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Heiße Spur zur Fahrradmafia Fahrräder aus Delmenhorst an Grenze sichergestellt

Von Thomas Breuer | 18.05.2016, 17:42 Uhr

Eine offenbar international agierende Fahrradmafia hat auch Delmenhorst im Visier. Darauf deutet ein Erfolg der Bundespolizei bei der Suche nach gestohlenen Fahrrädern am Grenzübergang Pomellen hin.

An der A11 an der Grenze zu Polen haben Beamte am frühen Morgen des Pfingstmontags einen Ford Galaxy mit Anhänger kontrolliert und dabei insgesamt 16 neuwertige Fahrräder entdeckt, zu deren Herkunft der 43-jährige Fahrer und sein 28-jähriger Beifahrer keine genauen Angaben machen konnten.

Nach Stand vom Mittwochvormittag sind laut Axel Falkenberg, Sprecher der Polizei in Anklam, wenigstens sechs der Zweiräder erst kürzlich in Delmenhorst gestohlen worden. Mindestens eines davon am Donnerstagabend vor Pfingsten auf dem Jute-Gelände, das derzeit als ein Schwerpunkt dieser Taten im Stadtgebiet gilt .

Die Männer im Fahrzeug, gegen die jetzt Ermittlungen wegen des Verdachts des Diebstahls und der Hehlerei laufen, sind nach Feststellung ihrer Personalien wieder auf freiem Fuß. Laut Falkenberg haben sie in der Vernehmung erklärt, sie seien nur mit dem Transport beauftragt gewesen, der mutmaßliche Besitzer soll die Räder nach ihren Worten in Bremen erworben haben.

Ein gut organisiertes kriminelles System

Daraus ergibt sich für die Polizei ein komplexes Bild. Offenbar gibt es neben den eigentlichen Dieben Ankäufer, Transporteure und Wiederverkäufer – ein gut durchorganisiertes kriminelles System. Landespolizei, Bundespolizei und Zoll gelingen laut Polizeisprecher immer wieder Schläge gegen diese Fahrradmafia, wobei Falkenberg einräumt: „Der Großteil von dem, was entwendet wird, findet sein Ziel.“ Mitunter gebe es für gestohlene Fahrräder auch Lagerstätten im Wald, von wo aus Helfershelfer diese dann auf die Reise schicken.

Der aktuelle Fall wirft auch ein Licht darauf, wie verzweigt und gut ausgestattet die Fahrradmafia agiert. Der Fahrer des Ford Galaxy konnte der Polizei keinen Fahrzeugschein vorweisen, dieser wurde in einem an der A24 nahe Stolpe, zwischen Ludwigslust und Parchim, liegengebliebenen Transporter gefunden. Dort im Fahrzeug: fünf weitere Fahrräder. Offenbar konnten beim Umladen nicht alle Räder im Anhänger des Ford Galaxy verstaut werden, mutmaßt die Polizei derzeit.

Eigentümer müssen ihre Räder selbst zurückholen

Die rechtmäßigen Besitzer der Räder sollen zeitnah verständigt werden – und müssen nach jetzigem Stand dann sehen, wie sie an ihr Eigentum kommen. Die Polizeiinspektionen verwahren das Diebesgut nämlich nur und sorgen nicht für dessen Rückführung.

Mit Blick auf den polizeilichen Erfolg am Grenzübergang Pomellen rät der hiesige Polizeisprecher Henrik Hackmann, jeden Fahrraddiebstahl anzuzeigen. Nur so sei es überhaupt möglich, wieder in den Besitz seines Rades zu kommen. Im vergangenen Jahr sind in Delmenhorst 773 derartige Delikte zur Anzeige gekommen. 109 Fälle konnten aufgeklärt werden. Zur aktuellen Entwicklung nennt die Polizei keine Zahlen.