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Grünen-Ratsherr Sinan Shikho Verwurzelt in der neuen Heimat Delmenhorst

Von Heike Bentrup | 09.10.2015, 09:03 Uhr

Mit Besorgnis verfolgt der Delmenhorster Sinan Shikho die Entwicklung in seiner syrischen Heimat. Er plädiert für eine aktive Flüchtlingshilfe in den betroffenen Gebieten direkt vor Ort.

Nein, nach Syrien zurückkehren würde er nicht. Zu fest ist Sinan Shikho mittlerweile in Deutschland und – aufgrund familiärer Bindungen – insbesondere auch in Delmenhorst verwurzelt. Hier lebt er mit seiner Lebenspartnerin und den fünf Kindern.

Doch der 46-Jährige ist sich sicher, dass viele Jesiden aus den Regionen Sinjar und Sere Kanye ihre Heimat nicht verlassen oder nach der Flucht dorthin zurückkehren würden, wenn sie die Sicherheit der Unabhängigkeit und der Anerkennung durch die EU sowie die Großmächte USA und Russland hätten.

Rede vor der EU in Brüssel

„Der IS und die Terrororganisationen haben die Städte in den betroffenen Gebieten verlassen. Der Wiederaufbau hat begonnen, aber sicher ist es dort dennoch nicht“, berichtet Shikho. Eine Anerkennung der Unabhängigkeit durch die EU wäre daher ein erster Schritt, um die Menschen vor Ort zu bestärken und ihnen Mut zu machen.

Aus diesem Grunde will Sinan Shikho als Vertreter des Kurdistan National Congress und des Zusammenschlusses der syrischen Jesiden am 15. Oktober vor der EU in Brüssel für Unterstützung werben. „Wenn die Sicherheit in den Krisengebieten gewährleistet ist, ist auch eine Rückkehr vieler jesidischer Flüchtlinge wahrscheinlich“, ist sich der Wahl-Delmenhorster sicher.

Pulsierendes Leben statt Zerstörung

Schon in wenigen Jahren könnte dann dort, wo heute vom IS zerbombte Städte das Bild bestimmen, wieder pulsierendes Leben herrschen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Jesiden langfristig die Selbstverwaltung durchsetzen“, meint Shikho. Voraussetzung hierfür sei aber die direkte Hilfe vor Ort.

„In den Städten, aus denen der IS und die Terrororganisationen abgezogen sind, könnten Zelte für die Flüchtlinge errichtet und mithilfe von Spenden Wiederaufbauprogramme gestartet werden“, sagt Shikho. Er bedauert daher auch, dass die hiesige Politik seinem Vorschlag zum Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen den Städten Delmenhorst und Kobane nicht gefolgt sei. „Das wäre für die Menschen in den betroffenen Regionen ein wichtiges Symbol“, so der 46-Jährige.

Unbürokratische Hilfe für Flüchtlinge

Und so will Sinan Shikho eigenen Angaben zufolge weiter für Unterstützung vor Ort und die Anerkennung eines selbstverwalteten Sinjar werben, das den Christen in Kurdistan und Sere Kanye eine sichere Heimat bietet. Bis es so weit ist, werden nach Einschätzung des 46-Jährigen noch zahlreiche Jesiden aus Angst vor Terror und Verfolgung aus Syrien fliehen. So wie jene Familien, die in den zurückliegenden Wochen in Delmenhorst eingetroffen sind und denen Shikho nach eigenen Worten unbürokratische Hilfe hat zukommen lassen.

Cousins nach Syrien zurückgekehrt

Auf Vermittlung eines Neffen, der in der Stadt einen Internetshop betreibt, hätten die Flüchtlinge Kontakt zu ihm aufgenommen. Er habe sie dann bei Behördengängen und zur Aufnahmestelle nach Hesepe begleitet. Ob sie in Deutschland bleiben wollen oder eine Rückkehr nach Syrien anstreben, wisse er jedoch nicht.

Insbesondere ältere Flüchtlinge, so berichtet Shikho, hätten nicht selten den Wunsch, in die Heimat zurückzukehren. Das habe er in der eigenen Familie erfahren. „Zwei meiner Cousins sind wieder in unser Dorf gezogen“, erzählt Shikho. Die beiden hätten sich in Deutschland nicht einleben können. Ihre Kinder seien hingegen in Deutschland geblieben und fühlten sich hier wohl. Ebenso wie Shikhos Mutter und seine Geschwister mit ihren Familien. Zurückkehren nach Syrien, nein, das würden sie nicht.