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Gregor Meyle im Interview Gregor Meyle: „Das FestiDel wird ein Riesending!“

Von Eyke Swarovsky | 04.07.2017, 10:19 Uhr

Gregor Meyle wird zusammen mit seiner Band am 4. August auf der Bühne beim 1. „FestiDel“ stehen. Im Interview verrät er, warum er besonders gerne Open-Air auftritt und warum er Delmenhorst mit Spaghetti-Eis verbindet.

Du kommst am 4. August zum FestiDel nach Delmenhorst. Das ist für uns hier vor Ort ein riesen Event. Wie kam es dazu, dass du auf der Bühne stehen wirst?

Gregor Meyle: Die Jungs von der Divarena, mit denen ich jetzt seit fünf Jahren zusammenarbeite, haben sich ein Herz genommen und bei mir angefragt. Ich bin da stolz drauf und wenn ich jetzt höre, dass es aufgrund der Nachfrage sogar verlegt werden muss vom Marktplatz auf die Graftwiesen – besser geht’s doch gar nicht. Das wird ein riesen Ding, und es ist toll, das zusammen mit Mark Forster machen zu können. Ich freue mich immer, wenn wir neue Städte bespielen können. Ist doch super, wenn sich Leute ein Herz fassen und ein Risiko eingehen, damit Kultur stattfinden kann.

Am zweiten Tag wird Mark Forster auf der Bühne stehen. Wie stehst du zu Deutschlands aktuell größtem Shootingstar?

Das ist ein geiler Typ. Der Mark ist unfassbar nett und wahnsinnig fleißig. Der schreibt seine Songs alle selbst und ist permanent am Basteln. Ich würde sagen, wir sind Freunde, obwohl wir noch gar nicht viel Zeit miteinander verbracht haben. Mark ist ein toller Kollege, dem man seinen Erfolg voll gönnt. Vor ein paar Jahren hat er mal bei uns als Support gespielt, und es ist geil, dass es mittlerweile so bei ihm abgeht.

Was verbindest du mit Delmenhorst? Schließlich stehst du hier nicht zum ersten Mal auf der Bühne.

Spaghetti-Eis! (lacht) Wir haben vor ein paar Jahren ja schon einmal in der Divarena gespielt und sind in der City freigelassen worden. Da haben wir in einem Eiscafé Spaghetti-Eis gegessen und uns ein bisschen durch die Fußgängerzone gemogelt, aber sonst haben wir leider nicht viel vom Städtchen gesehen. Vielleicht sehen wir dieses Mal etwas mehr.

Vor einem Jahr hast du erzählt, dass Gregor Meyle inzwischen ein kleines Unternehmen geworden ist. Ist es mittlerweile noch weiter gewachsen?

Es gibt eine feste Band, in der es ab und zu Auswechselspieler gibt. Das kann man sich vorstellen, wie bei der Nationalmannschaft. Aber meine Schweinsteigers und Müllers sind alle noch fleißig dabei. Das ist für mich ein Traum, dass sich diese Champions-League-Musiker dafür Zeit nehmen. Das ist nicht einfach nur eine Background-Band, es macht einen Heidenspaß. Die Größe ist seit einem Jahr etwa gleich und wenn ich ehrlich bin, muss es auch nicht größer werden. So ist es für alle cool und angenehm. Wir sind eine große Familie.

Wie trittst du lieber auf, Open-Air vor einer großen Menschenmenge oder in kleinen Clubs mit Wohnzimmeratmosphäre?

Beides. Wenn bei einem Open-Air das Wetter passt, ist das ein Knaller. Dann kann ich die Leute sehen. Wir werden vom Publikum angeschaut, aber ich fühle mich unbeobachtet, wenn ich die Gäste auch sehen kann. Wenn sich da ein Pärchen knutschend in den Armen liegt, ist es schön, den Kontakt zu den beiden aufbauen zu können. Aber die kleinen Indoor-Konzerte haben auch etwas für sich. Man muss da einfach den Maßstab anlegen, was man selbst bei einem Konzert tollfinden würde. Es ist auf jeden Fall nicht unsere Ambition mit großen Leinwänden links und rechts von der Bühne in großen Stadien zu spielen. Da wo wir jetzt sind, ist es perfekt. Wenn das so weitergeht, wäre das schön.

Hättest du vor fünf Jahren geglaubt, dass du heute Open-Airs mit tausenden Menschen vor der Bühne spielst?

