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Gestrandet in São Paulo Flughafen-Pöbler aus Delmenhorst wird abgeschoben

Von dpa | 25.03.2017, 10:26 Uhr

Er verpasste einen Anschlussflug und hatte kein Geld für ein neues Ticket. Der Fall eines im Flughafen von São Paulo lebenden Deutschen, der ausfällig gegen Frauen wurde, sorgt für viel Gesprächsstoff in Brasilien. Nun gibt es eine Lösung, um das „Exil“ zu beenden.

Ein seit drei Monaten im Flughafen von São Paulo lebender Deutscher wird nach mehreren Pöbelattacken gegen Frauen abgeschoben. Er war dort gestrandet, nachdem er einen Weiterflug verpasst und kein Geld für ein neues Ticket hatte. „Er befindet sich derzeit in der Polizeistation des Flughafens Guarulhos“, sagte ein Sprecher der Zivilpolizei der Deutschen Presse-Agentur. Er sei am Freitag dorthin gebracht worden, um weitere Attacken zu vermeiden.

Mit einem Flug der Lufthansa werde er am Sonntag von São Paulo aus nach Frankfurt geflogen - ihn würden dabei Polizisten aus Deutschland begleiten. Der Deutsche habe psychische Probleme und zuletzt auch keine Medikamente mehr gehabt.

Auf dem Video einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie er in einem Wartebereich sitzend plötzlich aufsteht und eine Frau, die gerade in ihr Telefon tippt, anpöbelt und ihr mit beiden Händen Schläge androht. Ein anderes Mal attackiert der rund zwei Meter große, kräftige Mann eine Frau, die am frühen Morgen durch eine Schiebetür das Flughafengebäude betritt. Das Auswärtige Amt betonte, das deutsche Generalkonsulat São Paulo sei in engem Kontakt mit dem Betroffenen und den zuständigen brasilianischen Behörden.

Er hatte im Dezember in São Paulo einen Anschlussflug nach New York verpasst, von wo es nach Frankfurt gehen sollte. Da er kein Geld für den Kauf eines neuen Tickets hatte, blieb er in dem Flughafen. Mit seinem deutschen Reisepass konnte er legal einreisen und erhielt per Stempel die üblichen 90 Tage Aufenthaltsrecht in Brasilien.

Mit seinem Gepäck hielt er sich meist im offen zugänglichen Bereich in der Nähe der Check-in-Schalter auf und schlief auch dort. Zum Teil soll sich der 44-Jährige mit Essensabfällen versorgt haben. Nach drei Monaten war nun sein 90-tägiges Touristenvisum abgelaufen, hinzu kamen die Attacken gegen Frauen und Mitarbeiter des Flughafens.

Fälle von so lange gestrandeten Menschen sind ungewöhnlich - 2004 machte der Film „Terminal“ von Steven Spielberg Furore, mit Tom Hanks in der Hauptrolle, der in New York am JFK-Flughafen hängenbleibt, da sein Heimatland in einem Bürgerkrieg versunken ist und plötzlich nicht mehr anerkannt wird. Er wird über Nacht zum Staatenlosen und darf nicht in die USA einreisen. Monatelang schlägt er sich im Terminal durch, verliebt sich in eine Stewardess, bevor sich die Lage in seiner Heimat wieder normalisiert und er dahin zurückkehren kann.