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Geprellt und betrogen Haft für früheren Wirt des Ganderkeseer Schützenhofs

Von Thorsten Konkel | 23.04.2015, 20:57 Uhr

Zwei Jahre und drei Monate Haft für einen Delmenhorster Ratsherrn, der ab 2013 den Schützenhof in Ganderkesee betrieb: Er hatte seinen Getränkelieferanten geprellt und Vereinsgelder veruntreut.

Ein ehemaliger Wirt des Ganderkeseer Schützenhofs, der derzeit als Ratsherr im Delmenhorster Stadtrat sitzt, ist am Donnerstag vom Amtsgericht Delmenhorst zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hat laut Urteil einen Ganderkeseer Getränkehändler betrogen und in 48 besonders schweren Fällen Gelder des inzwischen zahlungsunfähigen Vereins „Aktiv für Gesundheit“ veruntreut.

Mehrfach einschlägig vorbestraft

Der Verurteilte ist bereits mehrfach einschlägig vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm jetzt vorgeworfen, im Februar 2013 als neuer Wirt des Schützenhofs nach dessen Übernahme von der vorigen Betreiberfamilie für die Faschingsfeier sowie den weiteren Betrieb der Gastronomie von einem Ganderkeseer Getränkehändler Waren und Einrichtung im Wert von mehr als 3300 Euro bezogen zu haben, obwohl er gar nicht habe zahlen können.

Der derzeit Arbeit suchende Hartz-IV-Empfänger hatte nämlich laut Anklageschrift schon im Mai 2011 in Delmenhorst seine Zahlungsunfähigkeit in einer eidesstattlichen Versicherung über sein Vermögen erklärt.

Vereinsgelder veruntreut

In 15 weiteren Fällen soll der Ratsherr zum Nachteil des inzwischen zahlungsunfähigen und abgemeldeten Delmenhorster Vereins, bei dem er Kassenwart war, zwischen Juni 2012 und Anfang 2014 mit der EC-Karte des Vereins erhebliche Summen für private Zwecke abgehoben haben. Mit Vereinsgeldern habe er auch Gerätschaften wie einen Beamer gekauft. In weiteren 28 Fällen soll er Bargeld, das die Teilnehmer der Rehasport-Wassergymnastik vor Übungsbeginn bar bezahlt hatten, für sich verwendet haben.

Geständnis nach vier Stunden

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe zunächst vehement. Erst nach einer gut vierstündigen intensiven Beweisaufnahme und der Vernehmung von diversen Zeugen, darunter auch sein in dem Verein als Trainer tägiger Neffe, mit dem er auch in der Betreibergesellschaft des Schützenhofs aktiv war, und der ehemaligen Vereinsvorsitzenden, deutete der Verteidiger an, eine Verständigung („Deal“) anstrengen zu wollen. Dieses Angebot wurde vom Gericht angenommen.

Die Folge: Der Angeklagte gestand nun plötzlich vollumfänglich alle Anklagepunkte und wurde zum genannten Strafmaß verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sollte die einwöchige Berufungsfrist verstreichen, muss der Ratsherr in Haft. Aufgrund der Dauer der Strafe ist eine Aussetzung zur Bewährung ausgeschlossen.