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Marktrundgang in Delmenhorst Helga Kranz ist Verkäuferin aus Leidenschaft

Von Niklas Golitschek | 23.07.2019, 20:49 Uhr

Eier von Büntjen – für einige Besucher des Delmenhorster Wochenmarkts ist der Besuch des Stands von Helga Kranz, der nun KMS heißt, obligatorisch. Sie kennt ihre Kunden seit Jahrzehnten.

Eier, Nudeln, Honig – die Auswahl von Helga Kranz ist begrenzt, ihr Stand auf dem Delmenhorster Wochenmarkt nicht der größte. Und doch kommen im Minutentakt Kunden zu KMS, vielen noch besser bekannt unter dem Namen Büntjen aus Schierbrok.

Seit 40 Jahren ist der Stand schon auf dem Wochenmarkt zu finden. Zuerst Kranz‘ Mutter, nun ihr Sohn führten das Geschäft, sie selbst ist im Betrieb angestellt und hat ihn nie geleitet. Für sie ist der Markt so etwas wie ein zweites Zuhause geworden, seit 1993 arbeitet Kranz hier, war aber auch vorher schon häufiger vor Ort. „Er ist so gemütlich und familiär. Ich möchte nicht im Geschäft arbeiten“, sagt sie. Außerdem werde nur durch den Wochenmarkt die Innenstadt noch bevölkert.

Qualität aus der Region

Die Kunden wüssten, dass sie hier noch Qualität aus der Region erhielten. In den vergangenen Jahren sei nach einer Flaute um die Jahrtausendwende auch wieder zu spüren, dass mehr Menschen auf den Wochenmarkt kämen, um bewusst die Lokalwirtschaft zu stärken. „Sind das Bio-Eier“, fragt ein Kunde. „Ne, aber ich behaupte: Die sind nicht besser.“ Die Produkte beziehe ihre Firma inzwischen aus einer Erzeugergemeinschaft.

Ihre Kunden kennt Kranz fast alle beim Namen. „Moin, Richard! Einmal sechs Eier?“, sagt sie zu einem Kunden und erzählt, dass er damals der erste Kunde am Stand gewesen sei. Der lacht und antwortet: „Du kannst den Laden dicht machen, ich nehme zwei Mal sechs.“ Es ist dieser direkte und persönliche Kontakt zu ihren Kunden, den die Verkäuferin so schätzt. Viele Kinder, die Kranz einst aufwachsen sah, kommen inzwischen selbst zum Einkaufen mittwochs oder samstags zum Wochenmarkt in Delmenhorst oder nach Ganderkesee, wo KMS ebenfalls verkauft: „Sie behalten das bei.“

Ein offenes Ohr

Gerade bei den älteren Kunden müsse sie sich zwar viel über Krankheiten anhören – und auch merken, um beim nächsten mal wieder nachzufragen. „Sie wollen das loswerden auf dem Wochenmarkt“, sagt sie. Doch das scheint Helga Kranz nur wenig zu stören, im Gegenteil. Seit Anfang des Jahres könnte sie selbst ihren Ruhestand genießen. Trotzdem steht sie noch ab 7 Uhr in der Früh auf dem Marktplatz, wenn wieder Wochenmarkt ist, um Eier, Nudeln und Honig anzubieten. „Das macht Spaß so. Ich mache das noch, solange ich gesund bin“, sagt Kranz.