmegenehmigungen erteilen, sagt sie.

Gruppen: Hausmüll-Entfernung als Vorwand

Mehr als merkwürdig finden BI und Nabu auch, dass die Stadt, wie kürzlich im Planungsausschuss bekannt gegeben, plötzlich giftigen Haushaltsmüll in dem betroffenen Bereich entfernen will. „Dass es die Deponie aus Nachkriegsjahren gibt, ist lange bekannt. Gehandelt wird aber erst jetzt?“. Silvia Schierenbeck empfindet dieses Vorgehen als vorgeschobenen Grund der Stadt, um vorzeitig Fakten zu schaffen. Weiter kritisiert sie, dass der Dialog mit der Verwaltung nicht so richtig klappe, auch was beispielsweise eine alternative Bauplanung unter mehr Einbezug von Grünflächen an der Langenwischstraße angehe.

Kein Biotop, aber schützenswerte Pflanzen und Tiere

Ein anerkanntes Biotop sei die betroffene Fläche übrigens nicht, sagt Sprecherin Silvia Schierenbeck auf Nachfrage. Trotzdem habe sie einen FFH-Status, es gibt dort also schützenwerte Pflanzen, Tiere und Lebensräume. Würde die Stadt die Fläche ausbaggern, so Schierenbeck, müsste sie je nach Schutzstufe Ausgleichsflächen in direkter Nähe schaffen. Gegen eine Bebauung ist die Initiative grundsätzlich nicht, wie Schierenbeck betont. „Vielmehr hoffen wir auf eine Lösung, mit der alle leben können.“