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Gesangsnachmittage seit 16 Jahren Delmenhorster Hildegard-Stift: Abschied von Marga Seifert

Von Frederik Grabbe | 22.12.2016, 07:33 Uhr

Es ist ein Dienst, der ihr kaum höher angerechnet werden könnte und einer, von dem Marga Seifert selbst sagt: „Ich liebe diese Arbeit.“ Seit 16 Jahren gestaltet Marga Seifert im katholischen Hildegard-Stift in Delmenhorst Singnachmittage für Senioren. Nun, mit 75 Jahren, zieht sie sich aus diesem Ehrenamt zurück.

Der Abschied wird Marga Seifert nicht leicht fallen. Seit Längerem schon hat sie ihren Entschluss gefasst. Doch noch hat sie sich nicht getraut, den Bewohnern des Seniorenheims zu sagen, dass sie Ende des Jahres aus privaten Gründen aufhören wird. Diesen Donnerstag soll der Vorhang aber zugezogen werden. „Ich habe angefangen, die Singnachmittage anzubieten, als ich selbst in Rente gegangen bin“, erzählt Seifert. Seit 16 Jahren lädt sie zum gemeinsamen Singen im Stift an Donnerstagen im Zweiwochentakt ein. Davor hatte sie ebenfalls 16 Jahre in der Altenpflege gearbeitet. Mit dem Ehrenamt ist Seifert also auf vertrautem Terrain verblieben.

Kindergartenkinder als Ehrengäste

Höhepunkt in diesem Jahr war das Weihnachtskonzert in der zweiten Dezemberwoche. Wie immer hatte sie Reinhold Stefkal dabei, der auf seinem Akkordeon die Lieder anstimmt und selbst schon 85 Jahre alt ist. Ehrengäste waren dieses Mal aber zahlreiche Kinder einer Kindertagesstätte aus Delmenhorst. Neben bunt dekorierten Tischen und einer frischen Tanne sangen sie Lieder wie „In der Weihnachtsbäckerei“ oder sagten Gedichte auf wie den traditionellen Titel „Von drauß‘ vom Walde“ – „hier haben die Senioren alle mitgesprochen, weil sie das Gedicht selbst noch kannten. Sie waren so glücklich.“ Zudem hatte der Weihnachtsmann 300 Vanillekipferl für rund 40 der Bewohner im Gepäck. Und wieder sagt Seifert: „Ich liebe diese Arbeit.“

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„Würde immer wieder diesen Beruf ergreifen“

Seifert, das merkt man schnell wenn man der 75-Jährigen zuhört, hatte und hat in der Altenpflege ihre Berufung gefunden. „Ich würde immer wieder diesen Beruf ergreifen“, sagt sie. Ihr Bezug zu den Bewohnern sei bewusst immer sehr eng gewesen, denn: „Eine gute Betreuung ersetzt die Hälfte der Medikamente“, ist Seifert überzeugt. „Sie müssen sich ins Gedächtnis rufen, dass die Senioren ihr Haus, ihre gewohnte Umgebung, in der sie mitunter über Jahrzehnte gewohnt haben, verloren haben. Stattdessen müssen Sie sich mit neuen Abläufen befassen“, schildert Seifert.

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„Dankbarkeit mit keinem Geld der Welt zu bezahlen“

Und hier bieten die Liedernachmittage ein Stück Vertrautheit: „Im schönsten Wiesengrunde“, „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ oder „Kein schöner Land“ sind Lieder, die sie selbst seit der eigenen Kindheit kennen. „Wer nicht mehr mitsingen kann, bewegt die Lippen“, sagt Seifert, die schon zu aktiven Zeiten im Stift ein Stück von der Arbeitszeit abknapste, um mit den Bewohnern zu singen. „Die Dankbarkeit, die Senioren ausdrücken, ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.“ Dieses Aufblühen zu sehen, lassen sich auch Angehörige der Bewohner nicht nehmen. „Oft besuchen sie ihre Eltern bei den Nachmittagen, um sie in richtig guter Stimmung zu erleben“, sagt Seifert.

Ein richtig glatter Schnitt ist es nicht

Im Gespräch sagt Seifert öfter Sätze wie „Solange ich lebe, werde ich mich für Senioren einsetzen.“ Und dann wieder: „Und es fällt mir verdammt schwer, loszulassen.“ Mit diesem Donnerstag soll es der letzte Singnachmittag mit ihr im Hildegard-Stift gewesen sein. Immerhin: Seifert möchte als Besucherin zurück ins Stift kommen und es bei Aktionen unterstützen. Ein richtig glatter Schnitt ist es also nicht. Zum Glück.