Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Graf Anton Günther von Oldenburg Mit seinem Tod begann die Dänenzeit in Delmenhorst

Von Dirk Hamm | 24.06.2017, 13:42 Uhr

Mit seinem Ableben begann die Dänenzeit in Delmenhorst und Oldenburg: Graf Anton Günther hinterließ bei seinem Tod 1667 keinen legitimen Erben.

Er war der vielleicht bekannteste Herrscher des Oldenburger Landes: Graf Anton Günther. Vor 350 Jahren, am 19. Juni 1667, starb der Landesherr nach einer ungewöhnlich langen Herrschaft, zumindest im Oldenburger Landesteil, von mehr als 60 Jahren. Auch in Delmenhorst hat er seine Spuren hinterlassen, diese Grafschaft regierte er ab 1647 zusammen mit der Grafschaft Oldenburg.

Mit 20 Jahren Regierungsgeschäfte übernommen

Zum Gedenken an den letzten einheimischen Herrscher, bevor die Dänenzeit in Delmenhorst und Oldenburg anbrach, ist kürzlich eine umfangreiche Veranstaltungsreihe gestartet. Anton Günther erblickte am 1. November 1583 als Sohn des Grafen Johann VII. von Oldenburg und der Gräfin Elisabeth von Schwarzburg das Licht der Welt. In Oldenburg wurde der Adelssprössling in der Stadtschule unterrichtet, später besuchte er die Ritterakademie des Landgrafen von Hessen.

Während er 1603 in Hamburg weilte, erreichte den 20-Jährigen die Nachricht, dass der Vater im Sterben lag. Jetzt fiel ihm die Verantwortung zu, die mit dem Grafentitel einherging. Bereits in seiner Jugend hatte er viele Reisen zu Fürstenhöfen in deutschen Landen und im Ausland unternommen, und auch nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte in Oldenburg erweiterte er seinen Horizont diesbezüglich und knüpfte wichtige außenpolitische Verbindungen.

Aus langjährigem Konflikt herausgehalten

Das sollte sich als äußerst klug erweisen, denn in die Regierungszeit des Grafen Anton Günther fällt der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), der weite Teile Deutschlands verwüstete. Dem Oldenburger Regenten gelang es in dieser schwierigen Zeit, durch geschicktes Lavieren sein Fürstentum aus dem Konflikt herauszuhalten. So blieb das Land von den den schweren Schäden verschont, die anderswo durch die Heerzüge angerichtet wurden.

Auf ganz friedlichem Wege konnte Graf Anton Günther sein Herrschaftsgebiet vergrößern. Im Jahr 1577 war die Grafschaft Delmenhorst mit der Herrschaft Varel von Oldenburg abgetrennt worden. Als sein Cousin, Graf Christian IX. von Delmenhorst, 1647 kinderlos starb, erbte Anton Günther das benachbarte Territorium. Nun vereinte der Graf die Besitztümer Oldenburg, Delmenhorst – samt der zugehörigen Herrschaft Varel – sowie Jever und Kniphausen, die ihm 1623 zugefallen waren, in einer Hand.

Dänische Nebenlinie kam zum Zug

Mit dem Namen Anton Günther ist unter anderem die Vollendung des Oldenburger Schlossbaues in den Jahren 1607 bis 1616 verbunden. Am liebsten hielt sich der Fürst aber im Jagdschloss Rastede auf, bis ins hohe Alter ging er der Jagd nach. Als ausgesprochener Pferdeliebhaber unterhielt der Graf einen Marstall mit mehr als 1500 Pferden. Bei wichtigen Anlässen ritt er stets sein Lieblingspferd, den Apfelschimmel „Kranich“.

Anton Günther hinterließ keinen legitimen Nachkommen. Zu seinem Erben in der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst bestimmte er den König von Dänemark aus einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg.