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Grundstücksmarkt Konflikt um Delmenhorster Baulücken spitzt sich zu

Von Michael Korn | 19.04.2018, 10:29 Uhr

In der Kontroverse um die Ausweisung von Neubaugebieten in Delmenhorster Randlage erhöhen Naturschützer und Bauland-Gegner den Druck auf Rat und Verwaltung, zuerst bestehende Baulücken in den Stadtteilen zu aktivieren.

In der Kontroverse um die Ausweisung von Neubaugebieten in Delmenhorster Randlage erhöhen Naturschützer und Bauland-Gegner den Druck auf Rat und Verwaltung, zuerst bestehende Baulücken in den Stadtteilen zu aktivieren. Im vergangenen Planungsausschuss bekräftigten die Bürgerinitiative gegen das Bauen im Außenbereich sowie der Naturschutzbund ihre Forderung nach einer Nutzung von freien Einzelgrundstücken im bebauten Stadtgebiet. Stadtbaurätin Bianca Urban antwortete, dass das Rathaus eine Doppelstrategie fahre – Nutzung von Baulücken und zusätzlich Schaffung zusammenhängender Neubaugebiete. Dafür gebe es bei der Wirtschaftsförderung eine Warteliste mit über 400 Interessenten für Grundstücke.

100 Hektar freie Grundstücke

Erneut haben im Ausschuss Widerständler gegen neues Bauland vor allem Am Heidkamp in Bungerhof auf sofort verfügbare 100 Hektar erschlossene, freie Flächen im „Innenbereich“ verwiesen. Dem Rathaus lägen dazu rund 1000 Protest-Unterschriften gegen die Vernichtung von Wiesen und Felder vor. Erst kürzlich hatte der Nabu den Bedarf an neuen Baugebieten entgegen den Prognosen des neuen Wohnungsmarktberichts bestritten. Seit 2011 würden Immobilien zunehmend aus dem Bestand vermarktet und wegen der ansteigenden Ein- und Zwei-Personen-Haushalte sei ein Bedarf an großen Einfamilienhäusern nicht nachvollziehbar.

Nur theoretisches Bau-Potenzial

Das Baulückenkataster startete vor vier Jahren mit 745 Grundstücken und wies zuletzt 600 Flächen auf. Die Stadt selbst verfügte davon über gerade einmal 13 Bauplätze in Bungerhof, Iprump, Schafkoven, Stickgras/Annenriede und Hasport/Annenheide. Bei den Einzellücken bestehe insgesamt zwar theoretisch ein großes Potenzial an Bauland. Jedoch würden diese von den Privateigentümern nicht oder nur sehr zögerlich auf den Markt gebracht. Die niedersächsische Investitions- und Förderbank N-Bank hat unterdessen für Delmenhorst einen sehr hohen Wohnungsneubaubedarf von rund 150 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern und rund 200 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern pro Jahr von 2016 bis 2025 ermittelt. Dies bestätige die bisherigen Zielsetzungen der Stadtverwaltung, bis zum Jahr 2025 pro Jahr mindestens 200 Wohneinheiten pro Jahr zusätzlich zu schaffen. Mit nur 54 Ein- und Zweifamilienhäusern ist zumindest eines der Ziele nach Rathausangaben zuletzt deutlich verfehlt worden.

Bauland in allen Lagen notwendig

Im aktualisierten Wohnungsmarktbericht bekräftigt die Stadt: In der Konsequenz müssten die Anstrengungen zum Wohnungsbau durch die Bereitstellung von „nachfragegerechten Wohnbauland in allen Lagen im Stadtgebiet“ insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch für barrierefreien Wohnraum in Mehrfamilienhäusern forciert werden. Dabei sei eine „baulandsparende Konzeption (denen Zielen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes entsprechen) mit der Förderung der Innenentwicklung (zur Nutzung vorhandener Infrastruktur wie KITA, Schule und ÖPNV) wünschenswert. Angesichts der Höhe des ermittelten Neubaubedarfes müssten aber auch „Arrondierungen der Siedlungsflächen am Stadtrand in Betracht gezogen werden“.