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„Gewerbe und Naherholung verbinden“ Ratsfrau Annette Kolley (SPD) im dk-Sommerinterview

Von Marco Julius | 31.08.2015, 18:24 Uhr

Annette Kolley (SPD) ist Vorsitzende des Umweltausschusses und des Ortsrates Hasbergen. Im Interview spricht sie über die Zukunft Hasbergens, das ehemalige Pultern-Gelände und Facebook.

Frau Kolley, Sie haben gleich in zwei Ausschüssen den Hut auf, im Ortsrat Hasbergen und im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Gewässerschutz. Dabei haben Sie den Weg in die aktive Politik erst spät beschritten. Täuscht der Eindruck, dass Sie Spaß an Kommunalpolitik gefunden haben?

Annette Kolley: Mir machen die Aufgaben tatsächlich viel Spaß. Als Holger Ortel mich damals gefragt hat, ob ich mir nicht vorstellen könnte, die SPD im Ortsrat zu vertreten, musste ich nicht lange überlegen. Ich bin sozialdemokratisch geprägt und SPD-Wähler. Dem Ortsrat folgte der Stadtrat und dass ich dann den Vorsitz in Hasbergen und im Fachausschuss übernommen habe, hat sich so entwickelt.

Woher kommt Ihre sozialdemokratische Ader?

Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen. Das prägt natürlich (lacht).

Bleiben wir zunächst in Hasbergen. Zuletzt ist der Eindruck entstanden, durch das Dorf Hasbergen, das lange Zeit als Ort der heilen Welt galt, verlaufe ein Riss. Die Wohnbauentwicklung scheint Hasbergen zu entzweien.

Das wird dem Dorf nicht gerecht. Der ganze Ort ist sicher nicht zerstritten. Der Eindruck, der entstanden ist, ist deutlich schlechter als die Realität.

Dennoch bleibt doch die Frage, wie sich Hasbergen künftig entwickeln soll. In welche Richtung verändert sich Hasbergen? Welche Position vertreten Sie?

Das Thema Dorfentwicklung und Zukunft Hasbergens wird uns zukünftig im Ortsrat beschäftigen. Fragen wie zum Beispiel: Erhalt der dörflichen und landwirtschaftlichen Strukturen? Entwickelt sich Hasbergen zu einem reinen Wohngebiet? Hier möchte ich gerne die Bürger mit einbeziehen. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, den ländlichen Tourismus in Hasbergen zu stärken. Hasbergen als Ausflugsziel für die Naherholung ist schon jetzt beliebt, aber das Thema ist noch ausbaufähig.

Ausflugsziel und Naherholung sind auch die Stichworte, die fallen, wenn es im Umweltausschuss um das ehemalige Pultern-Gelände geht. Was könnten Sie sich dort vorstellen? Gewerbe oder doch Naherholung im Grünen?

Mein Wunsch wäre es, dort Gewerbe und Naherholung harmonisch zu verbinden. Direkt am See könnte es Naherholungsflächen geben, im hinteren Bereich Gewerbe. Vielleicht sogenanntes grünes Gewerbe, also Gewerbe mit umweltfreundlichen und energiesparenden Betriebsführungen. Eine landschaftsgerechte Einbindung des Baugebietes sowie der Gebäude wäre wünschenswert. Beides ließe sich so verbinden. Aber wie schon gesagt, das ist meine persönliche Wunschvorstellung.

Gewerbe, vor allem weil die Stadt auf Einnahmen angewiesen ist?

Das ist immer ein Argument. Einnahmen sind für eine Kommune natürlich wichtig. Im Umweltausschuss geht es in erster Linie um Umweltschutz/Umweltfragen. Die Aufgabe der kommunalen Ausschüsse besteht in der Vorbereitung von Beschlüssen des Hauptausschusses (Rat). Im Verwaltungsausschuss und Rat werden letztendlich die Entscheidungen getroffen.

Welchen Einfluss hat denn – abseits von Wahlen – der Bürger auf politische Entscheidungen, gerade wenn es um die Frage geht: Umweltschutz?

Ob im Bereich Umweltschutz oder andere Themen, Bürger können Einfluss nehmen, wie zum Beispiel durch Bürgerinitiativen. Das Beispiel Hasportsee zeigt doch sehr schön, wie Bürger erfolgreich Einfluss nehmen können in politischen Diskussionen.

Künftig soll in Delmenhorst ein Klimamanager installiert werden? Was versprechen Sie sich von dem Mann oder der Frau?

Die fachliche Beratung, die ein Klimamanager leisten kann, wäre wichtig. Das ist ohne Frage eine Entscheidung für die Zukunft.

Apropos Zukunft: Im kommenden Jahr stehen in Delmenhorst Kommunalwahlen an. Kann der Wähler sein Kreuz wieder bei Annette Kolley machen?

Ja, das ist mein Plan. Ein neues Ratsmitglied braucht immer eine gewisse Zeit, um sich in Themen und Abläufe einzufinden - das ist ein Lernprozess. Es wäre schade, jetzt, wo ich diese Erfahrungen gesammelt habe, direkt wieder aufzuhören. Ich kann sagen, dass mir Kommunalpolitik, je länger ich dabei bin, immer mehr Freude bereitet.

Dabei muss man als Kommunalpolitikerin nicht nur viel Zeit investieren, sondern bekommt auch Gegenwind. Etwa über soziale Netzwerke.

Als Verwaltungsangestellte bin ich es gewohnt zu organisieren. Das hilft mir dabei, alles unter einen Hut zu bekommen. Was den Gegenwind angeht: Der resultiert aus unterschiedlichen Sichtweisen und gehört dazu. In den sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook bin ich nicht vertreten, da ich die freie Zeit, die mir neben dem Beruf und dem politischen Engagement bleibt, für andere Aktivitäten nutze.