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Große Raumnot und mehr Kunden Delmenhorster Tafel-Team gerät selber in Not

Von Heike Bentrup | 18.08.2015, 17:33 Uhr

Allein am Montag hat das Tafel-Team 15 neue Flüchtlingsfamilien unter den Kunden registriert. Raumnot und Arbeitsbelastung machen den ehrenamtlichen Mitarbeitern zu schaffen.

Der Delmenhorster Tafel droht der Kollaps. Mehr als 2500 Kunden, darunter zahlreiche Kinder, zählt das Team mittlerweile in Delmenhorst. Und es werden mit jedem Öffnungstag mehr. „Allein am Montag haben wir unter den Gästen auch 15 neue Flüchtlingsfamilien registriert“, berichtet Evelyn Zillmer, die sich ehrenamtlich in dem Verein engagiert. Hinzu kämen die Menschen, die in Hude und Ganderkesee regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt werden.

Älteste ehrenamtliche Mitarbeiterin ist 83 Jahre

„Uns fehlen Räume und Mitarbeiter“, beschreibt die Vorsitzende Walburga Bähre die Situation des Tafel-Teams. Von den ehemals zahlreichen Ehrenamtlichen sei nur noch ein kleiner Kreis von rund 25 Mitarbeitern übrig geblieben. „Viele haben aufgrund der großen Arbeitsbelastung aufgegeben“, erläutert Bähre. Die Ehrenamtlichen seien größtenteils im Rentenalter, die älteste Mitarbeiterin, die sich in der Lebensmittelausgabe engagiere, sei bereits 83 Jahre.

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Dichtes Gedränge auf 120 Quadratmetern

Was dem Tafel-Team neben dem enormen zeitlichen Aufwand und den körperlichen Belastungen besonders zu schaffen mache, sei die Raumnot. Auf rund 120 Quadratmetern müssen die gespendeten Lebensmittel umgepackt, sortiert und ausgegeben werden. „Wir sind der GSG dankbar, dass sie uns die Räume zur Verfügung stellt, aber mittlerweile platzen wir aus allen Nähten“, sagt Bähre. Es gebe keine Abstellflächen und an den Ausgabetagen stünden die Kunden dicht gedrängt in der Schlange. „Innerhalb von zwei Monaten mussten wir allein 15 Mal den Rettungswagen rufen, weil Leute einfach umgefallen sind“, ergänzt Zillmer.

Pläne wieder zerschlagen

Zwar habe es zwischenzeitlich zum Teil aussichtsreiche Gespräche mit Vermietern größerer Gewerbeimmobilien in Delmenhorst gegeben, doch hätten sich die Pläne wieder zerschlagen. Die Tafelchefin und ihr Team hoffen nun auf Unterstützung durch die Politik. „Gäbe es die Tafel nicht, so müsste die Stadt die Aufgabe übernehmen“, führt Klaus Ort an.

Verein unterhält zwei Außenlager

Ort gehört ebenfalls zum Team der Ehrenamtlichen, die mitunter morgens um 5 Uhr ihren Dienst starten, um die Ware aus den Geschäften oder aus einem der beiden Außenlager in Adelheide und auf der Großen Höhe zu holen. „Hätten wir alles unter einem Dach, so müssten wir zwar Miete zahlen, könnten an anderer Stelle aber Zeit und Kosten sparen, schon allein dadurch, dass die Fahrten in die Außenlager entfallen würden“, sagt die Tafelvorsitzende. Das würde auch die Mitarbeiter entlasten. So wie sich die Situation zugespitzt habe, gehe es jedenfalls nicht weiter. „Die Uhr tickt“, kündigt Klaus Ort an.

Gemeinsam mit ihrem Team hofft Walburga Bähre daher auf Hilfe durch Politik und Verwaltung und verweist auf den Nachbarn Ganderkesee: „Die Gemeinde arbeitet vorbildlich und beispielhaft mit der Tafel und den Ehrenamtlichen zusammen.“