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Grafenzeit in Delmenhorst Löwenkampf-Mythos in Nacht-und-Nebel-Aktion verloren

Von Jasmin Johannsen | 14.02.2019, 18:59 Uhr

Welche Musik ertönte im Delmenhorster Schloss? Und wie sah die Kunst aus, mit der sich die Gräfinnen und Grafen auf der Burginsel umgaben? Einen Einblick in die musische Welt des städtischen Adels gab es am Mittwoch, 13. Februar, in der Stadtkirche.

Rund um die Kunst auf dem Schloss Delmenhorst ging es bei einer musikalisch-szenischen Geschichtsdarstellung in der Stadtkirche Delmenhorst. Rund 60 Zuschauer erlebten den vorerst letzten Teil der Vorträge zum Gedenken an Anton II – mit interessanten Einblicken in die höfische Kunst. Die dritte und vorerst letzte Veranstaltung der Reihe „Der gräfliche Hof in Delmenhorst“ stand unter dem Titel „6 Stück gemahlte von der Oldenbg. Histori“. Einen besonderen Schwerpunkt legten die Initiatoren des Heimatvereins dieses Mal auf sechs Gemälde, die einst die Festräume des Delmenhorster Schlosses schmückten.

Ehre mit dem Kampf gegen einen Löwen bewahrt

Hatten die ersten beiden Veranstaltungen im Januar die Bildung, Erziehung, Verwaltung und Wirtschaft am Hofe zum Thema, so drehte sich am Mittwoch alles um die Kultur zur gräflichen Zeit. „Christian IX. von Oldenburg und Delmenhorst gab die Gemälde, die die Sage um den Löwenkampf seines Vorfahren Graf Friedrich abbilden, 1639 bei dem Maler Wilhelm de Saint-Simon in Auftrag“, berichtete Herta Hoffmann, Historikerin und stellvertretende Vorsitzende des städtischen Heimatvereins. Der rühmliche Mythos besagt, dass Friedrich durch eine List einen Löwen im Kampf besiegen und so die Ehre seines Vaters Huno vor Kaiser Heinrich IV. verteidigen konnte. Da der regierende Graf Christian 1647 im Alter von 34 Jahren allerdings kinderlos in Delmenhorst verstarb, sind die Gemälde zu seiner Schwester Aemilie Juliane ins thüringische Rudolstadt verbracht worden, wo sie auch heute noch im Schloss Heidecksburg zu sehen sind.

Das Treiben nach dem Ableben des letzten Grafen stellten Barbara Stolberg und Johannes Mitternacht nach, die die Hofmeisterin und den Hofmeister des Schlosses mimten. Musikalisch untermalt wurde die „Inventur“ von Kathrin Menkens, Ralf Mühlbrandt und Sabine Wottke-Pries (Gesang) sowie Kantor Jörg Jacobi (Orgel), die Stücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert spielten.

Bilder nach einem „Ausmisten“ verschollen

Der Bestandsaufnahme und dem anschließenden „Ausmisten“ fielen in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ neben anderen Kunstschätzen auch die Gemälde zum Opfer. „Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galten die Bilder deswegen als verschollen“, erklärte Hoffmann. Auch nach der Wiederentdeckung habe man den Gemälden keinen großen Wert zugemessen. Erst in jüngerer Zeit seien sie als Teil der Stadtgeschichte wieder mehr in den Fokus gerückt.

Obwohl der „kulturelle Aspekt“ im Vordergrund stand, erinnerte Mitternacht noch einmal an den Zweck der Vortragsreihe: Die Spenden der Besucherinnen und Besucher werden für die Neugestaltung und Erweiterung der Delmenhorster Grafengruft verwendet. „Dank der positiven Resonanz an den ersten beiden Abenden konnten wir schon rund 750 Euro einnehmen“, freute sich Mitternacht. Bei der hohen Summe von 300.000 Euro, die für die Renovierung der Gruft veranschlagt wurden, allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis zum großen Jubiläum im Oktober, wenn der 400. Todestag von Graf Anton II. begangen wird, planen die Beteiligten deshalb noch einige kulturelle Veranstaltungen, die auch zum Spenden animieren sollen.