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Grausige Details am zweiten Prozesstag Bluttat in Delmenhorst: Kinder bekamen alles mit

Von Alexander Schnackenburg | 08.09.2016, 18:28 Uhr

Am zweiten Prozesstag um die Bluttat am 7. März an der Cramerstraße in Delmenhorst kamen grausige Details ans Tageslicht. Offenbar stach der Vater vor den Augen seiner Kinder auf die Mutter ein.

Die 14- und elfjährigen Kinder, welche heute getrennt bei den Schwestern ihrer Mutter leben, haben offenbar fast alles mitbekommen: davon, wie ihr Vater die Mutter am Abend des siebten März in der gemeinsamen Wohnung in der Cramerstraße erstochen hat . Auch ein Austauschschüler aus Frankreich ist dabei gewesen, wurde womöglich unmittelbarer Augenzeuge der Bluttat. Das ergibt sich aus den Darstellungen jener Zeugen, die am Donnerstag, am zweiten Verhandlungstag, vor dem Schwurgericht in dem Prozess gegen den 48-jährigen Angeklagten aus Delmenhorst aussagten. Der einstige Unternehmer, der heute von einer Erwerbsunfähigkeitsrente lebt, muss sich vor dem Landgericht Oldenburg wegen Totschlags verantworten. Er hat die Tat bereits gestanden .

Mitschnitt gezeigt: Opfer wählte noch den Notruf

Für Entsetzen unter den Prozessbeobachtern sorgte am Donnerstag der polizeiliche Mitschnitt eines „Telefonats“: Offenbar hatte die Geschädigte, ehe sie ihr Lebensgefährte in der Küche erstach, noch den Notruf gewählt. Die daraus resultierende Aufnahme dokumentiert in grausiger Weise das Ende der Frau.

Noch bevor das Gericht das Telefonat abspielte, hatte die Mutter der Toten kein gutes Haar an dem Angeklagten gelassen. Er sei immer aggressiv gewesen und habe ihre Tochter ständig bedroht, teilte sie dem Gericht mithilfe eines Dolmetschers mit. Auch habe er ihr gegenüber die Tat angekündigt.

Video: Prozessbeginn nach Bluttat in Delmenhorst

Allerdings widerspricht die Aussage der Mutter jenen anderer Zeugen, wie einer Nachbarin, einer Justizsozialarbeiterin – und auch der des Angeklagten. Denn diesen Aussagen zufolge ist Letztgenannter bis zu jenem verhängnisvollen Abend des 7. März ein durchaus fürsorglicher Vater gewesen, der die Kinder nahezu allein versorgt und erzogen hat, während sich die Mutter, zumindest in den letzten zwei Jahren, kaum daheim blicken ließ. Aus der Aussage der Justizsozialarbeiterin, welche nur wenige Tage vor der Tat mit dem Opfer gesprochen hatte, erschließt sich zudem, dass sich die nunmehr tote Frau keinesfalls im Vorfeld durch den Angeklagten bedroht gefühlt hatte.

Neuer Partner kommt trotz Ladung nicht

Offenbar pflegte das Opfer bereits seit Langem eine Beziehung zu einem anderen Mann – der am zweiten Verhandlungstag aber trotz Ladung nicht vor Gericht erschienen ist. Das Landgericht Oldenburg setzt die Verhandlung an diesem Freitag fort. Mit einem Urteil in dem Verfahren ist frühestens am Donnerstag, 15. September zu rechnen.