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Haupttäter wird noch gesucht Milde Gerichtsurteile gegen drei Delmenhorster

Von Ole Rosenbohm | 14.12.2016, 19:27 Uhr

Der Prozess vor dem Landgericht Oldenburg gegen drei junge Männer aus Delmenhorst wegen schwerer räuberischer Erpressung ist am Mittwoch mit milden Urteilen nach Jugendstrafrecht zu Ende gegangen.

Ein 20-Jähriger muss für ein Wochenende ins Gefängnis, ein sogenannter Freizeitarrest. Ein weiterer 20-Jähriger muss dem Opfer 250 Euro zahlen. Ein 21-Jähriger wurde freigesprochen.

Eskalation auf privater Feier

Das Opfer wurde auf einer privaten Feier im August 2015 in der Wohnung des 21-Jährigen des Diebstahls bezichtigt und danach geschlagen, festgehalten, getreten, beraubt, mit Abschneiden eines Fingers oder der Hand bedroht sowie gezwungen, ein „Schuldeingeständnis“ zu unterschreiben. Urteile wegen räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung kämen für die Angeklagten in Betracht. Richter Reuter sah aber nur eine Nötigung bei den beiden 20-Jährigen. Sie hätten das Opfer in einer Situation auf dem Boden festgehalten.

27-jähriger Delmenhorster wird noch gesucht

Abgeschlossen ist der Fall nicht. Als Haupttäter machten Angeklagte, Zeugen und Opfer einen zurzeit mit Haftbefehl gesuchten 27-jährigen Delmenhorster aus. Die Polizei vermutet ihn in Spanien. Wird er gefasst, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Ausnahmslos alle vorgeworfenen Taten soll er begangen haben, währenddessen die drei anderen der Raserei und ausgebrochenen Gewalt fast ohnmächtig zugeschaut haben wollen.

Opfer verstrickt sich in Widersprüche

Geholfen hatten den jungen Angeklagten Zeugenaussagen, denn das Opfer widersprach sich einige Male. Sein Vorwurf, die drei hätten geschlagen und durch Abschließen einer Tür eingesperrt, überzeugte das Gericht so nicht.

Zudem wollte eine Belastungszeugin ihre bei der Polizei getroffenen Aussagen im Prozesssaal nicht mehr wiederholen, weswegen gegen sie jetzt wegen falscher Verdächtigungen ermittelt wird. Und wichtig war am Mittwoch eine kurzfristig geladene „neutrale“ Zeugin, die grobe Abläufe des Abends bestätigen konnte. Darum und auch aufgrund günstiger Sozialprognosen kam es zu den milden Urteilen: Nach Jahren der Perspektivlosigkeit, Problemen in Schule und Elternhaus sowie mit Polizei und Justiz arbeiten zurzeit alle Verurteilten und wirken recht stabilisiert.