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Geschäftsführer schon ausgetauscht Betrugsvorwürfe gegen DRK im Landkreis Oldenburg

Von Thomas Breuer | 23.05.2016, 19:32 Uhr

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Landkreis Oldenburg muss sich Betrugsvorwürfen stellen. Der für die Rettungstätigkeit im Landkreis zuständige Kreisverband Oldenburg-Land hat 2013/14 offenbar verschiedene Leistungen derart abgerechnet, dass dem Landkreis, der ihm die Aufgabe übertragen hat, finanzielle Nachteile entstanden sind. Dies soll vor einiger Zeit beim Landkreis aufgefallen sein.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Landkreis Oldenburg muss sich Betrugsvorwürfen stellen. Der für die Rettungstätigkeit im Landkreis zuständige Kreisverband Oldenburg-Land hat 2013/14 offenbar verschiedene Leistungen derart abgerechnet, dass dem Landkreis, der ihm die Aufgabe übertragen hat, finanzielle Nachteile entstanden sind. Dies soll schon vor Monaten beim Landkreis aufgefallen sein.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der ehrenamtliche DRK-Kreisvorsitzende Gerold Sprung: „Ja, es gibt Unregelmäßigkeiten. Leistungen sind falsch abgerechnet worden.“ Im Detail wollte er sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht äußern.

Geschäftsführer entlassen

Das Rote Kreuz ist seit vielen Jahren Partner des Landkreises nicht nur im Rettungsdienst. In Hude etwa ist dem Kreisverband unlängst die Leitung des dortigen Flüchtlingsheims übertragen worden.

Dass die Sache ernst ist, zeigt sich auch darin, dass das DRK bereits Ende 2015 seinen langjährigen Geschäftsführer Jürgen Vosteen entlassen hat. Er wurde zum 1. März durch Interimsgeschäftsführer Michael Venzke abgelöst, der am Montag sagte: „Wir wollen vollumfänglich und transparent aufklären.“ Zur möglichen Höhe des entstandenen Schadens wollte sich Venzke mit Verweis auf die laufenden Prüfungen nicht äußern. Seitens der Staatsanwaltschaft Oldenburg hieß es auf Nachfrage, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens werde nun geprüft.

Es sind rund zwei Millionen Euro pro Jahr, die der Landkreis dem Roten Kreuz für den Rettungsdienst überweist. Davon werden unter anderem 32 Vollzeitstellen, Bereitschaften, Einsätze sowie die Fahrzeuge und deren Unterhaltung finanziert. Mit geringfügig Beschäftigten, Azubis und Ehrenamtlichen sind es gar an die 50 Kräfte.

Missstände im April öffentlich gemacht

Öffentlich gemacht worden sind die Missstände erstmals Ende April auf der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes. Laut Sprung ist im Wissen um die Situation die Entlastung des Vorstandes gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt worden. Stattdessen ist für den Oktober eine zweite Versammlung geplant. Bis dahin sollen die Vorgänge im Detail aufgeklärt und die Verantwortlichen benannt sein.

„Ich hoffe, dass wir schon vor der Sommerpause erste Antworten geben können“, sagte Sprung. Unmittelbar nachdem die Unregelmäßigkeiten bemerkt wurden, sei ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer eingesetzt worden.

Gespräche hinter verschlossenen Türen

Dass die Vorfälle das Rote Kreuz in ein schlechtes Licht rücken, trifft nicht nur die hauptamtlichen Kräfte. „Mir tut die Entwicklung sehr leid für alle Mitglieder des Roten Kreuzes“, so Sprung. „Vor allem für die ganzen Ehrenamtlichen.“

Die Kreisverwaltung hielt sich auf Nachfrage bedeckt. Es gehe bei der gesamten Angelegenheit auch um Prüfungen und Entscheidungen, die laut Erstem Kreisrat Christian Wolf „nicht nur die Verwaltung berühren, sondern auch von den politischen Gremien des Landkreises zu treffen sind.“ Eine erste nicht-öffentliche Information hat es bereits gegeben, weitere Informationen sollen heute hinter verschlossenen Türen erfolgen. Wolf spricht „von schwierigen Bewertungen, die wir vorzunehmen haben. Das ist wirklich nicht ganz ohne.“

Zu Gerüchten, der Vertrag mit dem DRK für den Rettungsdienst im Landkreis könne schon bald gekündigt und die Tätigkeit kommunalisiert werden, wollte sich kein Gesprächspartner äußern.