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Gespräch in Delmenhorst Handwerk will Flüchtlinge besser integrieren

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 19.05.2016, 20:07 Uhr

Die Betriebe der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst / Oldenburg Land wollen Ausbildungs- und Praktikumsmöglichkeiten für Flüchtlinge schaffen. Die Kooperation mit Jobcenter und Agentur für Arbeit soll intensiviert werden.

„Der Bedarf ist da“, sagt Hartmut Günnemann. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land steht der Integration von Flüchtlingen in die Handwerksbetriebe sehr offen gegenüber. Dies ist eines der Ergebnisse einer Gesprächsrunde mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, zu dem die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU) am Donnerstag geladen hatte.

Intensivere Zusammenarbeit mit Jobcenter und Agentur für Arbeit

„Das Handwerk sieht die Integration von Flüchtlingen als Teilperspektive, um den Fachkräftemangel abzufedern“, erklärte Günnemann. Grotelüschen berichtete aus ihren Erfahrungen von Besuchen, beispielsweise in Berufsbildenden Schulen, dass junge Flüchtlinge sehr an Arbeit im Handwerk interessiert seien. So soll jetzt die Zusammenarbeit von Handwerk, Jobcenter und Agentur für Arbeit intensiviert werden. „Wenn bei verschiedenen Projekten zur Integration unsere Mithilfe gefragt sein sollte, werden wird unser Möglichstes geben“, meinte Günnemann.„Wie schaffen wir es, neben dem Erwerb der Sprache eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt hinzubekommen?“, gab Grotelüschen die Grundfrage des knapp zweieinhalbstündigen Treffens vor. Als Ziel einigten sich die Akteure auf eine engere Zusammenarbeit.

Liste soll bei Vermittlung helfen

„Wesentlich ist, dass wir die Möglichkeit bieten, in Bereiche des Handwerks hineinzuschnuppern“, sagt Günnemann. Dafür wurde nun der erste Schritt auf den Weg gebracht: In den kommenden Wochen stellt die Kreishandwerkerschaft eine Liste mit ihren Mitgliedsbetrieben und ihren Möglichkeiten, Praktikums- oder Ausbildungsplätze anzubieten, zusammen.

Sprache besonders im Handwerk hohe Hürde

Die Voraussetzung für die Integration ist laut Günnemann aber ein Grundfundament an Deutschkenntnissen. Das Handwerk habe dabei einen „etwas anderen Anspruch als den formaljuristischen“. Das heißt, für die Arbeit in Handwerksberufen noch einmal andere Sprachkenntnisse, gerade von Fachvokabular, wichtig sind, als sie in vielen Sprachkursen vermittelt werden. „Wir müssen gegenüber den Berufsgenossenschaften verschiedene Auflagen erfüllen, bevor eine Arbeit aufgenommen werden kann“, erklärte Günnemann. Dazu gehöre beispielsweise, dass die Sicherheitseinweisungen in bestimmten Berufen verstanden werden.

Integration soll im zweiten Halbjahr an Fahrt aufnehmen

Günnemann betonte auch, dass die Integration der Flüchtlinge nicht im Eilverfahren erfolgen kann. „Es gib eine gewisse Zeitschiene, die wir im Blick haben, hektische Betriebsamkeit bringt uns nicht weiter.“ Er rechnet damit, dass die Integration der Flüchtlinge in die Berufswelt im zweiten Halbjahr 2016 an Fahrt aufnehmen werde. Auch Regina Krumpe von der Agentur für Arbeit betonte, dass Zeit ein wichtiger Faktor ist. „Die schnell geschaffenen Strukturen müssen für eine langfristige Hilfe erhalten bleiben.“

Dass das Handwerk die Herausforderungen meistern kann, ist sich Günnemann sicher: „Viele Betriebe im Handwerk haben mit der Integration von Migranten in der Vergangenheit hinreichend Erfahrungen gesammelt.“