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Hanna Jansen erzählt von Flucht Eine besondere Autorin zu Gast in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 16.10.2015, 08:53 Uhr

Eine ungewöhnliche Autorin hat sich in der Buchhandlung Decius vorgestellt. Autorin Hanna Jansen hat sechs Kinder adoptiert, die den Bürgerkrieg in Ruanda überlebt haben.

„Wir stehen in der Pflicht“, sagte Hanna Jansen kurz und knapp zu den aktuellen Debatten um die Flüchtlingsströme. Wie man seinen Pflichten gegenüber Schutzsuchenden aus der Ferne am besten nachkommen kann, lebt die Schriftstellerin den Menschen seit vielen Jahren vor. 1996 haben ihr Mann und sie sechs Kinder und Jugendliche aus Ruanda adoptiert, die dort, nach traumatisierenden Erlebnissen, den Völkermord überlebt hatten – im Unterschied etwa zu den leiblichen Eltern, Geschwistern und Freunden.

Die Geschichte ihrer Adoptivtochter

Jansens Erfolgs-Roman „Über tausend Hügel wandere ich mit dir“, den die Autorin bereits 2002 veröffentlichte, handelt von der fast zweijährigen Flucht ihrer Adoptivtochter Jeanne aus Ruanda, die damals nacheinander Mutter, Vater und Bruder verlor. „Sie wollte unbedingt, dass ich ihre Geschichte erzähle“, so Jansen gestern zur Entstehungsgeschichte des Buchs.

Denn Jeanne, die heute, nach erfolgreicher Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin, in einer Klinik-Apotheke arbeitet, habe kaum ertragen, wie wenig gerade Erwachsene in Deutschland über das Schicksal vieler Afrikaner wüssten.

So anschaulich und authentisch wie möglich

Sie habe Jeannes Erlebnisse so anschaulich und authentisch wie möglich verfasst, charakterisierte Jansen den eigenen Roman. Um das Delmenhorster Publikum nicht zu verschrecken, sparte sie bei Decius gleichwohl die harten Passagen aus. Das augenscheinlich faszinierte und bewegte Publikum erfuhr so von Jeannes Flucht zu Freunden, vom gemeinschaftlichen Verstecken in einem Kaffeefeld, vom nächtlichen Wachliegen zwischen vielen anderen Kindern und von ihren Hoffnungen, die das Mädchen – ganz am Ende – mit der Reise nach Deutschland verband: immerhin ein versöhnlicher Ausgang der aus mitteleuropäischer Perspektive unfassbaren Schreckensgeschichte.

Delmenhorst und Detmold verwechselt

Jansen hat sie in ihrem Roman auf wunderbar einfühlsame Weise niedergeschrieben – sehr zum Wohlgefallen auch des Publikums bei Decius. Das im Übrigen ohne Murren die einstündige Verspätung der Autorin hingenommen hatte: Statt nach Delmenhorst war Hanna Jansen aus der Eifel zunächst irrtümlich nach Detmold gereist.