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Graf Gerds Stadtgetümmel steht an Delmenhorster Burginsel taucht ins Mittelalter ab

Von Kai Hasse | 06.07.2018, 21:04 Uhr

Das Stadtgetümmel um Graf Gerd steht bevor. Aussteller aus der ganzen Region stellen ihre Zelte auf, richten ihre Tische und Möbel. Ab Samstag, 7. Juli, erhoffen sie sich mindestens 15.000 Gäste auf der Burginsel in

Die Aussteller wuchten und hämmern auf der Burginsel. Hier entstehen Zelte, Feuerplätze, Schänken. Am Vorabend von Graf Gerds Stadtgetümmel in Delmenhorst gibt es zwar bei manchem noch unbekannten Zelttypen Rätselraten, wie er aufzubauen ist, aber letztlich wird er stehen. Es hat schon neun Mal geklappt. Jetzt steht das zehnte Stadtgetümmel an. Gaukler, Ritter, Burgfräulein und Bogenschützen der Einladung Graf Gerds zum Stadtgetümmel folgen.

Hoffen auf ein belebtes Fest

Kirschbier. Bei Detlef Fischer und seinen Mitstreitern der Delmenhorster Mittelalterfreunden ist Pause. Das Lager ist aufgebaut, der Pranger auch. Hier können sich ab Samstag, 7. Juli, die Gäste teeren und federn lassen – so gewünscht. Die Mittelalterfreunde hoffen wieder auf ein belebtes Fest rund um das Mittelalter. „Voll soll es werden“, sagt Fischer, der bereits schon in seine Rolle des Freiherrn von Schlutter geschlüpft ist, „wir wollen versuchen, die 15.000er-Marke zu knacken. Das ist der bisherige Rekord.“ Dabei freut man sich über immer wieder leichte Veränderungen bei den Schaustellern, die zum guten Teil aus Hobby-„Reenactorn“ bestehen, also Leuten, die das Mittelalter mit einem das Mittelalter rekonstruierenden Auftreten wiederbeleben. „Wir haben überregionalen Kontakt zueinander. Es sind auch Leute aus Rheinland-Pfalz dabei“, berichtet Fischer. Man sei als Besucher von Mittelalter-Veranstaltungen stets unterwegs. Und gelegentlich gefallen Fischer und seinen Mittelalterfreunden einzelne Stände so gut, dass sie Kontakt aufnehmen und so einen großen Pool von möglichen Mittelalter-Lagerleuten haben.

Schlussfolgern bei Darstellung der Unterschicht

Einige Stände weiter steht ein Katapult, das bei vergangenen Veranstaltungen schonmal Wasserbomben in die Menge geschossen hat, und einen Tisch weiter ordnen Annette und Hans-Hermann Krahe ihre Habe auf dem Tisch: Krüge, Flaschen, Schüssel, ein Langsax – also ein langes Haumesser des mittelalterlichen Nordeuropas. Hier wird über Authentizität gefachsimpelt: Vieles, was Ausstattung und Lebensweise der Oberschicht im Mittelalter angeht, sei bewiesen und nachprüfbar. Was die Unterschicht angeht, gelte das nicht, sagt Annette Krahe, die im „normalen Leben“ Altenpflegerin ist. Und sie und ihr Mann (sonst im BMW-Kundenservice) wollen die Unterschicht darstellen. „Man muss sehen, wo die Menschen gelebt haben – und was sie vor Ort an Dingen hatten: Flachs, Leder, Wolle. Und wir schauen, was man damit machen konnte und schlussfolgern, wie sie gelebt haben könnten.“ Wie sie das Mittelalter darstellen, sei somit vielleicht nicht komplett authentisch – aber eben so authentisch wie es denn gehe, angesichts der dünnen Beweislage aus der Förschung. Dabei gibt es dann auch kleine Neckereien mit ihren Nachbarn vom nächsten Zelt, Gaby Lübben und Christian Kaufmann-Lübben. Die lassen es mit der Realität etwas schleifen – und machen eher etwas Fantasy als „Drachenwächter“, deren Geschichte sich um der großen Mythenwesen rankt. „Für uns ist das hier Urlaub, und Entspannung unter Menschen, die für uns Gemeinschaft und Familie sind“, sagt Gaby Lübben. Besucher können schnitzen, lernen etwas über Schwert- oder Runenkunde.

Mehr als 50 Händler und Handwerker

Das Stadtgetümmel findet am Samstag von 11 bis 23 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr statt. Mehr als 50 Händler und Handwerker bieten ihre Waren feil. Dazu gehören Zinngießerei, ein Schmied, die Holzschnitzerei und erstmals auch die Kunst des Töpferns und des Pfeifenschnitzens. Zudem gibt es Vorführungen in der „Salzerey“ oder bei der „Seifensiederin“. Natürlich gibt es viel zu Essen und zu Trinken im mittelalterlichen Flair. Greifvögel der Falknerei werden über der Burginsel fliegen, und man kann den Menschen im Heerlager beim Lagerleben oder Kämpfen zusehen. Die Gruppen „Rabengesang“, „Vielgestalt“ und „Hyttis“ werden unterwegs sein und die Besucher mit mittelalterlichen Klängen in eine andere Zeit mitnehmen. Die Gaukler „Tamino“ und „Tumalon“ treiben Schabernack. Erstmalig gibt es in diesem Jahr auch Stelzenläufer. Am Samstagabend gibt es gegen 22.30 Uhr eine Feuershow von „Chapeau Claque Rouge“, und zuvor einen Fackelumzug. Zu den Kinderaktionen gehört Spaß beim „Frettchenzirkus“ und beim „Mäuseroulette“. Beim Kinderritterturnier oder Bogenschießen auf der Burginsel können die Nachwuchsritter und Burgfräulein ihr Geschick unter Beweis stellen.

Erwachsene zahlen 5 Euro pro Tag und 8 Euro für das ganze Wochenende. Kinder unter Schwertmaß haben kostenfreien Einlass.