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Gerichtsprozess in Delmenhorst Handel mit Phantom-Ware für 128.000 Euro

Von Kai Hasse | 06.12.2017, 14:44 Uhr

Ohne zu liefern, hat eine Delmenhorster Firma im Jahr 2015 Waren im Wert von 128.000 Euro verkauft. Die Waren gab es nicht. Den Geschäftsführer offenbar auch nicht.

Um bestellte und bezahlte Elektrogeräte, die von der anbietenden Firma nicht gesandt wurden, geht es bei einer Gerichtsverhandlung, die derzeit vor dem Amtsgericht Delmenhorst geführt wird. Eine 28-jährige Frau aus dem Landkreis Oldenburg sitzt in der Anklagebank wegen Geldwäsche und Betrug, beteuert aber, dass sie selbst keine relevanten Entscheidungen getroffen habe.

Dutzende von Rasenmährobotern verkauft

Im Juni und vor allem Juli 2015 gingen laut Anklage unzählige Waren über den digitalen Ladentisch dieser in Delmenhorst angemeldeten Firma: Rasenmähroboter hochwertiger Marken, E-Bikes, Akku-Bohrschrauber und Grills, jeweils zu Dutzenden. Gesamtwert: Über 128.000 Euro. Zuvor waren mehrere Firmen gegründet worden, mit der jungen Frau als Geschäftsführerin. Animiert hatte sie dazu ein Bekannter, für den sie als Verkäuferin in einer dieser Firmen gearbeitet hatte. Er habe sie hartnäckig dazu gedrängt, erzählt sie. Später ging die Geschäftsführung dann an einen anderen Mann über, den sie nicht gekannt haben wollte. Mit den Firmengeschäften selbst haben sie nie etwas zu tun gehabt, erklärte sie.

Phantom an Firmenspitze

Die verkauften Waren, existierten nicht. Ebensowenig wie der Mann, der die Frau als Geschäftsführer ablöste. Das besagten Anklage und Zeugen der Polizei. Weder deutschen noch baltischen Behörden in seiner mutmaßlichen Herkunft sei die Person bekannt. Seine Existenz sei von einem Notar aus dem Landkreis Oldenburger Land allerdings bestätigt worden, so ein Kriminalpolizist im Zeugenstand. Drei Firmen mit drei Konten waren da bereits als Firmengeflecht entstanden, so die Schilderung in der Anklage. Die 28-jährige Angeklagte war, obwohl nicht mehr Geschäftsführerin, nach wie vor Bevollmächtigte der Konten. Nachdem etwa einen Monat lang mit nicht existenten Waren Geld gemacht wurde, habe dann der Bekannte der Angeklagten sie gedrängt, die Konten zu Bargeld zu machen – zum Teil landeten dabei hohe Beträge auf ihrem privaten Konto – wogegen sie sich gesträubt habe. Das Geld habe sie dann in Bar an ihren bekannten Auftraggeber abgegeben.

„Er lullt einen ein“

Nach Aussage der des ermittelnden Kriminalpolizisten sei die Frau selbst nie als Handelnde persönlich erwähnt worden. Gemeldet gewesen seien die Firmen in einer Adresse im Hasporter Damm. Der Auftraggeber der jungen Frau habe auch ähnliche Firmen in Bremen in einem ähnlichen Standort, der als Briefkastenfirmen-Standort bekannt sei. Ob sie sich nicht gefragt habe, warum ihr Auftraggeber nicht selbst die Geschäfte der Firmen geführt habe, fragte der Staatsanwalt im Prozess: „Im Nachhinein ja“, sagte sie. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, in der er sie mit nagender Beharrlichkeit in die Position gedrängt habe. „Er lullt einen ein“, sagte sie. Der Prozess wird fortgesetzt.