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Gewalttaten im Drogenrausch Dreieinhalb Jahre Jugendstrafe für Delmenhorster

Von Merlin Hinkelmann | 27.10.2016, 19:11 Uhr

Zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten wurde ein 19-jähriger Delmenhorster verurteilt. Dieser hatte im vergangenen Jahr drei Gewaltdelikte begangen.

„Ihr Problem ist: Wenn Sie Alkohol und Drogen nehmen, drehen Sie durch.“ Mit diesen Worten verkündete Richter Dirk Reuter im Landgericht Oldenburg heute das Urteil gegen einen 19-jährigen Delmenhorster: Dreieinhalb Jahre Jugendstrafe und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Damit lag er exakt zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Angeklagte hatte sich im vergangenen Jahr einiges zuschulden kommen lassen.

Staatsanwalt plädierte auf versuchten Mord

Im Juni 2015 verletzte der Täter bei einer Openair-Party in Bremen einen jungen Mann mit dem Messer. Zwei Stiche in Oberschenkel und Unterbauch, im Drogenrausch. Für den Staatsanwalt war der Fall klar: „Er wollte zustechen, er wollte verletzen.“ Spätestens beim Stich in den Bauch habe er gewusst, was er tat. Weder sei er zurückgewichen noch habe er einen Rettungswagen gerufen. Dass der Mann noch lebe, sei nur Glück. „Es hätte jeden treffen können.“ Auch das Motiv lag für den Staatsanwalt auf der Hand. Er habe aus Frust gehandelt, sich als Herr über Leben und Tod aufspielen wollen – und einen möglichen Tod des Geschädigten billigend in Kauf genommen. Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten zugute, dass er bereits 1.500 Euro Schmerzensgeld gezahlt hatte und bei der Tat unter Drogen stand. Sein Plädoyer: Versuchter Mord in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung.

Verteidiger: „Mein Mandant wusste nicht, was er tat.“

Im Gegensatz zum Staatsanwalt erkannte der Anwalt des Angeklagten keinen Vorsatz in der Tat. Durch den Drogenkonsum „wusste mein Mandant eben nicht, was er tat“. Die Konsequenzen seines Handelns habe er mitnichten absehen können. Im Übrigen seien die Stichverletzungen „nur potenziell lebensgefährlich gewesen“. Deshalb plädierte der Verteidiger auf gefährliche Körperverletzung. Und nicht auf versuchten Mord. Beim zweiten Delikt waren Verteidiger und Staatsanwalt hingegen einer Meinung. Im November 2015 hatte der Täter einem Clubbesitzer eine Kopfnuss verpasst. Einfache Körperverletzung, so die Auffassung der beiden Juristen.

Vorwurf der räuberischen Erpressung

Größerer Diskussionsbedarf bestand im dritten und letzten Fall, der sich einen Monat später ereignete. Der Täter hatte einen Mann im Supermarkt mit dem Messer bedroht und dessen Einkaufswagen weggeschoben. Warenwert: 100 Euro. „Er wollte seinen Speiseplan erweitern“, betonte der Staatsanwalt und bezeichnete die Tat als räuberische Erpressung. Das sah der Verteidiger nicht so: „Mein Mandant wollte zeigen, wer die Oberhand hat und nicht stehlen.“ Schlussendlich forderte der Staatsanwalt eine Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Der Verteidiger sprach sich für zwei Jahre und sechs Monate aus.

Urteil: Drei Jahre und sechs Monate Jugendstrafe

Schließlich stand das Urteil fest: Der Richter ordnete drei Jahre und sechs Monate Jugendstrafe an sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Einen Tötungsvorsatz erkannte er zwar nicht, dafür schloss er sich in den beiden anderen Fällen dem Staatsanwalt an. „Das sind keine Kavaliersdelikte, Sie waren gewalttätig und wollten sich bereichern“, belehrte er den 19-Jährigen. Er habe in seinem Leben falsche Prioritäten gesetzt. „Wenn Sie eine Therapie beginnen, habe ich dennoch die Hoffnung, dass Sie es schaffen.“