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Gericht sieht Mangel an Beweisen Delmenhorster von Vergewaltigung freigesprochen

Von Alexander Schnackenburg | 03.06.2015, 14:45 Uhr

Das Amtsgericht hat jetzt einen 30-jährigen Delmenhorster wegen einfacher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt: weil er seine Exfrau geschlagen und auf der Autobahn mehrfach ausgebremst habe.

Das Amtsgericht hat gestern einen 30-jährigen Delmenhorster wegen einfacher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt: weil er seine Ex-Frau geschlagen und auf der Autobahn mehrfach ausgebremst habe. Freigesprochen aber hat das Gericht den Angeklagten von zwei wesentlich schwereren Vorwürfen: jenem, seine damalige Ehefrau im Juli 2013 vergewaltigt zu haben sowie von jenem, sie Monate zuvor bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Für beide Vergehen mangelte es nach Auffassung der Richter an Beweisen.

Gefängnisstrafe beantragt

Mit diesem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung. Die Nebenklage hatte eine 19-monatige Gefängnisstrafe beantragt. Der Prozess hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil er im ersten Anlauf unterbrochen werden musste, als sich herausstellte, dass dem Strafverteidiger die Zulassung entzogen worden war. Aus diesem Grund rollte das Gericht den Prozess noch einmal neu auf.

Unheilvolle Eigendynamik

Der Angeklagte und seine 26-jährige Ex-Frau aus Turkmenistan hatten einander im Zuge der Hauptverhandlung immer wieder diametral widersprochen, bezichtigten sich gegenseitig der Gewalt, schilderten ihre Auseinandersetzungen, Versöhnungen und das wechselseitig offenbar tatsächlich empfundene Abhängigkeitsverhältnis zueinander trotz aller Widersprüche so glaubwürdig, dass der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung Wert auf die Feststellung legte: „Dieser Freispruch bedeutet nicht, dass die Zeugin gelogen hat.“ Stattdessen hätten sich in beider Wahrnehmung der Ereignisse „Erinnerungen zu Tatsachen verdichtet“. Am Ende, so der Richter, habe Aussage gegen Aussage gestanden, und im Zweifel müsse ein Gericht zugunsten des Angeklagten entscheiden. Für beide Beteiligten wäre es besser gewesen, wenn sie einander nie begegnet wären, statt auch noch zu heiraten: „Die Beziehung hat eine unsägliche, unheilvolle Eigendynamik entwickelt“, so sein Fazit.