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Geruchlose Gefahren Experte warnt vor Giften im Kinderzimmer

Von Alexander Schnackenburg | 23.09.2015, 16:50 Uhr

Viele Hersteller machen bei Giftstoffen in Möbeln falsche Angaben, sagt Gary Zörner. Eltern, die auf der sicheren Seite sein wollen, sollten einen Experten befragen, rät er.

Verbraucher- und Umweltberatungsstellen verweisen regelmäßig auf Umweltsiegel wie den „Blauen Engel“. Gary Zörner, Geschäftsführer der Delmenhorster Lafu GmbH (Labor für chemische und mikrobiologische Analytik), hält hingegen nichts von derartigen Zertifikaten. Wer ein Kinderzimmer einrichte, könne leider nie sicher sein, dass es frei von Giftstoffen sei. Umso wichtiger sei es, einen Fachmann hinzuzuziehen, findet Zörner.

Die meisten Gifte sind geruchlos

Die Gerüche neuer Möbel gäben ohnehin kaum Anhaltspunkte darüber, ob sie tatsächlich für das Kinderzimmer geeignet seien, seien doch die meisten Gifte in unseren Wohnungen geruchlos, sagt Zörner. Trotzdem gelte: „Was stinkt, stelle ich mir natürlich nicht ins Haus!“

Gefährliche Weichmacher

Grundsätzlich unterscheidet Zörner zwischen leicht flüchtigen und schwer flüchtigen Stoffen, die giftig sein könnten. Allein ein handelsüblicher Schrank setze sich aus bis zu 20 oder gar 30 Materialien zusammen, die der genaueren Betrachtung bedürften: Welche Lösungsmittel sind enthalten? Finden sich – obwohl längst verboten – Flammschutzmittel wieder? Welche Weichmacher enthalten die verwendeten Kunststoffe? – Es gebe viele offene Fragen, ehe man ein Möbelstück tatsächlich als gesundheitlich unbedenklich einstufen könne, so Zörner.

Viele Hersteller tricksen

Außerdem stelle sein Labor immer wieder fest, dass viele Hersteller falsche oder zumindest irreführende Angaben zu ihren Produkten machten – zuweilen gar mithilfe des Gesetzgebers. Als Beispiel nennt Zörner „lösungsmittelfreie“ Stoffe im Handel, die tatsächlich nicht „lösungsmittelfrei“ seien, sondern deren Lösungsmittel lediglich einen Siedepunkt oberhalb von 200 Grad Celsius aufwiesen.

Experten-Rat einholen

Eltern, die bei der Einrichtung eines Kinderzimmers auf der sicheren Seite sein wollten, sollten Experten hinzuziehen, sagt Zörner. Grundsätzlich empfiehlt er unbeschichtete Vollholzprodukte als Möbel, die nicht nach Chemikalien riechen sollten. Für vollkommen ungeeignet hält er Böden aus PVC (Polyvinylchlorid) sowie Möbel aus Pressspan. Denn diese enthielten Formaldehyd, das ebenso giftig sei wie es Weichmacher im PVC seien.