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Haushaltüberschreitungen Betreuung kostet Delmenhorst mehr Geld

Von Marco Julius | 02.12.2015, 08:06 Uhr

Das Budget für das laufende Jahr reicht nicht aus. Weil Fallzahlen steigen, muss im Haushalt unter anderem für „Sozialpädagogische Familienhilfe“ deutlich nachgebessert werden.

In Zeiten leerer Kassen gibt es leichtere Aufgaben als die Gestaltung städtischen Lebens. Und es gibt Aufgaben, die sicher mehr Spaß machen, als kommunale Haushaltsberatungen, wenn die Kosten steigen und das Konto leer ist. Am Mittwoch, 2. Dezember, tagt der städtische Ausschuss für Wirtschaft, Finanzen und zentrale Angelegenheiten (ab 17 Uhr im Rathaus). Auf der Tagesordnung steht dann unter anderem auch wieder die Genehmigung von Haushaltsüberschreitungen.

Nicht alle Mehrausgaben können aufgefangen werden

Der Fachbereich 2, zuständig für Jugend, Familie, Senioren und Soziales, hat in einer ausführlichen Vorlage für die Sitzung deutlich gemacht, dass die für 2015 zur Verfügung gestellten Budgetmittel „nicht auskömmlich“ seien. Mehrausgaben könnten zum Teil im Budget aufgefangen werden, es gibt aber Bereiche, in denen das nicht mehr möglich sei. Dazu gehört unter anderem der Bereich „Sozialpädagogische Familienhilfe“ im Fachdienst 23. 250000 Euro fehlen insgesamt in diesem Bereich. 300000 Euro fehlen zudem im Bereich „Heimerziehung/Betreutes Wohnen“.

Fallzahlen steigen

Die Fallzahlen bei den „Sozialpädagogischen Familienhilfen“ sind laut Vorlage in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, von 209 im Jahr 2011 auf 218 im Jahr 2014. In diesem Jahr sind bis November bereits 248 Fälle gezählt worden. Die Verwaltung erläutert: „Der Anstieg der Ausgaben erklärt sich nach wie vor unter anderem durch den Einsatz der Familienhebammen plus pädagogischer Unterstützung (besondere Form der Familienhilfe) und dem verstärkten Einsatz frühzeitiger Hilfen (Vorgabe des neuen Bundeskinderschutzgesetzes) für Familien mit unter einjährigen Kindern. Hier sind in der Regel Maßnahmen mit einem hohen wöchentlichen Stundenschlüssel zur Kontrolle vonnöten, um das Kindeswohl zu sichern.“ Zudem hätten die freien Träger, die die ambulanten Hilfen umsetzen, 2014 aufgrund von Tarifsteigerungen und verjährten Entgeltverhandlungen einen erhöhten Fachleistungsstundensatz neu verhandelt. „Alle anderen Träger und Einzelanbieter haben bereits ebenfalls Neuverhandlungen angekündigt“, so die Verwaltung.

Der Fachdienst braucht zudem mehr Geld, weil vermehrt Eltern aus dem Umland nach Delmenhorst ziehen, deren Kinder außerhalb von Delmenhorst in Vollzeitpflege untergebracht sind.

Im Bereich der teilstationären Hilfen für Kinder mit seelischer Behinderung steigen die Fallzahlen ebenfalls. 2011 waren es sieben, 2012 zwölf, 2013 13 und 2014 18 Fälle. Bis November 2015 waren es elf Fälle. Auch in diesem Bereich sind durch Entgeltverhandlungen die Kosten gestiegen. Ähnliches gilt für die Erziehung in Tagesgruppen, wo die Zahl von 2014 im November mit 46 Fällen bereits überboten wurde. Auch hier gibt es Kostensteigerungen durch neue Vergütungsvereinbarungen.

Steigende Fallzahlen auch im Bereich Heimerziehung/Betreutes Wohnen: 2011 waren es 138 Fälle, 2012 134, 2013 156, 2014 152 Fälle. Bis November 2015 wurden 154 gezählt. Neben der leichten Fallzahlsteigerung haben laut Verwaltung viele Einrichtungen aufgrund von Tarifsteigerungen mit den Jugendämtern neu verhandelt und ihre Tagessätze erhöht.

Zahl der Inobhutnahmen gestiegen

Die Zahl der Inobhutnahmen und Bereitschaftspflegen ist ebenfalls gestiegen. Bis November 2015 gab es 119 Fälle, 2014 waren es 93.

Im Fachdienst 25 besteht laut Verwaltung eine Deckungslücke in Höhe von 200000 Euro. Begründung: Die Träger von Kindertagesstätten mussten erheblich mehr Vertretungspersonal für erkrankte Mitarbeiter einsetzen, sodass die Vertretungskostenpauschale nicht mehr ausreichend war. Zudem waren in diesem Jahr in mehreren Einrichtungen Sanierungen und Ersatzbeschaffungen notwendig, die laut Verwaltung nicht im Voraus planbar waren.