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Großer Andrang bei TV-Casting Kleine Rollen bei Filmdreh in Delmenhorst heiß begehrt

Von Dirk Hamm | 31.07.2016, 18:37 Uhr

Dicht gedrängt stehen Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche im Eingangsbereich des DRK-Gebäudes an der Schulstraße. Der Grund für den Andrang ist nicht etwa ein besonders verlockendes Menü des dortigen Mittagstisches: Am Samstagnachmittag hat die Casting-Agentur „les Acteurs“ aus Bremen Komparsen für mehrere Fernsehproduktionen gesucht.

In Scharen waren hoffnungsfrohe Kandidaten zu dem Castingtermin in der ersten Etage des Rot-Kreuz-Hauses erschienen. Den ganzen Nachmittag über erhielten die Bewerber in kleinen Gruppen die Gelegenheit, sich vor der Kamera kurz vorzustellen und zu erklären, warum sie sich für eine Mini-Rolle in einem ARD-„Tatort“ oder in dem geplanten ZDF-Zweiteiler über das Gladbeck-Geiseldrama von 1988 interessieren.

Drehbeginn am 25. August

„Schauen Sie nie nach oben. Gucken Sie einfach auf meine Schulter“, diesen Ratschlag hatte der Agenturmitarbeiter parat, der die Kamera auf die Probanden richtete. Anschließend wurden von jedem Komparsen in spe ein Ganzkörper- und ein Profilfoto für die Setcard angefertigt. Ob es mit einer Rolle geklappt hat, erfahren die Bewerber ab dem 8. August. Schon am 25. August soll mit den Drehs in Delmenhorst und Bremen begonnen werden.

Mutter und Tochter gemeinsam zum Casting

Das Mutter-Tochter-Duo Gabriele und Josephine Cammann erschien gemeinsam zum Casting. „Ich wäre schon glücklich, eine Leiche spielen zu dürfen“, sagte Tochter Josephine. Dabei ist die Mutter der große „Tatort“-Fan: „Ich schaue mit meinem Mann jeden ‚Tatort‘ und verzeihe auch mal einen Handlungsfehler.“ Dass es gar nicht so einfach ist, eine Leiche zu spielen, betont Agenturinhaberin Simone BenCherif-Richter: „Das ist anstrengend. Denn kein Muskel darf sich bewegen, und die Luft muss angehalten werden.“

Bis zu zwölf Stunden am Filmset

BenCherif-Richter, die sich 2008 mit „les Acteurs“ selbstständig gemacht hat, arbeitet gerne mit Komparsen und Kleindarstellern zusammen: „Auch wenn sie nur eine kleine Szene haben, in der sie durchs Bild laufen, sind sie immer sehr freundlich und geduldig.“ Bis zu zwölf Stunden könne ein Drehtag dauern.

Als Gabriele Cammann nur wenige Tage vor dem Casting-Termin darüber in der Zeitung gelesen hat, wusste sie sofort, dass dies genau die richtige Gelegenheit für ihre Tochter ist. Denn die 18-jährige Schülerin engagiert sich mit Begeisterung in den Theater-, Tanz- und Chor-AGs des Willms-Gymnasiums.

Making-of auf DVDs hat Wunsch geweckt

Liebend gerne würde sie einmal das ganze Drum und Dran eines Filmsets kennenlernen: „Bei Filmen auf DVD habe ich mir immer das Making-of angeschaut. Dabei ist immer mehr der Reiz entstanden, das selber auch einmal zu erleben.“ Festgelegt habe sie sich noch nicht für die Zeit nach der Schule, doch über Schauspielschulen habe sie sich schon informiert.

Unverhofft zum Casting eingeladen

Dass die Chance, für eine kleine Rolle in einer Fernsehfilmproduktion vorzusprechen, manchmal ganz unverhofft kommen kann, hat eine ältere Dame am Samstagnachmittag erlebt. Sie wollte nach eigener Aussage nur mal vorbeischauen, um sich Infomaterial über einen Computerkurs zu besorgen, als sie von Mitarbeitern der Schauspiel-Agentur angesprochen wurde. „Ich bin total nervös“, bekannte die Dame vor der Vorstellung vor der Kamera. Sie habe das Gladbeck-Drama vor dem Fernseher verfolgt. „Ich fand es schrecklich damals. Ich weiß gar nicht, ob ich in einem Film darüber mitspielen möchte.“