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Hans-Hermann Precht gestorben Trauer um profunden Kenner der Industriegeschichte

Von Dirk Hamm | 19.01.2019, 09:22 Uhr

Der frühere Leiter des Industriemuseums auf der Nordwolle, Hans-Hermann Precht, ist tot. Er verstarb in der Nacht auf Dienstag im Alter von 69 Jahren.

Seit Längerem schon habe ich die Gespräche mit Hans-Hermann Precht, den Freunde und Kollegen liebevoll „Hermi“ riefen, vermisst. Wer konnte bei einer Tasse Kaffee – und vor der Verabschiedung draußen vor der Tür noch bei einer Zigarette – besser über die Geschichte der Delmenhorster Industrie erzählen als der ehemalige Leiter des Industriemuseums auf der Nordwolle? Solche Gespräche wird es nun nicht mehr geben können: Hans-Hermann Precht ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 69 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Auch noch im Ruhestand im Museum präsent

Eine Nachricht, die neben Angehörigen und Freunden auch all jene tief erschüttert hat, die ihm jahrelang auf beruflicher Ebene begegnet sind. Zwar schon im Ruhestand, so war der aus Delmenhorst stammende Bremer doch bis zum vergangenen Jahr noch stets präsent in dem Museum, dessen Aufbau er wesentlich mitgeprägt hat. „Er hat das Museum auf die Beine gestellt, es ist sein Kind. Das ist seine Lebensleistung“, würdigt der jetzige Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur, Dr. Carsten Jöhnk, die Leistung seines Vorgängers.

Erbe der Nordwollefabrik erhalten

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er Ende der 80er Jahre zu dem von einem regen Förderkreis angeschobenen Projekt, das Erbe der Nordwollefabrik zu erhalten und museal aufzubereiten, dazugestoßen. Bald drückte Precht mit seiner Konzeption dem Vorhaben seinen Stempel auf, und im Jahr 1996 konnte die Eröffnung des Fabrikmuseums gefeiert werden.

Industriemuseum vier Jahre geleitet

Nach Jahren als Stellvertreter von Museumsleiter Dr. Gerhard Kaldewei übernahm er nach dessen Abschied von 2011 bis 2015 selbst die Verantwortung für Stadt- und Fabrikmuseum. Danach brachte er dort seine profunden Kenntnisse ehrenamtlich weiter ein, ordnete, systematisierte und recherchierte in dem Archiv.

Auch als Zeitzeuge gefragt

Auch „Von Hus un Heimat“ hat Hans-Hermann Precht viel zu verdanken, hat er doch mit seinem Wissensschatz zahlreiche Beiträge zur Delmenhorster Geschichte entscheidend angereichert. In den vergangenen Jahren vor allem durch sein Mitwirken an der Serie „Objekte, die Geschichte(n) erzählen“. In mehreren eigenen Beiträgen beleuchtete er auf dieser Seite wissenschaftlich fundiert den spektakulären Lahusen-Prozess um den Nordwolle-Konkurs des Jahres 1931. Und als Zeitzeuge bildeten die mündlichen Erinnerungen des Maxe-Schülers, der sein Abitur just baute, als auch im beschaulichen Delmenhorst die 68er für mächtig Wirbel sorgten, die Grundlage für Sönke Ehmens mehrteiliges Zeitpanorama des Jahres 1968.

Nicht nur ich werde Hans-Hermann Precht als überaus kompetenten Gesprächspartner, vor allem aber als wunderbaren Menschen in Erinnerung behalten.