Das ist unfassbar. Da nehmen Leute Geld in die Hand, um mich und die Band zu sehen. Die haben teils schon seit Monaten die Tickets am Kühlschrank hängen, kümmern sich um Babysitter und alles, um mit uns einen schönen Abend zu haben. Wenn mir das vor „Sing meinen Song“ jemand gesagt hätte, hätte ich gesagt, dass das bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist. Ich musste mich zum Glück nie einem Format anpassen. Das tun zu können, was man will und damit Erfolg zu haben, ist ein ganz großer Luxus.

Was können die Besucher beim FestiDel am 4. August von dir und deiner Band erwarten?

Erst mal müssen alle die Daumen drücken, dass das Wetter mitmacht. Wenn es trocken bleibt, vielleicht die Sonne rauskommt und in der Band alle gesund bleiben, wird das ein unvergesslicher Abend. Ich bin ja bekannt als der Balladen-Fuzzi und das ist auch mein Steckenpferd. Aber bei so einem Open-Air lassen wir es richtig krachen. Delmenhorst kann sich auf eine wahnsinnig gute Band freuen, die mit viel Herzblut spielt. Wenn diese Voraussetzungen passen, wird das ein toller Konzertabend.

Dein aktuelles Album heißt „Die Leichtigkeit des Seins“. Bezeichnet das deine Einstellung zum Leben? Wie kann man deiner Meinung nach leicht leben?

Wenn du einen deutschen Pass hast und gesund bist, dann gehörst du zu knapp 1,5 Prozent der Weltbevölkerung. Dann ist man an sich schon mal ein sehr reicher Mensch. Wir leben in einem unfassbaren Land. Von hier aus hast du alle Möglichkeiten. Das ist die beste Ausgangsposition, die du haben kannst. Das wird einem erst bewusst, wenn man sich international mal umschaut. Unsere Probleme hier sind manchmal schon echte Luxusprobleme. Wir werden panisch, wenn der Akku bei unserem Handy alle ist, und woanders sitzen Leute in einem Schlauchboot und beten, dass sie bald wieder an Land kommen. Uns geht es hier richtig gut, und wenn man sich dessen bewusst ist, macht einen das glücklich. Ein bisschen mehr Liebe in der Welt würde aber allen gut tun.

Deine Songs haben immer den Anstrich „Alles wird gut“ und niemals „Alles ist schlecht“. Gibt es bei dir nie Situationen, in denen du denkst „Ich schaffe das nicht, das wächst mir über den Kopf“?

Wir haben in den letzten drei Jahren 140 Songs produziert. Ich musste einfach abliefern. Das war schon auch mal anstrengend. Wichtig ist, dass man die Balance hält zwischen Beruf und Privatleben. Man muss sich Pausen schaffen, kleine Oasen. Und da kommt dann auch nichts zwischen. Früher habe ich am Lagerfeuer Gitarre geklampft und heute können 30 Leute von dieser Musik leben. Das ist eine tolle Errungenschaft, auf die ich stolz bin. Mir geht es wahnsinnig gut, ich habe alles, was ich brauche, meiner Familie geht es gut. Ich bin ein Optimist, und ich glaube, dass man viele Probleme gelöst bekommt, wenn man darüber redet oder sich auch mal aus dem Weg geht. Ich bin halt ein Mensch, der daran glaubt, dass alles entspannt wird.

Du bist gerade mit der zweiten Staffel „Meylensteine“ auch wieder im Fernsehen bei VOX zu sehen. Was macht dir mehr Spaß, ausgefeilte TV-Produktion oder rohes Live-Bühnenerlebnis?

Die Mischung macht’s. Das ist zwar eine langweilige Antwort, aber so ist es. Mein Leben als Künstler ist extrem abwechslungsreich. Ich hätte nie gedacht, mal als Moderator ein Fernsehformat zu machen. Da kam plötzlich der Chef von VOX und hat mich gefragt, und an der Currywurstbude entstand das Konzept. Ich bin eine Art Produzent der Sendung und arbeite etwas mehr als zwei Wochen an einer Folge. Das ist sehr aufwendig. Ich liebe es aber auch, Songs zu schreiben. Es gibt sonst wenige Momente, in denen ich komplett mit mir alleine bin. Diese Zeit nehme ich mir ganz bewusst. Wenn alles in der Balance ist, dann ist das schon ganz gut.

Gib uns doch mal einen Ausblick in die Zukunft. Was steht als nächstes an bei dir?

Erst mal freue ich mich, wieder auf Tour zu gehen. Dann habe ich noch ein paar Eisen im Feuer, über die ich noch nicht sprechen kann. Wir überlegen gerade, ob wir eine dritte Staffel „Meylensteine“ produzieren, und dann wird es 2018 auch wieder ein neues Album geben. Das ist so mein Turnus. Erst spielen wir jetzt eine Runde und dann gucken wir, was mir noch so einfällt. Ich habe noch so einige Ideen.