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Große Höhe in Delmenhorst Verantwortungslose Hundehalter bringen Jäger zur Verzweiflung

Von Frederik Grabbe | 12.05.2017, 10:46 Uhr

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg/ Harpstedt. Weil Gassigeher ihre Hunde oftmals auf der Großen Höhe von der Leine lassen, ist die Jägerschaft derzeit alarmiert. Hunde hetzen immer wieder Waldtiere zu Tode und gefährden sogar den Betrieb auf dem Segelflugplatz. Abhilfe könnte die Stadt Delmenhorst schaffen.

Die Delmenhorster Jägerschaft schlägt für den Bereich Große Höhe Alarm. Der Grund: Immer wieder lassen in dem Waldstück Hundehalter ihre Tiere von der Leine – und das, obwohl sie dies während der Brut- und Setzzeit gar nicht dürfen. Dies kann gefährliche Folgen haben: Die Jägerschaft beklagt, dass Hunde oftmals Waldtiere anfallen und diese in der Folge verenden. Und laut Luftsportverein Delmenhorst rennen frei laufende Hunde öfters über den Segelflugplatz und gefährden so Landungen der Hobbyflieger.

Jagdpächterin verzweifelt

„Ich bin verzweifelt. Ich komme einfach nicht mehr weiter“, sagt die Jagdpächterin des Hegerings Delmenhorst auf der Großen Höhe, Heike Kroll. Oftmals sieht sie Hunde in dem Waldstück mit Haltern, die sie frei laufen lassen. „Ich weise sie dann zum Beispiel mit Flyern darauf hin, dass die Hundebesitzer ihre Tiere wegen der Brut- und Setzzeit anleinen müssen“, sagt Kroll. Doch die Flyer finde sie oft weggeworfen in der Natur wieder. „Das Verhalten einiger Halter ist unverschämt. Sie leinen die Hunde später wieder an, wenn ich sie angesprochen habe, reagieren teilweise aggressiv, lassen sich nichts sagen und sehen nur sich und ihren Hund“, sagt Kroll. Oft höre sie den Spruch: „Der tut ja nichts.“ Doch drei Mal schon hat Kroll in diesem Jahr verendete Rehe mit Bisswunden von Hunden im Wald aufgefunden. „Trächtige Ricken laufen langsamer und sind von Hunden leicht einzuholen. Bodenbrütende Vögel oder junge Hasen sind ebenfalls in der Brut- und Setzzeit gefährdet.“ Wird ein Tier zu Tode gehetzt, erfülle dies einen Straftatbestand, sagt Kreisjägermeister Helmut Blauth.

Nur geringer Spielraum für Jägerin

Der Spielraum von Jagdpächtern, verantwortungslose Hundehalter zur Verantwortung zu ziehen, ist allerdings beschränkt. Laut Blauth dürfen sie ermahnen und mit einer Anzeige drohen – ohne Personendaten bringe dies aber wenig. Vier Anzeigen habe Kroll in drei Jahren erstattet. „Im Notfall, etwa wenn man bedroht wird, kann man die Polizei rufen.“ Mehr gehe aber nicht.

 (Weiterlesen: Freilaufflächen in Delmenhorst – Hier können Hunde ohne Leine laufen) 

Segelflieger beklagen sich

Ähnliche Sorgen über achtlose Gassigeher hat auch der Luftsportverein Delmenhorst. „Es kam wiederholt vor, dass frei laufende Hunde über den Flugplatz gelaufen sind, obwohl Segelflieger in der Luft waren“, sagt der zweite Vorsitzende Gunthard Münch auf Anfrage. „ In solchen erstatten wir sofort Anzeige. Teilweise laufen Hunde gar in die Schleppstrecken für Segelflieger.“ Generell dürfe der Flugplatz gar nicht erst betreten werden, so Münch. „Doch bei der Zahl der Gassigeher können wir den Platz gar nicht ständig kontrollieren.“ Vom Verein aufgestellte Schilder würden oft ignoriert. Das Gelände einzuzäunen sei ebenfalls ausgeschlossen, weil es Teil des Übungsgeländes der Bundeswehr sei.

Stadt könnte Jagdpächterin mehr Rechte verleihen

Abhilfe könnte die Stadt Delmenhorst schaffen, sagt Helmut Blauth. „Die Stadt könnte Frau Kroll die Befugnis zur Feld- und Forsthüterin verleihen. Dann dürfte sie Personen festhalten, auf die Herausgabe der Personalien drängen – und sie nötigenfalls auch verhaften, denn eine Verweigerung wäre eine Straftat.“ Die Verleihung dieser Befugnis ist laut Kroll aber noch nicht weiter konkretisiert worden.

Vereinzelte Verstöße im Stadtgebiet

Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass sie für die Große Höhe nicht zuständig sei. Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Anleinpflicht notiere sie vereinzelt auf Flächen wie in der Graft, um den Hasportsee, die Wiekhorner Heuwiesen oder den Tiergarten. Das wundert Blauth: „Ein Teil der Großen Höhe ist eine Liegenschaft der Stadt im Bereich des Landkreises Oldenburg. Und der Eigentümer muss eigentlich für Ordnung sorgen.“

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Hunden und Hundehaltern in der Brut- und Setzzeit? Schreiben Sie uns an redaktion@dk-online.de.