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Grabdenkmal in Delmenhorst Hawaiis Könige vertrauten Hinrich Hackfelds Rat

Von Dirk Hamm | 11.03.2017, 10:51 Uhr

Auf dem evangelischen Friedhof an der Wildeshauser Straße steht unter anderem die Kapelle von Architekt Fritz Höger bereits unter Denkmalschutz, weitere Bereiche könnten hinzukommen.

Denn derzeit wird geprüft, ob das historische Wegenetz im alten Ostteil der Bestattungsanlage besonders schutzwürdig ist. „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt Friedhofsverwalter Ralf Behrmann.

Eröffnet wurde der Friedhof im Jahr 1897. Damals stieg die Bevölkerungszahl in Delmenhorst im Zuge der Industrieansiedlungen sprunghaft an. Der Friedhof an der Bremer Straße war an seine Grenzen gestoßen.

1897 auf den neuen Friedhof umgebettet

Wer an den knorrigen, gestutzten Bäumen, die die Hauptachse des alten Wegenetzes säumen, vorbei spaziert, stößt in der Nähe der Höger-Kapelle auf ein eindrucksvolles Grabmal in Gestalt eines Neorenaissance-Portals mit einer weißen Marmorfigur, umgrenzt von einem verschnörkelten schmiedeeisernen Zaun. Es handelt sich um die letzte Ruhestätte von Konsul Hinrich Hackfeld, der im Jahr der Eröffnung des Friedhofs von der Bremer Straße hierher umgebettet wurde.

Sohn armer Heuerleute

Als Hinrich Hackfeld am 24. August 1816 in Almsloh als Sohn armer Heuerleute das Licht der Welt erblickte, ahnte niemand, dass ihn sein abenteuerlicher Lebensweg bis zur fernen Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean führen sollte. Für viele junge Männer, die in ärmlichen Verhältnissen aufwuchsen, bot die Seefahrt damals eine der wenigen Aufstiegsmöglichkeiten hierzulande. Mit 15 Jahren ließ sich Hackfeld in Amsterdam anheuern und fuhr zum ersten Mal zur See. Nach dem Besuch der Bremischen Navigationsschule an der Domsheide befuhr er als Steuermann, dann als Kapitän die Südsee und die ostasiatischen Gewässer.

1844 erstmals auf Hawaii

1844 kam er erstmals nach Hawaii. Bald erkannte er das Potenzial, das die Inselkette mit ihrer günstigen geografischen Lage für den Handel zwischen China und Amerika bot. In Honolulu gründete Hackfeld 1849 seine eigene Firma und legte so den Grundstein für ein Imperium.

Sein Kaufhaus entwickelte sich schnell zum größten auf Hawaii. Erfolg bescherte ihm zudem die Lieferung von Schiffsausrüstungen, die Versorgung der Zuckerrohrplantagen und der Walfangflotten sowie die Holzeinfuhr. Schließlich besaß er eine eigene Reederei und eine Walfangflotte.

Auch unnütze Waren verkauft

Zeitgenossen Hackfelds berichten, dass sein geschäftlicher Aufstieg ganz wesentlich auf seiner Fähigkeit beruhte, gleichermaßen das Vertrauen der Europäer und der Polynesier zu gewinnen. Die Könige des noch unabhängigen Hawaii, Kamehameha III., sein Nachfolger Kamehameha IV. und die alten Häuptlinge schätzten seinen Rat. „So war es möglich, den Polynesiern alles zu verkaufen, was diese brauchten und wohl auch einiges, was sie eigentlich nicht brauchten“, schrieb Hackfeld-Experte Tim Giesler.

1862 kehrte Hinrich Hackfeld in seine Heimat zurück. In Bremen führte er die dortige Zweigstelle seiner Firma. Am 22. Oktober 1887 starb er in der Hansestadt.