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Hacker greifen Delmenhorst an Rathaus lehnt zur Sicherheit Angaben über Attacken ab

Von Michael Korn | 28.06.2015, 14:16 Uhr

Die rund 650 Rechner in der Stadtverwaltung sind Angriffen von Hackern ausgesetzt. Wie oft und erfolgreich dies passiert, wollte das Rathaus jedoch aus Angst vor Nachahmern nicht sagen.

Nicht nur der Bundestag, auch die Dienststellen der hiesigen Stadtverwaltung sind das Ziel von Cyber-Attacken aus dem Internet. Das bestätigte das Rathaus auf dk-Anfrage zumindest indirekt. Anzahl und Tendenz wollte man aus Sicherheitsgründen nicht mitteilen.

Die Stadtverwaltung Delmenhorst betreibt laut einer Mitteilung von Stadtsprecher Timo Frers rund 650 PC-Arbeitsplätze. Die Verwaltung schütze sich durch ein mehrstufiges Firewall-System in Verbindung mit mehrstufigen Antivirenlösungen gegen Angriffe von außen. Dabei würden ausnahmslos Produkte namhafter Hersteller eingesetzt.

Delmenhorst keine Ausnahme

Die Netzwerkabteilung der Stadtverwaltung teil mit, dass heutzutage alle Netzwerke, die mit dem Internet verbunden sind, möglichen Angriffen ausgesetzt seien. „Da bildet das Netzwerk der Stadt Delmenhorst keine Ausnahme. Aus Sicherheitsgründen können wir jedoch leider keine detaillierten Auskünfte über Art und Anzahl der Attacken geben“, bekräftigte Frers. Bei weiteren öffentlichen Informationen bestehe aus Sicht der Fachverwaltung die Befürchtung, „dass ein Zeitungsartikel Begehrlichkeiten wecken und die Aufmerksamkeit von Hackern auf das Netzwerk der Stadt Delmenhorst richten könnte.“

Münster veröffentlicht Zahlen

Weniger zurückhaltend mit Informationen über Cyber-Attacken reagieren dagegen beispielsweise Stadt und Bezirksregierung in Münster. Bei der Stadt Münster betreut ein städtisches Tochterunternehmen laut einem Bericht der „Westfälischen Nachrichten“ 4200 Rechner, weitere 3000 an Schulen. 10000 potenziell schädliche Mails hätten im Jahr 2013 die Verwaltung erreicht. Die Zahl habe deutlich zugenommen. Eine Handvoll Mails sei 2013 trotz der Sicherheitsstandards zu den Anwendern durchgekommen. So hackte sich jemand aus Südafrika auf der Homepage der Musikschule Münster ein und änderte die Kontonummer, um Überweisungen abzuzweigen. Der Betrug wurde rechtzeitig erkannt und die Seite gesäubert, sodass für Dritte kein Schaden entstand. Tausende virtuelle Angriffe im Jahr bestätigt laut dem Zeitungsbericht auch die Bezirksregierung Münster, die 1300 Computer unterhält.

Trojaner im Bundestag

Das Computersystem des Bundestages muss komplett neu aufgebaut werden, nachdem Unbekannte zahlreiche Rechner von Abgeordneten mit Schadprogrammen angegriffen und einen Trojaner ins Netzwerk eingeschleust haben, um vertrauliche Daten abzuzweigen.